• Hänger Tag

    March 13 in Morocco ⋅ ☀️ 22 °C

    Irgendwie sind wir an diesem Morgen alle nicht wirklich aus dem Bett gekommen. Nach den stürmischen Tagen schliefen wir lange, als müsste der Körper erst einmal wieder zur Ruhe finden.

    Mit unseren drei Fahrzeugen, die komplett voller Sand waren, beschlossen wir dann, den Vormittag erst einmal gründlich aufzuräumen. Der Sandsturm hatte den feinen Staub mit solcher Wucht in jede Ecke gedrückt, dass er wirklich überall zu finden war – im Bett, an den Fensterrahmen, in kleinen Häufchen in den Ecken, in Handtüchern, zwischen den Kleidern und natürlich auf dem ganzen Boden. Also wurde gefegt, gewischt und sortiert, bis langsam wieder ein bisschen Ordnung einkehrte.

    Danach zog sich der Tag ganz entspannt dahin. Keiner von uns konnte sich wirklich entscheiden, wann oder wohin wir als Nächstes fahren sollten. Also verbrachten wir viel Zeit mit Gesprächen – untereinander und mit einigen der anderen Reisenden auf dem Campingplatz.

    Ich muss allerdings zugeben: Ich war wahrscheinlich die Einzige, die mit diesem reinen Campingtag nicht ganz glücklich war. Schließlich hatte ich in dieser Gegend noch kaum etwas gesehen. Erst der Schaden am Mercedes 917, dann der Sandsturm – und nun wieder ein Tag auf dem Campingplatz. Mir war natürlich klar, dass wir nicht mehr durch die Pampa fahren, keine Pisten und keine Dünen mehr nehmen konnten. Aber ein kleines bisschen mehr unterwegs sein, ein bisschen mehr Reisegefühl – das hätte ich mir schon gewünscht.

    Die anderen Fahrzeuge – Ronny und Biene sowie Armin mit Bianca – sind hier schon eine ganze Weile unterwegs und haben bereits viel gesehen, genauso wie Claas. Ich hingegen war diejenige, die noch in den Startlöchern stand und eigentlich Lust auf ein bisschen Bewegung und Abenteuer hatte.

    Dazu kam noch, dass ich ein wenig unter Zeitdruck stehe. Zu Hause hatte ich angekündigt, etwa zehn bis zwölf Tage unterwegs zu sein, maximal vielleicht vierzehn – und diese Tage vergingen nun einfach schneller, als mir lieb war.

    Trotzdem habe ich versucht, das Beste daraus zu machen.

    Besonders spannend war für mich eine Begegnung mit dem Besitzer eines Toyota HJ80, einem Vormodell von genau dem Fahrzeug, das ich mir gerade gekauft habe. Wir hatten eine lange und sehr interessante Unterhaltung. Ich durfte mir genau anschauen, wie er seinen Kofferraum organisiert hat, welche Ausrüstung er auf seinen Reisen dabeihat und was sich auf solchen Touren wirklich bewährt. Meine eigene Liste an Ideen und Dingen, die man mitnehmen sollte, wurde dabei wieder ein gutes Stück länger.

    Am Abend meldete sich dann langsam der Hunger. Gegen 18 Uhr liefen wir gemeinsam zu einem kleinen Restaurant unweit unseres Campingplatzes. Dort teilten wir uns eine Tagine, Hühnerspieße mit French Fries und natürlich auch den typischen marokkanischen Salat – einfach, aber sehr lecker.

    Danach saßen wir noch lange zusammen, redeten, lachten und ließen den Abend ganz gemütlich ausklingen – bis etwa Mitternacht.

    Ein typischer Campingtag also: wenig Bewegung, viele Gespräche und ein bisschen Alltag mitten auf der Reise.

    Leider ging es Claas immer noch nicht wirklich gut. Der Husten vom Staub hatte ihn weiterhin fest im Griff. Deshalb stellte ich mich innerlich schon wieder auf eine eher kurze Nacht ein – und genau so kam es dann auch.
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