• Gänsegeier, drunken Guy und Icecage

    July 23 in Serbia ⋅ ☀️ 13 °C

    Das Stück Maiskuchen zum Frühstück und die übliche Tasse selbstgemachter Joghurt musste reichen: Danach ging es wieder drei Stunden durch den Wald. Das Foto sieht nur deshalb so harmlos aus, weil ich abseits der Wege seltsamerweise keine Hand frei habe, oder damit im nächsten Ast hängen würde. Das Wort „Selfie-Stick“ kriegt damit nochmal eine ganz andere Bedeutung..
    Bisma war gestern nicht fit genug für einen Halbtagesritt, durfte aber heute wieder mit. Sie wurde vor einem halben Jahr aus extrem schlechter Haltung gerettet und ist, was den Trainingszustand angeht, noch ziemlich hinterher. Aber sie kämpft, auch wenn sowas wie Galopp immer noch ungewohnt und anstrengend ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde sie jahrelang an der Kette gehalten. Viele Pferde - nicht nur die teuren fürs Turnier - dürfen überhaupt nicht raus, weil sich laut Iva die Meinung hält, dass sie auf der Wiese krank werden. Den Hunden hier geht es ähnlich, mit dem Unterschied, dass sie entweder in einen kleinen Zwinger gesperrt oder den ganzen Tag über angebunden werden. Von den ausgesetzten Straßenhunden ganz zu schweigen..
    Zurück zu Bisma: Wir wären gefühlt fast zusammen im Matsch gelandet, weil mal wieder ein Baum im Weg war. Sumpfiger Waldboden, steil bergauf, Hinterhand weggesackt, anderer, kleiner Baumstamm, über den wir gleichzeitig drüber mussten und dann auf der anderen Seite wieder einen Abhang runter zum Weg, der so steil war, dass ich fast senkrecht nach hinten in den Steigbügeln stand. Da wurde mir echt ein bisschen anders. Vor allem, weil ich das Gefühl hatte, dass sie das kräftemäßig nicht packt. Die nächsten zwei umgekippten Bäume lang hatte ich entsprechend Schiss, aber dann ging es auch wieder. Gegen ein paar freigeräumte Wege hätte ich morgen aber auch nichts. Die One-Woman-Show Iva meinte mal im Gespräch: „If you know a guy, send one. I need an intellectual Lumberjack.“ Ich kapier so langsam, wieso.
    Aber: Auch schon wieder überlebt. Die gemütliche Bootsfahrt im Uvac-Nationalpark bescherte uns dann vierzehn Gänsegeier, eine unglaublich tolle, riesige Höhle, die sich sechs Kilometer in den Berg zieht, und einen klitzekleinen Anstieg über ca. 260 Höhenmeter zu einem Aussichtspunkt, der es wirklich wert war. Auf den sturzbetrunkenen Typen, der die Tour mit uns gemacht hat, hätte ich allerdings ganz gerne verzichtet. Der kam torkelnd vom Boot, saß während des gesamten Anstiegs (steil, unbefestigt, nur stellenweise ein Handlauf) drei Mal unterm Baum, joggte zwischendurch dafür an uns vorbei und schwankte (haha) zwischen drüber und durch. Todsicherer Darwin-Award-Moment: Fotoposing an der Klippe, obwohl drei Leute, ich eingeschlossen, ihn dringend gebeten haben, das nicht zu tun. Er hat es tatsächlich auf dem langsamen Weg wieder runter geschafft. Auch in Serbien gibt es das Sprichwort, dass Gott mit den Besoffenen ist. Oder so ähnlich…
    Fazit bis jetzt: Langweilig wird es hier jedenfalls nicht.
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