011 Reisebericht Canada vom 02.-12.07.26
July 16 in the United States ⋅ ⛅ 32 °C
011 Reisebericht Canada vom 02.-12.07.26
Die bisherige Reisestrecke beläuft sich auf 8.210 km. Unser nächster Teilabschnitt Jasper – Blue River – Bridge Lake – Kamloops – Pemberton – Whistler - Vancouver umfasst nun zusätzlich 1.000 km.
In Jasper haben wir das Ende des Icefield Parkway erreicht. Diese 260 km lange Panoramastrecke führt quer durch die Nationalparks Banff und Jasper; ist eine absolute Traumstrecke, also ein unbedingtes “Must Do It” für jeden Besucher der Rocky Mountains. Vorteil: Die Strecke führt meistens in einem Tal durch die Bergwelt. Rechts und links türmen sich schneebedeckte 3.000er und hin und wieder kannst du Tiere am Straßenrand oder auf der Straße beobachten. Die Strecke ist für jedes Fahrzeug ohne Probleme fahrbar. Nachteil: Diese optimalen Rahmenbedingungen führen dazu, dass die Strecke gut frequentiert ist. Die drei Zentren Banff, Jasper und Columbia Icefield sind die Touristenhotspots auf der Strecke. In den Nationalparks befinden sich viele Campgrounds, manche können im Voraus gebucht werden, andere haben das System “first come first get”; die einen bieten einen Komplettservice, die anderen lediglich Basic Service (Toilette, Müll). Serviceleistungen wie Strom, Dusche, Dumping Station, Frischwasser gibt es nicht auf allen Campgrounds. Und ebenfalls wichtig: Ausserhalb der drei Zentren gibt es auf der gesamten Strecke kein WiFi!
Wir verlassen Jasper und reisen weiter nach Blue River in der Provinz British Columbia, die Zeit Verschiebung nach Deutschland beträgt jetzt 9 Stunden. Das Wetter ist wieder durchwachsen, Sonne und kurze Schauer wechseln sich ab. Wir inspizieren die Umgebung um unseren Campground. Hier wird im Winter Heli Skiing angeboten. Hinter dem wunderhübschen kleinen Eleanore See erstreckt sich ein Wandergebiet. Hier wollten wir einen schönen Nachmittag verbringen, schwimmen, paddeln, spazieren, wandern, whatever – aber die Mosquitos fressen einen förmlich auf. Wir stoppen alle Aktivitäten und verstecken uns im MANí. Diese gemeinen, blutgierigen Monster!!!
Weiter geht es Richtung Clearwater; zum Zentrum der grünen Idylle. Wir wechseln vom Hochgebirge ins Mittelgebirge – eine sehr gefällige Landschaft. Das beständige Grün wird immer wieder durch Seen aufgelockert. Clearwater erweist sich als ein kleines Touristenzentrum mit einem vielfältigen Angebot. Allerdings sind die Preise hier höher als am Lake Louise!! Nein, danke.
Wir fahren weiter und finden einen absoluten Traumplatz am Latremouille Lake in der Nähe von Bridge Lake. Unser Stellplatz liegt direkt am See; absolute Ruhe, wunderschön. So haben wir uns Kanada immer vorgestellt. Wir haben auch nette Nachbarn, eine kanadische Familie mit 2 Hunden, die hier wohl eine Woche verbringen. Sie haben es sich hier richtig gemütlich gemacht. Lustig ist es, wenn die fünf auf ihren zwei Brettern in den See paddeln, Mutter und Tochter vorneweg, Vater mit den beiden Hunden hinterher. Alle fünf haben Spass auf dem Wasser, und wir am Uferrand auch. Von den Nachbarn erhalten wir auch Zugang zum Internet, unsere „eSim“ versagt hier leider vollständig. Das ist für unsere Orientierung und weitere Planung wirklich eine große Hilfe. Vielen Dank dafür!
Wir machen einen Tagesausflug zum RODEO nach Bridge Lake – ist unser erstes Rodeo; wir sind gespannt. Rodeo ist auch immer ein wenig Volksfest, hier kommt die ganze Umgebung zusammen und feiert. Die Kunststücke mit den Pferden, Lassos, Rindern, Bullen gepaart mit den verschiedenen Foodtrucks bilden dabei das unterhaltende Rahmenprogramm. Genauso wichtig ist es aber auch das Socialisen, sich zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsam Freude zu haben. So richtig tierfreundlich ist ein Rodeo auch nicht. Kälber werden erst mit Pferd & Lasso eingefangen, dann auf den Boden geworden und gefesselt, mutige Cowboys setzen sich auf irgendwelche Muskelpakete von Bullen und lassen sich durchschütteln. Pferde müssen parieren. Aber die Menge hat Spass – und wir auch. Leider spielt das Wetter einfach nicht mit. Die Veranstaltung beginnt mit Hagel und Dauerregen. Es ist einfach nur kalt, nass und ungemütlich. Das ist leider sowohl für die Akteure als auch für die Zuschauer nicht wirklich schön. Aber die echten Kanadier scheint das schlechte Wetter weniger zu stören. Wie auch immer, für uns war es eine interessante Erfahrung. Jetzt können wir mitreden.
Bridge Lake liegt übrigens am Fishing Highway 24, der Name ist hier Programm, viele Gäste kommen zum Angeln und Fliegenfischen. Wir lernen einen Gast kennen, der extra vom Bodensee zum Fliegenfischen hierhergereist ist.
Unsere Reise geht weiter, dieses Mal bis Kamloops. Die Landschaft ändert sich hier wieder sehr deutlich. Kamloops ist umrahmt von Hochplateaus, die Landschaft ist überraschend trocken, Büsche und Pinienwälder dominieren. Die bisherigen üppigen Wälder und das satte, erfrischende Grün werden zunehmend durch eine Steppenlandschaft ersetzt. Wir bleiben in Kamloops eine Nacht, besuchen das Wildlife Center, also ein kleiner Zoo, wo wir schließlich endlich einmal Biber und Elche in Kanada antreffen wollten. Nun gut, wir sehen Bären, Adler, Eulen, Füchse, Wapitis und einiges mehr. Aber weder Elche noch Biber werden gezeigt. Pech gehabt! Die großen Raubvögel werden in recht überschaubaren Volieren gehalten, ist das artgerecht? Das Thema “artgerechte Haltung” wird im Kölner Zoo doch um einiges besser umgesetzt.
In der Stadt flanieren wir durch den Riley Park. Hier beobachten wir eine Gruppe von zehn Maulwürfen, die sich hier am Parkrand vergnügen. Die possierlichen Tiere scheinen wenig Scheu vor den Menschen zu haben. Im Park ist eine große Bühne aufgebaut; Public Viewing > Fussball WM in Parkatmospäre. Eine schöne Idee!! Und es gibt sogar einen kleinen Rosengarten, die Rosen sind gerade in voller Blüte – so lovely!!
Pemberton ist unser nächstes Ziel. Direkt hinter Kamloops passieren wir einige kleine Salzseen, die hier auch eine Folge des trockenen Klimas sind. Immer wieder fahren wir an einer Ranch vorbei; Bonanza-Feeling. Vielleicht treffen wir ja auch noch Little Joe und Hoss? Wir machen einen Stopp bei der Deadman’s Junction Ranch, einer klassischen Western-Geisterstadt mit Saloon, Gefängnis und Holzhäusern. Sie diente bereits mehrfach als Kulisse für Westernfilme. Hier lassen sich natürlich tolle Aufnahmen machen. Der Betreiber ist ein Unikat, der nicht zu reden aufhört. Er warnt uns eindringlich vor den vielen Klapperschlangen, die hier ihr Unwesen treiben. Ernst oder Fake? Wir sind lieber ein wenig vorsichtig. Das Herumstreifen macht viel Freude, vielleicht weil wir die Ghost Town am frühen Vormittag bei angenehmen Temperaturen ganz für uns haben. Das Wetter ist bestens, aber es werden noch Temperaturen von an die 40°C erwartet. Jedenfalls wird uns das erzählt. Wieder Fake? Tatsächlich sind wir nahe der einzigen Wüste von Kanada; natürlich ist hier auch der heißeste Ort des Landes. Aber auch egal, wir wollen nicht in die Wüste – wir fahren weiter nach Pemberton. Das liegt wieder in den Bergen, und da herrschen annehmbare Temperaturen. Wir finden den feinen Stellplatz, der von der Stadt zur Verfügung gestellt wird und verbringen eine ruhige Nacht. Übrigens haben wir in Pemberton unser 24-jähriges Kennenlernen gefeiert - stilgerecht mit Wein und Kaffee.
Der legendäre Mount Whistler ist gleich nebenan und daher unser nächstes Ziel. Das Village Whistler meiden wir, es ist dort sehr busy – und eigentlich interessiert uns mehr der Berg und die Natur. Tatsächlich wissen wir auch am Ende des Tages immer noch nicht, welcher von den vielen Bergen der Mount Whistler ist – aber letztlich ist das auch egal. Die Gegend ist phänomenal; die Berge ragen deutlich weniger hoch in den Himmel als die am Icefield Parkway; so ist der Mount Whistler auch n u r 2.181 m hoch, er gehört übrigens zu den Coastal Mountains und nicht zu den Rocky Mountains. Die Gegend gefällt uns ausnehmend gut, hier könnten wir noch ein paar Tage mehr verbringen. Am Olympic Park unternehmen wir die Wanderung am Medley Creek Loop. Der Weg führt teilweise über Pfade, die im Winter als Langlaufpiste genutzt werden. Eine schöne entspannte Wanderung, wenn du von den vielen Hinweisschildern absiehst, die vor Bären warnen. Vorsichtshalber probieren wir auch unser Bärenspray aus; da ist ganz schön Druck drauf. Das gibt uns ein besseres Gefühl.
Der Olympic Park ist straff organisiert, aber letztlich konstatieren wir eine deutliche Sommerflaute. Wir könnten hier und jetzt auch eine Fahrt mit dem Bob auf der Eisbahn machen, aber wer will denn so etwas machen? Egal, außerhalb des Parkgeländes finden wir eine tolle Übernachtungsgelegenheit mit Blick auf die schneebedeckte Bergkette, die wir uns mit 15 anderen Wohnmobilisten teilen.
Wir sind sehr gespannt auf Vancouver, unser nächstes Etappenziel. Die Anreise verläuft mit vielen Zwischenstopps, weil die Aussicht auf die Landschaft immer wieder überwältigend ist. Es gibt Ähnlichkeiten zu den Fjorden in Norwegen, aber auch wirklich nur Ähnlichkeiten. Das Wetter spielt mit, dafür sind wir dankbar. Eine wunderbare Panoramastraße, sie gehört auf jeden Fall zu den schönsten Panoramastrassen, die wir kennen. Unterwegs treffen wir eine Familie vom Niederrhein. Sie holen ihren Sohn ab, der ein halbes Jahr in der Nähe von Vancouver verbracht hat. Ergebnis: er wäre am liebsten geblieben.
In Vancouver ist der Verkehr deutlich angespannter, aber MANí bleibt souverän. Wir finden unseren vorab reservierten Campground in einem Randbezirk, hier bleiben wir vier Nächte. Am Empfang werden wir von Hanna und Achmed begrüßt, wieder zwei deutsche Einwanderer, die sich hier sichtlich wohl fühlen. Auf dem Campground kommen wir mit einer deutschen Familie aus Hamburg ins Gespräch, die Eltern holen ihre Tochter nach einem Auslandssemester ab. Auch sie wäre lieber noch ein wenig geblieben. Die Geschichten wiederholen sich, wir finden das äußerst interessant. Auf dem Campground sind viele deutsche Touristen, das ist für uns sehr ungewohnt. In den letzten 10 Wochen waren deutsche Begegnungen eher selten. Der Campground ist richtig luxuriös, so gibt es z.B. einen Pool und einen Fitnessraum. Sehr gut, letzteren haben wir dann auch einmal genutzt. Ansonsten hat es uns aber primär in diese magische Stadt gezogen. Wir fahren immer mit dem Skytrain (eine fahrerlose U-Bahn) in die Stadt, Fahrtzeit rund 40 Minuten.
In Vancouver empfehlen wir die folgenden Highlights:
Die Waterfront ist spektakulär. Hier liegen die Kreuzfahrtschiffe. Es ist dementsprechend voll und busy. In Sichtweite starten die Wasserflugzeuge und Helikopter für Rundflüge.
Im Rahmen der Fußball WM ist die Granville Road eine einzige Partymeile. Das kannst du schön finden, oder auch nicht. Durch das grelle Sonnenlicht sind die auf der Straße befindlichen Bildschirme nur bedingt tauglich. Dazu sind die meisten Zuschauer auch mehr am Alkohol und Lamentieren interessiert. Das eigentliche Spiel wird leider oft zur Nebensache. Kein Wunder, Kanada ist ja auch schon raus. Für das Spiel Schweiz gegen Argentinien entscheiden wir uns für ein mexikanisches Restaurant auf Granville Island. Natürlich haben wir auch Fähnchen dabei, die zur Unterhaltung sämtlicher Nachbarn auch stilgerecht auf unserem Tisch platziert werden. Im Laufe des Spieles zeigt es sich, dass hier mehr Fans für die Schweiz als für Argentinien sind, aber geholfen hat das leider auch nicht. Egal, wir hatten trotzdem einen schönen Abend. Granville Island ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Ein Angebot an jeder Menge Seafood, schönen Boutiquen und Marktständen. Viele Strassenkünstler bilden das Rahmenprogramm.
Gastown ist ebenfalls ein besonderer (von uns favorisierter) Stadtteil; ein pulsierendes Viertel, das auch als das historische Herzstück der Stadt bezeichnet wird. Bekannt durch die einzigartige Steamclock, die regelmäßig den Westminster Glockenschlag nachpfeift. Ein Wunderwerk der Technik und entsprechend beliebt. Gastown haben wir als sehr touristisch erlebt. Die Einheimischen, also Leute im Stream Punk Look oder Gothic Look, sind deutlich in der Minderheit. Aber es laufen schon ein paar echte Exoten durch diesen Stadtteil. Wir finden, das lohnt sich auf jeden Fall.
Viel Freude hat die Fahrradtour durch den Stanley Park gemacht. Mit geliehenen Rädern machen wir uns auf den Weg. Immer wieder gibt es einen Stopp, um das wunderbare Panorama auf die Skyline von Vancouver zu genießen. Unterwegs gibt es einen kleinen Garten, auf dem mehrere Totempfähle stehen. Und natürlich ist das auch eine willkommene Gelegenheit für eine kleine Kaffeepause. Die Strecke ist gut ausgebaut, verfahren kannst du dich nicht.
Die beliebte Rad-Strecke ist dank der Einbahn-Regelung gegen den Uhrzeigersinn kein Konflikt-Potential wie die Rheinufer-Strecke in Kölns Altstadt! Positiv ist anzumerken, dass die Mehrzahl der zahlreichen Radler auch sehr rücksichtsvoll unterwegs ist.
Später gibt es noch eine kleine Lunchpause neben einem kleinen Freibad mit einen Infinity-Pool, von dem schaust du auf das Meer – ist das nicht phantastisch? Wir haben viel Freude, viel Bewegung – und einfach einen tollen Tag gehabt. Also ja, diese Fahrradtour ist eine Empfehlung.
Unser Fazit zu Vancouver: Es ist eine Traumstadt in einer famosen Umgebung. Auf der einen Seite ist der Pazifik, auf der anderen Seite erstrecken sich die Coastal Mountains. Gleichwohl ist es eine Großstadt mit all ihren Vor- und Nachteilen. Positiv ist das umfangreiche kulturelle Angebot, nachteilig ist der immense Touristenansturm sowie die Verkehrssituation in der Stadt. Ja, wenn wir ein wenig jünger wären, würden wir vielleicht auch noch einmal nachdenken, ob……….
Noch eine Randinformation: Vancouver liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Karlsruhe.
Ein Satz noch zu unserer Windschutzscheibe. Sie hält sich wacker, auch wenn der Riss schon ein wenig gewachsen ist. Wir bleiben positiv gestimmt, et hätt noch immer jot jejange. Unsere Reise geht weiter, nach der Großstadt brauchen wir jetzt erst einmal eine Auszeit auf der Insel. Also, bleibt gespannt!!!!!!!
Good to know:
> British Columbia: Die Provinz hat aktuell knapp 6 Mio. Ew. und verzeichnet seit kurzem erstmalig einen Bevölkerungsrückgang. Durch die hohen Lebenshaltungskosten, verstärkt durch eine aktuell recht restriktive Einwanderungspolitik, wurde für 2025 erstmalig ein Rückgang festgestellt. Gut die Hälfte der Bevölkerung lebt im Großraum Vancouver. Die Hauptstadt der Provinz heißt Victoria und liegt auf Vancouver Island.
> Vancouver: Die Kernstadt zählt 750.000 Ew, die Metropolregion hat über 3 Mio. Ew. So wie für die Provinz sind aktuell auch die Einwohnerzahlen für Vancouver stagnierend bzw. leicht rückläufig. Die Stadt ist lediglich 40km von der amerikanischen Grenze entfernt. Die Kernstadt ist überflutet mit schlanken Wohntürmen. Dieses urbane Konzept, das Vancouverism genannt wird, setzt weltweit neue Denkanstöße und Massstäbe bei der Stadtplanung. Vancouver gilt als eine der lebenswertesten Städte weltweit und ist bekannt für eine progressive Umweltpolitik sowie für ihre außergewöhnlich multikulturelle Bevölkerung.
> Auslandsaufenthalt für Schüler: Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt. Dieser muss vor Beginn der Abiturphase stattfinden. Der Aufenthalt kann bis zu einem Schuljahr betragen, meistens aber wohl nur für ein halbes Jahr. Wir finden: Wenn das Budget passt und die Schüler das Interesse und die Motivation mitbringen, ist das eine feine Sache. Es kann sich natürlich auch als Problem erweisen, wenn die Schüler nicht mehr nach Hause möchten …..Read more



















TravelerDas Mückenproblem kennen wir aus den Südstaaten….. Da hilft nur DEET😫Schön, dass die Scheibe hält: wir drücken weiterhin fest die Daumen🍀
TravelerJetzt sind wir auch dabei 🫶🤗