010 Reisebericht Canada 25.06.-02.07.26
July 7 in Canada ⋅ ☁️ 18 °C
010 Reisebericht Canada 25.06.-02.07.26
Die bisherige Reisestrecke beläuft sich auf 7.810 km. Unser nächster Teilabschnitt Glacier NP (Illecillewaet Campground) – Banff NP (Waterfowl Lakes Campground, Columbia Icefield – Jasper NP (Wapiti Campground) umfasst nun zusätzliche 400 km.
Die Strecke zum Banff NP sind wir bereits einmal gefahren. Wieder kreuzen wir einen unserer Lieblingsplätze – den Lake Louise. Aber wir stürzen uns nicht in das Getümmel am See, es wird aufgetankt, Großeinkauf getätigt und es geht weiter nördlich. Knapp hinter dem Ortsschild kommt er uns auf dem Icefield Parkway entgegen getrottet – der Grizzly!!!! Unbeeindruckt von den stehenbleibenden Autos marschiert er Richtung Stadt. Er will bestimmt in das Nobelrestaurant am See, die haben heute Lachs auf der Karte. Wir haben jedenfalls eine gute Gelegenheit, den prächtigen Bären aus der Nähe zu beobachten, und fühlen uns in unserem MANí zum Glück auch sicher. Übrigens steigt kein anderer Beobachter aus dem Auto, um ein Selfie mit diesem Brummi zu machen. Wir jedenfalls freuen uns sehr über diesen Glücksmoment.
Die letzten Kilometer zu dem Waterfowl Lakes Campground vergehen wie im Fluge. Hier werden Campsites vergeben nach dem Prinzip first come-first get. Reservierungen sind nicht möglich. Aber wir sind rechtzeitig und finden einen tollen Platz direkt am Mistaya River, einem idyllisches Fleckchen Erde. Wir entscheiden uns, drei Nächte zu bleiben.
Der Blick über den See zu den schneebedeckten Berggipfeln ist wirklich malerisch. Am See lernen wir – einmal mehr – einen deutschen Auswanderer kennen. Er ist vor einigen Jahren vom Niederrhein nach Kanada ausgewandert, fühlt sich offensichtlich pudelwohl, und ist vor kurzem glücklicher Papa geworden. Leider kippt nach dem ersten Abend das Wetter; es bedeckt sich zunehmend und immer wieder kommt es zu Regenschauern.
Tapfer halten wir an unseren Programmpunkten fest:
Wir besuchen den Peyto Lake. Das ist ein wahres Phänomen: der Himmel ist grau, das Wetter ist trübe, aber der See leuchtet richtig blau. Warum ist das so? Der Effekt ist insbesondere von Ende Juni bis in den August zu beobachten. Während der Schneeschmelze wird von den Felsen feiner Staub (genannt Gletschermehl) in den See gespült. Da der Staub sehr fein ist, sinkt er nicht auf den Grund, sondern schwebt im See. Bei Lichteinwirkung schluckt der Staub alle Farben außer blau und grün. Entsprechend werden nur blaue und grüne Lichtstrahlen reflektiert und sind sichtbar. Ein wirklich wunderschönes Phänomen. Wir sind jedenfalls beeindruckt.
Voll motiviert begeben wir uns auf den Trail zum Bow Summit. Anfangs läuft es auch ganz gut, doch die Eisfelder werden immer größer, der Weg am Ende auch noch steiler – wir brechen ab. Trotz Wanderschuhe, das war uns zu riskant. Unterwegs kommt uns eine junge Frau im dünnen Kleid (wir haben knapp 10°C) mit Flip Flops entgegen, nassen langen Haaren (es regnet immer wieder), sie möchte ebenfalls auf den Summit. Das ist absolut verrückt und kann nicht gut enden, aber sie muss ihre Erfahrungen selber machen.
Direkt an unserem Campsite startet eine weitere Wanderung zum benachbarten Chephren Lake. Doch auch diese Wanderung brechen wir nach einer Stunde ab, der Weg ist einfach zu schlammig, das macht nicht wirklich Spass.
Mehr Glück haben wir bei unserem Ausflug zum Mistaya Canyon. Ebenso wie der Peyto Lake ist auch der Canyon ein sehr beliebtes Ausflugsziel und gut besucht. Aber wir können das Naturschauspiel sehr gut beobachten. Das Gletscherwasser hat in dieser Kalksteinschlucht durch die gewaltige Kraft bizarre wellenförmige Felsformationen und tiefe Strudeltöpfe gewaschen. Ein lohnender Besuch.
Wir reisen weiter in Richtung Columbia Icefield Discovery Center.
Kurz vor dem Center begehen wir den Wilcox Pass Trail. Aber das Wetter spielt wieder nicht mit; wir haben den Trail begonnen, um von der Passhöhe einen besonders guten Blick auf den Athabasca Gletscher zu erhalten. Tiefe Wolken, Nebelschwaden, ständiger Regen – ja, das war schon wieder nichts.
Im Center verbringen wir eine Nacht umgeben von zahlreichen 3.000ern. Das Columbia Icefield ist eine riesige zusammenhängende Eis- und Schneemasse, die ein hochalpines Plateau bedeckt und mehrere Gletscher, auch den Athabasca Gletscher, speist. Schade nur, dass sich die 3.000er und das Eisplateau in den Wolken verstecken.
Hier werden schöne Highlights angeboten. Es gibt den Glacier Skywalk – eine Aussichtsplattform mit Glasboden mit einem guten Blick auf den Gletscher. Dann gibt es Fahrten mit dem Ice Explorer auf den Gletscher und geführte Wanderungen auf dem Gletscher. Heute ist es leider untersagt, den Gletscher auf eigene Gefahr zu betreten. Übrigens, vor 30 Jahren war das noch ohne Probleme möglich. Die genannten Angebote sind unserer Meinung nach extrem überteuert, aber es besteht trotzdem eine hohe Nachfrage. Wir schonen unsere Reisekasse lieber ein wenig, zumal die Sicht aufgrund des bescheidenen Wetters doch eingeschränkt ist.
Stattdessen nutzen wir das Restaurant für ein feines Diner. Schöner Tisch mit Blick auf den Gletscher, den wir halt nur aufgrund des schlechten Wetters kaum erkennen können. Unsere Kellnerin Bella, eine sehr nette Person mit einem wunderbaren Lachen, ist übrigens auch eine Einwanderin. Sie kommt aus Perth Australien und ist der Liebe wegen in Kanada geblieben. Eine Lovestory!!! Leckerer Wein, leckeres Bisonsteak, leckerer Gemüsestrudel, eine äußerst nette Bedienung, das ist doch ein sehr feiner Abend.
Am nächsten Morgen wollen wir weiterreisen, da kommt sie nun endlich – die Sonne. So können wir wenigstens noch ein paar schöne Momente und Ausblicke auf den Athabasca Gletscher und das umliegende Icefield genießen.
Wir besuchen noch die informative Foto-Ausstellung zum Columbia Icefield, die im Center gezeigt wird. Hervorragende Photos, die kurz und bündig erläutert sind. Danach verlassen wir dieses wirklich wunderschöne Fleckchen Erde bei Sonnenschein.
Das Columbia Icefield ist auf jeden Fall ein Highlight unserer Reise, und eine unbedingte Empfehlung.
Bei weiterhin unbeständigem Wetter reisen wir nach Jasper zum Wapiti Campground, wo wir drei Nächte verweilen. Auf dem Weg nach Jasper machen wir einen kurzen Stopp bei den Sunwapta Falls sowie bei den Athabasca Falls. Mehr beeindruckt haben uns die Letztgenannten. Richtig schön war jedoch eine kleine Lunchpause unterwegs auf einem No Name Rastplatz direkt am Bow River. Wir beide am Fluss sitzend – bei Sonnenschein – das Panorama genießend, und kein anderer Mensch um uns herum. Das ist jetzt unsere neue Lieblingsstelle.
Bei den Athabasca Falls sehen wir erste Spuren des verheerenden Feuers rund um Jasper. Das Feuer war im Sommer 2024 und hat große Landstriche (33.000 Hektar) und ungefähr 30% der Häuser in Jasper zerstört. Verursacht durch Blitzeinschläge und gefördert durch einen vor erkrankten Wald hat sich das Feuer sehr schnell ausgebreitet und war anfangs nicht kontrollierbar. Es wurde später auch als ein “Monsterfeuer” bezeichnet. Wir fahren Richtung Jasper auf der Nebenstrecke Highway 93a.
Hier wollten wir eigentlich den Mount Cavill erobern, aber Parkplätze, Trails und auch die Straße zum Cavill sind aufgrund des Feuerschadens gesperrt. Stattdessen sehen wir überall verbrannte Erde und Pflanzen. Wir bekommen einen Eindruck vom Drama, welches sich hier vor zwei Jahren abgespielt haben muss. Gleichwohl sehen wir auch wieder erstes Grün auf dem Waldboden sprießen, und auch die ersten Wapitis laufen bereits durch die Landschaft. Unser Campground heißt auch nicht ohne Grund Wapiti Campground. Hier ist ein ganzes Rudel dieser Tiere zu Hause. Immer wieder streifen sie durch das Camp und starren zum Fenster herein. Bobby war über diese Neugier auch sehr verwundert.
In Jasper wird derzeit noch viel gebaut, am Ortsrand stehen noch zahlreiche Container, die als Notunterkunft dienen – 2 Jahre danach!!! Der Ort selber ist ansprechend, zweckmäßig, sehr gut strukturiert und organisiert. Er ist kleiner als Banff und wohl auch nicht so mondän. Da das Wetter wieder unberechenbar ist, legen wir einen Waschtag ein. Zwei Maschinen Wäsche plus Trocknen kosten knapp 30 Dollar. In Jasper lassen sich auch wieder schöne Aktivitäten organisieren. Rafting ist ja auch noch auf unserer Liste. Aber letztlich hält uns das schlechte Wetter dann doch davon ab. Stattdessen unternehmen wir einen Tagesausflug zum Man and Medicin Lake und Maligne Lake. Unterwegs gibt es immer mal wieder Viewpoints. So auch einen mit Blick auf einen Adlerhorst. Liebe Sonja, leider haben wir nicht euer Glück gehabt. Letztes Jahr war hier wohl noch ein munteres Treiben im Nest. Dieses Jahr war das Nest leer.
Die Bootsfahrt am Maligne See hat uns gereizt, jedoch haben wir davon aufgrund des schlechten Wetters, der schlechten Sicht und den überhöhten Preisen Abstand genommen. Einen kleinen Trail haben wir dann doch gewagt, so haben wir wenigstens ein wenig Bewegung gehabt. Das war es dann aber auch. Nice walk, no view.
Auf der Rückfahrt begegnet uns noch ein kapitaler Wapiti mit einem umfangreichen Geweih – ein prächtiger Bursche.
Am nächsten Morgen verlassen wir Jasper. Zum ersten Mal zeigt sich die Stadt bei Sonnenschein, so als will sie sagen, bleibt doch noch ein Weilchen hier. Aber wir wollen weiter – also bleibt gespannt!!!!!
Good to know:
> Kanada und die Eisenbahn in der Vergangenheit und in der Gegenwart:
> Vergangenheit: die Eisenbahn ist das Rückgrat der kanadischen Geschichte. Ohne sie gäbe es das Land in seiner heutigen Form nicht. Ende des 19. Jahrhundert bildete sich die kanadische Föderation zunächst an der Ostküste. Das unabhängige British Columbia im Westen erklärte sich nur zum Beitritt bereit, sofern eine Eisenbahnverbindung quer durch das Land den Osten mit dem Westen verbindet. Der eigentliche Bau der Strecke (4.800 km von Montreal bis Vancouver) dauerte übrigens nur fünf Jahre! Wie lange hat man jetzt an der Leverkusenern Brücke oder an der Oper in Köln gebaut? Wir schweifen ab, es bleibt das Ergebnis: die Bahn war seinerzeit die elementare Voraussetzung um der kanadischen Föderation den Weg zu dem heutigen Kanada zu bereiten.
> Gegenwart: heute dominiert eindeutig der Güterverkehr auf der Bahn. Die Güterzüge haben oft eine Länge von mehr als einem Kilometer und die Container werden auf den Waggons i.d.R. gestapelt. Der Anteil des Personenverkehrs ist gering. Der Kanadier von heute fährt Auto oder fliegt.Read more













TravelerSchade, dass die Adler nicht mehr da waren… dafür habt ihr einen Grizzly gesehen! Dieses Glück war uns nicht vergönnt (zumindest nicht in freier Wildbahn). Tolle Reise weiterhin 😊