012 Reisebericht Canada vom 12.-21.07.26
July 25 in Canada ⋅ ☁️ 20 °C
012 Reisebericht Canada vom 12.-21.07.26
Die bisherige Reisestrecke beläuft sich auf 9.210 km. Unser nächster Teilabschnitt Vancouver Burnaby – Vancouver Island – Vancouver Tsawwassen – Grenzübergang Sumas/ Abbotsford umfasst nun zusätzlich 1.210 km. Damit haben wir die 10.000 km reine Reiseroute geknackt. Tatsächlich haben wir jedoch laut Tacho bereits 12.600 km zurückgelegt. Der Unterschied ergibt sich durch zahlreiche “Hin und Hers”, wie z.B. Einkaufen, Tanken, Viewpoints und dies und das. Das hat sich ganz schön aufaddiert.
Wir starten von unserem Campground in Vancouver und steuern Richtung Fährhafen Tsawwassen. Da die Fähre erst am Abend startet, nutzen wir die Zeit noch für einen Ausflug zu dem Fischerstädtchen Steveston – südlich von Vancouver. Der Ort war in seiner Blütezeit eine Hochburg für Fischerei und die Produktion von Fischkonserven. In einem Museum wird eine ehemalige Fischkonservenfabrik recht anschaulich präsentiert. Maschinen, die den Fisch schneiden, Fließbandarbeit mit vielen Einzelschritten, um den Fisch in die Dose zu bekommen. Viele Einwanderer, insbesondere aus Asien, waren hier tätig. Das war keine angenehme Arbeit. Fließbandarbeit unter fischigen Bedingungen. Ein ehemaliger Arbeiter sagt dazu…: “Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche unter diesen Bedingungen, Fischmehl und Fischöl werden ein Teil von dir…”. Insgesamt ist dies eine gelungene und sehenswerte Ausstellung. An der Waterfront sieht man auch heute noch Fischereiboote, doch der große Boom ist schon lange vorbei. Überfischung, Fangquoten und Umweltschutz haben den fetten Jahren ein Ende gemacht. Heute dominiert an der Waterfront eindeutig der Tourismus, und natürlich gibt es auch fast an jeder Ecke die legendären Fish and Chips. Dabei werden verschiedene Fischsorten genutzt, wie Heilbutt, Kabeljau, Seelachs, Rotlachs oder Barsch. Abhängig von der verwendeten Fischsorte variieren auch die Preise. Als besonderer Leckerbissen gilt übrigens der Heilbutt, was einer von uns auch bestätigen kann (sooo lecker). Wir schlendern noch über einen kleinen Handwerksmarkt, flanieren durch einen Park mit Blick auf die Straße von Georgia. Strait of Georgia, so heisst die Meerenge zwischen Vancouver und Vancouver Island.
Nach einer 2-stündigen ruhigen Fährfahrt kommen wir nachts um 1:30h auf der Insel an. Wir steuern zielgerichtet auf einen Parkplatz von Supermarkt COSCO, hier ist das Freistehen über Nacht erlaubt. Campgrounds sind um diese Zeit sowieso schon geschlossen. Vielen Dank an COSCO, Walmart gestattet das Freistehen übrigens in British Columbia nicht. Tatsächlich bleiben wir jetzt noch 8 weitere Tage und Nächte auf der Insel. Die Insel hat flächenmäßig die Größe von Belgien. Wir haben uns auf die südliche Hälfte der Insel fokussiert. Das ist auch die touristisch deutlich besser erschlossene Hälfte der Insel. Eingeschränkt war die nördliche Hälfte auch durch mehrere Waldbrände, da wollen wir doch einen gesunden Abstand wahren. Aufgrund der anhaltenden Hitzewelle ist die Feuergefahr allgegenwärtig, auf den Campgrounds sind die so beliebten Firepits verboten, selbst am Strand gibt es vereinzelt Rauchverbote. Wir hören auch, dass es auf dem Festland in Ontario und Saskatchewan weitere erhebliche Waldbrände gegeben hat, die sogar zu Luftproblemen in New York geführt haben. Angeblich ist das WM Finale gefährdet, die New Yorker müssen Atemschutzmasken tragen und Donald fordert Regress von Kanada. Was ist wahr, was ist fake?? Wir genießen in den Tagen das mehrheitlich wunderbare Wetter mit Temperaturen, die sogar die 30° Gradmarke erreichen. Wir sind zunächst verwundert über den starken Verkehr auf der Insel. Letztlich erklärt sich dies jedoch vor allem durch die wenigen großen Strassen, die vorhanden sind.
Auf der Insel haben wir besucht:
Duncan, die Stadt der Totempfähle. So wurden in der Stadt geschätzt um die 40 Totempfähle aufgebaut. Dadurch will der ansonsten nicht so ansprechende Ort vielleicht doch am Tourismus teilhaben. Wie auch immer, es sind Totempfähle, die von verschiedenen Künstlern im Auftrag der Stadt errichtet wurden. Durch die Erläuterungen an den Pfählen bekommst du schnell ein Gefühl für die Symbolik. Wir haben hier letztlich einen Schnellkurs in Sachen Totempfahl erhalten.
Um die Ecke liegt der charmante Ort Chemainus. Nachdem die große Holzfabrik vor Ort schließen musste, hat die Stadt sich auch neu aufgestellt. Sie haben weltweit Künstler eingeladen, die auf vielen Hausern insgesamt rund 60 Wandgemälde angefertigt haben, sogenannte “Murals”. Chemainus nennt sich gerne das größte Freilichtmuseum für Murals in Nordamerika. Der Ort hat seinen Charme behalten, die Murals, die insbesondere die Geschichte der Region darstellen, fügen sich hier sehr gut ein. Der Besuch des Ortes war eine echte Freude. Hier haben wir auch ein längeres Gespräch mit einer Einwanderin aus den Niederlanden geführt. Als Kind mit den Eltern eingewandert, betreibt sie heute, 35 Jahre später, eine Boutique im Ort. Sie träumt von einer Reise nach Europa. Chemainus ist wirklich charmant und noch ein echter Tipp, denn es ist noch nicht einer der ganz großen Hotspots der Insel.
Coombs, der Ort wirbt mit einem bunten Markt. Das besondere sind die Dächer des Marktes, auf dem Ziegen grasen. Ja, die Zeit hätten wir auch anders nutzen sollen.
Cowichan Bay wirbt die seiner Waterfront und deren Häusern auf Pfählen, die ins Wasser ragen. Tatsächlich sind die Prospekte ansprechender als die Realität. Außerdem herrscht hier ein ziemliches Gedränge auf engen Raum. Wir bleiben nur kurz.
Am Qualicum Beach verbringen wir eine Nacht mit Blick auf die Meerenge. Bei guten Wetter kannst du hier baden gehen. Restaurant & Bistros sind in der Nähe. Der Beach ist nicht überlaufen.
Ein Hotspot im Süden der Insel ist die Provinzhauptstadt Victoria. Hier verbringen wir einen wundervollen Tag. Wir starten im Park, der mit vielen exotischen Pflanzen und Wasserspielen angelegt wurde. So einer Park fehlt in Overath! Der Regierungssitz direkt am Hafen ist eine architektonische Augenweide. Mit dieser Aussicht lässt es sich bestimmt gut regieren mit angrenzendem, gepflegten Rosengarten des Gouverneurs. Vor dem Regierungssitz wurde der größte Totempfahl von Kanada positioniert, vermutlich als Zeichen für die Verständigung mit den indigenen Völkern. Unterwegs zum Fisherman’s Wharf entdecken wir zu unserer Freude tatsächlich Otter unterhalb des Stegs. Unsere ersten Otter in Kanada. Die lassen sich von den Spaziergängern, und das sind einige, tatsächlich überhaupt nicht stören. Die Wharf mit den vielen bunten Häusern und schön hergerichtete Hausboote gefallen uns sehr. Reizenden kleine Wassertaxis fahren zwischen Inner Harbour und Fisherman’s Wharf. Victoria ein Abstecher wert, gefällt uns sehr. Auf unserer Victoria-Küstenwanderung schauen wir auf die naheliegende Küste und auf einen hohen Gletscher der USA.
Wir fahren weiter auf die Westseite der Insel und steuern Port Renfrew an. Die Küstengegend ist im touristischen Sinne kein Hotspot, gleichwohl aber wunderschön. Es gibt tolle Küstentrails und viele einsame Strände. Der bekannteste ist wohl der China Beach. An den Stränden liegen oft Unmengen an Holzstämmen, so etwas kennen wir überhaupt nicht von europäischen Stränden; ein mhystischen Nebeneffekt.
Port Renfrew besteht gefühlt vornehmlich aus Ferienhäusern. Die Straßen sind sanierungsbedürftig, aber immerhin asphaltiert. Insgesamt ein netter Ort, der allein durch seine abgesonderte Lage etwas Besonderes ist. Gerne wären wir von hier aus weiter an der Westküste nach Tofino gefahren. Aber es führt nur eine Schotterpiste entlang der Küste dorthin, uns wird empfohlen, die asphaltierten Straßen zu benutzten; ein Umweg von mindestens 200km. Unser Vorteil: Wir haben die Zeit. So müssen wir die Insel in der Mitte gleich 2 x durchqueren, einmal von West nach Ost, und dann 50 km weiter nördlich wieder von Ost nach West. Auch gut, wir wollen ja auch das Innere der Insel kennenlernen.
Hier dominiert der Regenwald mit einer üppigen Pflanzenwelt, die nahezu undurchdringlich erscheint. Die Bäume sind oft komplett mit Moos und Flechten bewachsen. Die Flechten hängen teilweise von den Ästen herunter, ein Zauberwald wie bei den Harry Potter. Die dunklen Flechten werden “Indian Hair”, die hellgrünen Flechten “Od Man’s Beard” genannt. Nett, gell?
Wir besuchen die Cathedrale Grove, ein Hotspot im Inneren der Insel. Um die 50 Parkplätze kämpfen mehr als 100 Fahrzeuge; es wird gehupt, es entsteht ein Rückstau auf der Durchgangsstraße. Großstadtfeeling im Dschungel. Und Warum? Hier ist eine Ansammlung von Douglasien zu bestaunen. Ein Nadelgehölz mit riesigen Bäumen mit immensen Umfang, die bis zu 800 Jahre alt sein können. 1997 ist durch das Areal ein Sturm gezogen, der einige dieser Riesen gefällt hat. Im Sinne einer naturgerechten Rekultivierung wurden diese liegen gelassen, worauf mittlerweile neue Pflanzen wachsen. Das Areal erscheint dadurch noch mhystischer. Zurecht ein Hotspot auf Vancouver Island.
Am Sproat Lake legen wir eine Badepause ein. Der Badestrand eignet sich hervorragend zum Schwimmen und Motorbootfahren. Letzteres scheint hier sehr beliebt zu sein. Das Wasser ist bei Außentemperaturen von knapp 30°C wohltuend erfrischend. Der Grund des Sees ist allerdings ziemlich bewachsen. Wenn du dich hinstellt, stecken deine Füße gut 10 cm tief in dieser Pflanzenwelt; fühlt sich merkwürdig an, daher lieber nur schwimmen!! Sehr dankbar sind wir auch für die warme, angebotene Duschkabine. Nach den vielen Kilometern war das eine perfekte Pause.
Die Hotspots auf der Westseite der Insel sind eindeutig Tofino und Ucluelet. Hier haben wir nur mit viele Mühe und Glück einen Campsite für 3 Nächte ergattern können. Es gibt zwar sehr viele Campingplätze, aber diese Ecke der Insel ist eben auch sehr beliebt. Nicht alle Campingplätze sind im Internet buchbar, aber es ist ein Risiko, wenn du auf geratewohl ohne Buchung auf die lange Fahrt quer durch die Insel begibst; denn Freistehen ist auch strengstens untersagt und kann teuer werden. Unser Campsite ist auch ein wenig speziell, aber erfüllt seinen Zweck, auch wenn vor unserer letzten Nacht unser Campsite nach unserer Rückkehr vom Strand plötzlich durch einen anderen Camper belegt ist. Unschöne Diskussionen, das Office des Platzes nicht besetzt, warum lieben wir das Freistehen? Aber es gibt einen netten Pub, direkt am Campsite – das passt doch!!!
Tofino erweist sich als ein kleiner schicker, mondäner Touristenort. Hier gibt es einen kleinen Yachthafen, immer wieder landen oder starten Wasserflugzeuge. Bootsfahrten werden angeboten zwecks Angeln, Walbeobachtung oder einfach nur um das Inselparadies zu bestaunen. Gut hat uns auch die Ausstellung des indigenen Künstlers R.H.Vickers gefallen, die hier sehr umfangreich präsentiert wird. Eine Kunstausstellung hätten wir an diesem Ort nicht erwartet, aber es zeigt eben auch, wie sich dieser Ort entwickelt.
Ucluelet ist etwas bodenständiger. Unser Eindruck ist, das hier der Schwerpunkt auf Angeln gelegt wird. Rund um Ucluelet windet sich der Wild Pacific Trail, ein Wanderweg entlang der Pazifikküste mit atemberaubenden Ausblicken. Felsklippen und kleine Strandbuchten, die mit angeschwemmten Holzstämmen verziert werden. Unterwegs entdecken wir auch einen interessanten Vogel; die KI sagt, es ist ein Diademhäher. Schon hilfreich, so eine KI. Der Trail unterscheidet sich sehr von unseren famosen Trails in den Bergen, ist gleichwohl aber eine willkommene Abwechslung und einfach toll. Wir sind jedenfalls voll begeistert und geben für diesen Trail 10 von 10 Punkten. Zwischen den beiden Orten, die immerhin 40 km voneinander entfernt sind, liegt ein Sandstrand neben dem anderen. Die Gegend ist letztlich auch aufgrund ihrer Strände ein Hotspot für Urlauber geworden. Sehr beliebt auch bei den Surfern, die insbesondere am Long Beach geduldig mit ihren Brettern auf die perfekte Welle warten. An den flachen Sandstränden genießen wir auf ausgedehnten Wanderungen die Meeresbrise und das bunte Treiben. In Tofino haben wir übrigens auch das Finale der Fussball WM beim Public Viewing auf großem Bildschirm verfolgt. Gefühlt waren 99% der Zuschauer für Spanien, bei Spielabpfiff brach großer Jubel aus. Um uns herum stehen Kanadier, Deutsche, Niederländer, Amerikaner – nur keine Spanier und keine Argentinier.
Noch eine Anekdote: Während des Spieles kreisten pötzlich 2 Weißkopfadler über uns. Natürlich erregten sie unsere Aufmerksamkeit. Wir haben ihnen gerne zugeschaut, wie sie über unsere Köpfe kreisten – und haben dabei das einzige Tor des Spieles verpasst. Gibt es denn so etwas?! Insgesamt hat sich unser Ausflug an die Westküste der Insel sehr gelohnt – also eine Empfehlung.
Von Nanaimo aus nehmen wir wieder die Fähre nach Tsawwassen. Dieses Mal am frühen Morgen, die Fähre ist deutlich ausgebucht. Wir steuern nun die Grenze zur USA an. Wir haben durch die KI erfahren, dass wir für unseren MANí eine Ausnahmegenehmigung erwirken müssen, um mit dem eigenen Bus einreisen zu dürfen. Diese ist wohl erforderlich, da europäische KfZ die amerikanischen Abgasnormen nicht erfüllen. Problem: Wir haben das erst vor drei Tagen zufällig erfahren, die Bearbeitung eines solchen Antrages dauert aber leider bis zu sechs Wochen.
Unsere Verschiffungsagentur, die unsere Reise begleitet, verneint das Erfordernis einer solchen Genehmigung, sofern du über den Landweg in die USA einreist. Also auf dem Schiffsweg erforderlich, aber nicht auf den Landweg? Das klingt für uns nicht logisch. Dennoch wollen wir den Versuch einmal wagen. Wir wissen folglich jetzt noch nicht, wie es weitergeht. Wir sind gespannt, bleibt auch gespannt!!
Unser Fazit zu Kanada:
> Negativ:
Das kulturelle Angebot ist ausbaufähig. Die kleinen Livekonzerte in den Pubs sind wunderbar, jedoch ist das Angebot für Großkonzerte oder Opern überschaubar.
Preise werden immer vor Steuern und in Restaurants, Imbissen, Pubs vor Trinkgeld angegeben. Dabei werden Trinkgelder von 15% bis 25% erwartet. Warum diese Erwartung auch bei Self Service besteht, hat sich uns bis zum letzten Tag nicht erschlossen.
Löcher in den Straßen. Gerade in den Städten gibt es immer wieder Straßen, die noch schlimmer sind als einige in Köln... Auch auf den kleineren Landstraßen hangelst du dich manchmal von Schlagloch zu Schlagloch. Gut sind dagegen zumeist die überregionalen Highways.
Kanada hat ein Drogenproblem. Vielleicht rächt sich hier, dass Cannabis kommerziell gehandelt wird. Aber sowohl in den großen wie auch in den kleinen Städten haben wir dieses Problem häufig bemerkt.
> Positiv:
Das Landschaft ist einfach wunderbar vielfältig und auch spannend. Ob das wohl an der Größe liegt?
Die Menschen sind äußerst angenehm. Überall haben wir nette Begegnungen gehabt. Die Menschen sind offen und empathisch, sie sind rücksichtsvoll und höflich. Durch die hohen Einwanderungszahlen ist dieses Land das Paradebeispiel für Weltoffenheit, Miteinander und Toleranz. Wir haben nicht gewußt, wie schön das ist.
Ergebnis:
Wenn wir jung genug wären, würden wir über eine Auswanderung nachdenken. Das Land blickt optimistisch in die Zukunft. Unser Fazit ist natürlich subjektiv. Viele Aspekte haben wir überhaupt nicht in das Kalkül gezogen. Wie ist z.B. das Sozialsystem aufgestellt? Aber in unserer Wahrnehmung ist es ein lebenswertes Land, das durch Landschaft und die Toleranz der Menschen besticht.Read more


















