• 013 Reisebericht USA 21.-30.07.26

    August 1 in the United States ⋅ ☁️ 31 °C

    013 Reisebericht USA 21.-30.07.26

    Die bisherige Reisestrecke in Canada beläuft sich auf 10.420 km. Unser nächster Teilabschnitt Abbotsford Canada / Sumas USA - Mount Baker Ski Area - Winthrop - Omak – Newport - Sandpoint - Glacier Nationalpark - Whitefish - Helena umfasst nun zusätzlich 1.550 km.

    Ja, sie haben uns reingelassen am Grenzübergang Abbotsford / Sumas. Hallo USA, hier sind wir. Wir hatten unterschiedliche Informationen bezüglich der Voraussetzungen, die wir für eine Einreise erfüllen müssen. Die Sondergenehmigung für Abgaswerte ist anscheinend nur bei einer Einreise über den Seeweg erforderlich. Nicht sehr logisch, aber wir haben auch nicht mehr nachgefragt.

    Unsere Strecke führt uns durch den Norden des Bundesstaates Washington, ein kurzes Stück durch Idaho und danach in Montana vom Glacier Nationalpark im südlicher Richtung Yellowstone Nationalpark.

    Für unsere Reise haben wir noch den Pass „America The Beautiful“ erworben. Der kostet für Non-Residential seit diesem Jahr 250 Dollar, dafür haben wir jetzt Zugang zu fast allen Nationalparks. Ferner können wir in den National Forests an vielen Stellen (nicht an allen) frei übernachten. Das ist ein großer Vorteil, da wir so teure Übernachtungsgebühren bei Campgrounds umgehen können. Ferner sollte es Rabatte bei Campgrounds, die vom National Forest betrieben werden, geben. Allerdings haben wir die bisher nicht bekommen. So oder so, letztlich ist der Pass für Langzeiturlauber in den USA unerlässlich.

    Unser Kartenmaterial (aus Deutschland mitgebracht) ist nur bedingt tauglich. Aber in den Visitor Centern erhalten wir eine aussagekräftige Karte des jeweiligen Bundesstaates. So war es jedenfalls in Washington und Montana, hoffentlich auch in den weiteren Bundesstaaten der Fall. Freundlicherweise werden diese Roadmaps sogar kostenlos verteilt. Sie sind wirklich sehr gut und helfen besonders dann, wenn du einmal offline unterwegs bist. Und das ist uns bisher schon öfter passiert.

    Wir beginnen mit einem Besuch des Nationalparks Mount Baker Recreation Area. Wir fahren über den Highway 542, der eine Sackgasse ist, tief in den Park hinein. Dort erwartet uns ein klassisches Skigebiet, auch jetzt im Hochsommer sind mehrere Berge noch mit Gletschern bedeckt. Ein wundervolles Panorama um uns herum. Verschiedene Wanderwege werden hier angeboten, wir entscheiden uns für Artist Ridge Trail, Bagley Lake Trail, Fire and Ice Trail und den Picture Mountain Path. Zwischendurch die Füße baden im wirklich eiskalten Gebirgsbach ist jedes Mal eine Wohltat. Insgesamt eine tolle Gegend, die auch mit Banff und Jasper durchaus mithalten kann. Weil es uns so gut gefällt, erkunden wir die Gegend auch vom Süden in der Nähe des Baker Lakes aus. Hier sind wir dann jedoch enttäuscht. Dort dominiert der Baker Lake, der vollständig von Wäldern umgeben ist. Ein Zugang zur Bergwelt ist nur bedingt möglich.

    Unsere Route führt uns nun über den Highway 20, der als die Traumstrasse Nordamerikas gepriesen wird. Er führt parallel zur Grenze nach Kanada entlang der Gebirgskette Cascades quer durch den gesamten Bundesstaat Washington.

    Unser Urteil: die Strecke lohnt sich. Der mit Abstand schönste Teilabschnitt liegt zwischen Rockport und Twisp. Es gibt auf diesem Teilabschnitt immer wieder Viewpoints, die du ansteuern kannst. Sehr empfehlenswert ist unserer Meinung nach der Diablo Lake und der Washington Pass.

    Da das Wetter es gut mit uns meint, trauen wir uns in dieser wunderschönen Gegend in die Berge. Wir entscheiden uns für den Heather-Maple Loop Trail. Er ist sehr beliebt, aber auch recht anspruchsvoll. Dem Tipp eines Rangers folgend sind wir bereits morgens um 7:30 am Startpunkt. Um 8:00 ist der Parkplatz dann wirklich voll. Der Trail gilt aufgrund der schönen Panoramen als einer der Top Trails in Washington. Und wir werden nicht enttäuscht. Nach 5,5 Stunden haben wir es bei Temperaturen bis an die 30 Grad dann geschafft, wir sind glücklich, zufrieden und auch ein wenig stolz auf uns. Die Aussichten auf dem Kamm waren wirklich grandios, nur beim nächsten Mal würden wir neben dem obligatorischen Bärenspray auch Mückenspray mitnehmen. Die kleinen Biester waren gerade auf der Kammhöhe wie ausgehungert. Neben unserem Campground verläuft ein kleiner Bach, dieses Mal haben wir nicht nur mit den Füßen dort gebadet. Wildwestromantik!

    Ebenfalls auf diesem Teilabschnitt des Highway 20 besuchen wir die hübsche Westernstadt Winthrop. Sie ist überschaubar und offensichtlich erfolgreich im Marketing. Denn hier ist es ziemlich voll. Bei unserer Ankunft um 10:00h bemerken wir einen leichten Brandgeruch, aber denken nicht viel darüber nach. Um 12:00h ist der Geruch schon ziemlich beißend, die Augen fangen an zu tränen. Die Sicht ist diesiger geworden, die Sonne kommt nicht mehr durch. Wir haben kein gutes Gefühl und flüchten in unser Zuhause. Dort fragen wir die KI, unser Verdacht bestätigt sich. Es gibt zwei Waldbrände in der Umgebung und der Rauch zieht windbedingt genau in das Tal, in dem Winthrop liegt. Unsere Lösung: weiterfahren.

    Wir fahren weiter gen Osten. Die diesige Sicht trübt das Panorama, das aber auch nicht mehr so spektakulär ist. Unterwegs sehen wir noch ein Tal, welches offensichtlich einen dieser Brandherde birgt. Was für ein Qualm. Wir fahren in das Okanogan Valley und erreichen Omak bei 37 Grad, wieder unangenehm, wieder lautet die Lösung: weiterfahren. Erst in der Dunkelheit nähern wir uns dem ausgesuchten Campground. Jedoch sind die letzten 2 Meilen des Weges mit MANí nicht zu machen. Da es schon dunkel ist, scheint uns allerdings auch eine Weiterfahrt auf dem Highway als riskant.

    Unsere Lösung ist eine kleine Anekdote: Wir schleichen uns auf einen Campground des State Washington, für den wir allerdings keine Genehmigung haben. Und da wir natürlich offline sind, können wir diese auch nicht buchen. Egal, morgens in aller Frühe sind wir wieder weg, keiner hat es gemerkt - hoffentlich.

    Wir fahren das letzte Stück dieser Traumstrecke Highway 20 entlang des Pend Oreille Rivers. Die Besiedlung nimmt zu, hier am Fluss zu wohnen ist sicherlich sehr schön. Wir steuern Newport an und besuchen einen klassischen Diner für ein verspätetes Frühstück. Der Laden ist stilecht, wie aus einem amerikanischen Film. Da es Sonntag ist, sind wir nicht die einzigen Gäste. Hash Browns und Omelette - so sollte jeder Tag beginnen. Hier endet auch unser Washington Abenteuer. Goodbye Washington, hello Idaho.

    In Sandpoint werden unsere Vorräte aufgestockt und getankt. Generell soll Idaho durch geringere Steuern etwas günstiger als die Nachbarstaaten sein. Gemerkt haben wir das nicht wirklich. Anekdote beim Einkaufen: Jürgen trägt beim Einkaufen ein altes T-Shirt mit dem Aufdruck „Western fears of the West“ und wird prompt an einem Stand angesprochen. Hi, how are you? Where are you from? Das übliche. Dann kommt die Frage nach dem Aufdruck auf dem Shirt. Angesprochen von zwei kernigen athletischen Cowboys mit äußerst kräftigen Oberarmen. Bart und Jim heißen die beiden. Wir haben dann auch einmal unseren Bizeps spielen lassen, und weg waren sie. Ähem ja, so oder so ähnlich war das. Also Augen auf bei der T-Shirt Wahl!

    Zur Erholung der Nerven machen wir einen schönen Spaziergang am Pend Oreille, der hier Seecharakter hat. Der schattige Weg führt am Seeufer entlang. Wir finden sogar eine Stelle, an der wir baden gehen können. Das hat richtig Freude gemacht. Hinterher schlendern wir noch zum Badestrand, betreiben Sozialstudien und gönnen uns ein Eis. Ein schöner Abschluss, denn jetzt heißt es: Goodbye Idaho, hello Montana.

    Wir steuern zum Glacier Nationalpark im Norden von Montana. Hier haben wir nur Gutes gehört, er gilt als absolutes top Ziel. Unsere Erwartungen sind also recht hoch und wir freuen uns, endlich am Ziel zu sein. Erwartungsgemäß kosten die Campgrounds um die 100 Dollar, sind aber fahrtechnisch auch immer mindestens 30 Minuten vom Nationalpark entfernt. Die berühmte Traumstraße im Glacier Nationalpark in Montana heißt Going-to-the-Sun-Road. Sie ist rund 80 Kilometer lang, überquert die kontinentale Wasserscheide am Logan Pass auf 2.025 Metern Höhe und verbindet den West- mit dem Ost-Eingang des Parks. Zahlreiche Viewpoints und Trails liegen an der Strecke. ABER: Mit MANí können wir diese Traumstrasse nicht befahren. Er ist zu hoch und zu lang. Alternativ kannst du den Bus nehmen. Leider ausverkauft. Und die Wahrscheinlichkeit, dass wir am nächsten Tag Tickets bekommen, ist eher gering. Am nächsten Morgen starten wir um 7 Uhr, um so weit wie möglich mit MANí in den Park zu fahren. Unsere Anfahrt dauert 1 Std., da wir im National Forest freistehen. Danach stehen wir vor dem Gate im Stau, Wartezeit mind. Noch 1 Std. Da wir damit rechnen müssen, abgewiesen zu werden, geben wir unser Vorhaben an dieser Stelle auf. Wir sind ziemlich enttäuscht, denn wir hatten uns sehr darauf gefreut.

    Das Alternativprogramm steht schnell: wir fahren nach Whitefish und haben dort einen prima Tag. Spaziergang am See, netter Pub, großer Farmer Market mit Livemusik. Eine Ein-Mann-Kapelle, er singt, spielt Gitarre und mit den Füßen werden Trommeln und sonstige Instrumente bedient. Sehr unterhaltsam. Es herrscht eine wundervolle familiäre Festival Atmosphäre. Wer braucht da noch einen Glacier Nationalpark.

    Unsere Reise geht weiter Richtung Süden auf dem Highway 83 am Rande der Rocky Mountains. Der Highway verläuft parallel zum Clearwater River durch das Flathead Valley. Anfangs noch üppige Wälder und fette Wiesen verändert sich die Landschaft immer mehr. Rancherland, Prärien und Getreidefelder wechseln einander ab. Helena (35.000 Einwohner), das ist die Hauptstadt des Bundesstaates Montana, interessiert uns. Die Stadt ist geprägt vom großen Goldrausch. Hier laufen auch schon deutlich mehr Männer mit einem Cowboy Hut auf dem Kopf herum. Wir sind im Cowboy-Land. Rodeos sind hier äußerst beliebt. Aber irgendwie haben wir den Eindruck, Rodeo und Cowboy Stetson sind zum großen Teil hiesige Folklore. Auf den Feldern sehen wir nur eine überschaubare Anzahl an Rindern und einen Cowboy zu Pferd haben (außer beim damaligen Rodeo) nicht zu Gesicht bekommen. Uns verwundert, dass das kleine Helena zur Hauptstadt von Montana erklärt wurde. Wir haben uns das Capitol, die Kathedrale und die Fußgängerzone angesehen und waren schnell fertig.

    Wie geht es weiter? Natürlich Richtung Süden, da wartet ein richtiges Highlight auf uns. Hoffentlich erleben wir nicht wieder so ein Debakel wie am Glacier Nationalpark. Also - bleibt gespannt!!!!!



    Good to know:

    > Sprache: während wir in Kanada so gut wie keine Probleme hatten, können wir in den USA dem Redeschwall nicht immer folgen. Im Bundesstaat Washington hatten wir mehr Schwierigkeiten als in Montana. Vielleicht haben wir uns jetzt auch schon reingehört.

    > Spruch: da wir im Wilden Westen unterwegs sind, hat uns dieser Spruch gefallen:
    Dust settles - cowboys don’t!!!

    > Montana: Montana wurde als der 41. Bundesstaat in die Vereinigten Staaten aufgenommen, er besitzt 1,2 Mio. Einwohner und ist flächenmässig die Nr. 4 aller Bundesstaaten. Er wird auch „The Treasure State“ oder aber auch „Big Sky Country“ genannt. Ersteres wegen der reichen Bodenschätze (Gold, Silber, Kupfer, Saphire etc) und letzteres wegen des unendlich weiten Horizontes. Beliebteste Sportart ist das Rodeo und in Montana gewinnt bei Wahlen verlässlich die republikanische Partei.

    > Washington: Washington wurde als 42. Bundesstaat in die Vereinigten Staaten aufgenommen, besitzt 8 Mio. Einwohner und ist flächenmässig die Nr. 18 aller Bundesstaaten. Er wird auch „The Evergreen State“ genannt, da das ganze Jahr über ein üppiges Grün die Landschaft dominiert. Beliebteste Sportart ist noch der American Football, aber Fußball, Baseball oder Eishockey sind ebenfalls sehr beliebt. Traditionell gewinnt hier bei Wahlen immer die demokratische Partei.
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