I Annas Fotspor
June 13 in Norway ⋅ ☁️ 13 °C
Ein Sprichwort besagt:
"Gehe hundert Schritte in den Schuhen eines anderen, wenn du ihn verstehen willst."
Was sich auch sonst im Leben bewährt, trifft ganz gut auf unsere heutige Tour zu. Wir ziehen uns die Schuhe von Leuchtturmwärterin Anna an und wandeln ein Stück auf ihren Spuren.
Annas Schuhe sind dabei schon sehr alt, über 100 Jahre. Und vermutlich ziemlich ärmlich und abgenutzt. Sehr beschwerlich zum Laufen auf jeden Fall. Und auch ihre Besitzerin hatte wahrlich kein leichtes Leben:
Früh verwitwet übernahm sie mehr aus der Not heraus in den 1910er Jahren bis 1940 die Pflichten ihres verstorbenen Gatten. Abgeschieden und jedem Wetter ausgesetzt kümmerte sie sich fortan um den Leuchtturm.
Und um 7 Kinder, das jüngste 4 Jahre alt.
Um den Hof mit Kühen, Schafen und Schweinen...
...und auch so verdiente sie noch Geld durch andere Tätigkeiten hinzu. Irgendwie muss man den fehlenden Besuch auf der kleinen Landzunge ja kompensieren... 😳
Damit es da bloß nicht zu langweilig wird, gestaltete sich ihr Weg in die Stadt und der Schulweg der Kinder ziemlich aufregend. Um nicht zu sagen: gefährlich.
Davon können sich Wanderer wie wir nun selbst ein Bild machen. Der Seniorenverband des örtlichen DNT hat den historischen Küstensteig mit Kettensicherungen und kleinen Aufstiegshilfen gangbar gemacht.
Wir müssen eng auf dünnen Felskanten entlang balancieren, direkt unter uns das rauschende Meer.
Uns über Steinblöcke hüpfend einen Weg suchen. Oder auch gleich über selbige rüber klettern. Das Ganze halt auf mehreren Kilometern.
Für uns ist es eine unterhaltsame Angelegenheit. Aber beim Gedanken daran, wie hier Anna und ihre Kinder fast täglich bei Sturm oder Eis und ohne Absicherung entlang laufen mussten, wird uns trotzdem ganz anders. Was für ein hartes Leben sie doch hatten! Und wie glücklich wir uns schätzen können, in heutigen Zeiten mit Wohlstand, Frieden (und sicheren Schulwegen) aufgewachsen zu sein.
Annas Karriere als Leuchtturmwärterin endete übrigens mit der deutschen Besatzung im Jahr 1940. Zuletzt ließ sie sich im Stadtteil Draget nieder, wo ihr schließlich noch ein paar ruhigere Jahre vergönnt waren.
Am Ende der Tour ziehen wir uns "Annas Schuhe" imaginär wieder aus und kehren schnell zurück in die Gegenwart.
Es hat letztendlich etwas mehr als hundert Schritte gebraucht, doch wir finden: Besser hätte man diese Geschichte nicht näher bringen können.
Chapeau, Anna!
Was für eine Lebensleistung.Read more






















TravelerWieder eine tolle und sehr informative Tour - Chapeau 👏👏
TravelerVielen Dank 🙏🏼☺️
Traveler
Diese roten Häuschen, einfach zu schön 🤩
TravelerJa, bei solchen Anblicken kommt bei mir immer sofort Urlaubsstimmung auf... 🥰