odessa
Sep 17–18 in Ukraine
☀️ 23 °C
da ich die nerven meiner eltern nicht unnötig strapazieren will, wird es langsam zeit, richtung rumänien zu steuern. letzter halt: odessa.
wieder fährt uns ein nachtzug quer durch raum und zeit, ich habe mich immernoch nicht daran gewöhnt, auf der fahrt weder gps noch uhr zu haben. ein junger typ aus meinem schlafabteil weist mich in gebrochenem englisch darauf hin, dass ich mich für evakuierungen bereithalten soll, die zugstrecke kharkiv-odessa verläuft parallel zur front und die russen haben das mit der zivilen infrastruktur schon lange hinter sich gelassen.
der kollege will recht behalten: mitten in der nacht fahre ich hoch und muss mich schnell fertig machen, draußen im kalten dunkel stehen schon alle anderen versammelt auf einem bahndamm mitten im nirgendwo und schauen in den glasklaren sternenhimmel. wir stehen eine ganze weile. dann verstummen auf einmal alle, irgendwo im himmel über uns ist eine dieser shahed-drohnen zu hören. es klingt wirklich 1:1, als würde jemand mit einem moped vorbeiknattern. nach eineinhalb stunden stillstand gehts dann aber auch endlich weiter. paar stunden später werden wir ein zweites mal geweckt, dieses mal ist aber die sonne schon draußen und die leute nutzen die zeit, um sich entspannt im gras lang zu machen. dieses mal sind wir auch nach einer halben stunde wieder unterwegs.
genau wie bei den anderen städte davor strahlt odessa wieder völlig andere vibes aus. man könnte genauso gut denken, man wäre in italien. wir spazieren ein bisschen durch die kante, aber ich bin auch inzwischen so durch, dass ich mich freue, auch mal guten nutzen von meinem einzelzimmer machen zu können. in meiner allerletzen nacht im land wird es in besagtem zimmer dann aber nochmal spannend: kurz vor dem einschlafen höre ich einen dumpfen knall von weiter weg. luke schreibt mir, er hat ihn auch gehört. als wir uns paar minuten später wieder hingelegt haben, knallt es ein zweites mal, dieses mal so richtig und so nah, dass man den boden beben spüren kann. am nächsten morgen bekommen wir von einem mädchen in unserem alter, das dort arbeitet, gesagt: alles wie immer, nix besonderes.Read more













