• Sierra Leone

    November 25, 2024 in Sierra Leone ⋅ ☁️ 29 °C

    Die Einreise nach Sierra Leone gegen 16 Uhr war einfach, die Straßen waren in einem hervorragenden Zustand, die Stimmung war gut und die Fahrzeuge rauschten zügig dahin. Was sollte da schon noch schief gehen? Die Pechsträhnen aus Guinea und Liberia waren zu Ende… dachten wir…
    Krawumm - da standen wir wieder. Es war ca. 17 Uhr. Das Frontfahrzeug unseres Zweier-Konvois streikte. Das dritte Fahrzeug steht derweil noch weit weg im Norden Liberias in der Werkstatt. Mit einem Jeep wird’s schwierig.
    Zufällig standen wir zu Füßen eines Dorfes.
    Während die beiden Fahrer unter der geöffneten Motorhaube nach der Ursache suchten, warum das Fahrzeug auf einmal stehen blieb, erkundeten wir das Umfeld.
    Vom Berg herab beäugte uns ein neugieriger Blick, dann waren es viele neugierige Blicke, zum Schluss war das ganze Dorf auf den Beinen.
    Wir gingen den Berg hinauf und den Leuten entgegen und waren rasch mittendrin statt nur dabei. Das Dorf war sauber und gepflegt. Die Lehmhäuser waren gut in Schuss. Eines wurde gerade gebaut. Die Menschen waren geschäftig, stampften Mais, spalteten Holz, wuschen, kochten oder zeigten sich Tücher, die sie gerade vom Markt geholt und nun zu begutachten hatten. Für einen kurzen Moment drehte sich aber alles um die Spontanbesucher, die offenbar eine willkommene Unterhaltung boten.
    Das Auto ließ sich nicht reparieren. Mahamadou beschloss, dass das zweite Auto weiterfahren, die erste Gruppe zum Ziel bringen und die anderen später nachholen sollte.
    Die drei Pechvögel ohne Koffer am Anfang der Reise - Dagmar, Ludger und ich - saßen im fahrenden Wagen. Das sollte sich als großer Glücksfall erweisen. Wir schafften die Fahrt über eine unbefestigte und unbeleuchtete Lehmpiste mit zahlreichen Schlaglöchern bis zum Dorf Kambama gegenüber Tiwai Island gerade noch bei Tageslicht. Wir wurden freundlich begrüßt. Die Taschen wurden von Einheimischen geschultert und aufs Boot gebracht. Mittlerweile war es 18:30 Uhr und die Dämmerung brach herein.
    Die anderen würden auf alle Fälle erst im Dunkel hier ankommen. Im Boot saßen nun vier Touristen (rechts und links an der Bordwand mit dem Rücken zum dahinfließenden Moa River) samt Gepäck (in der Mitte) und drei Trägern.
    Hoffnungsvoll stieß man uns mit vereinten Kräften (nackte Kinder, die gerade vom Baden aus dem Wasser gestiegen waren, ließen sich die Gaudi nicht entgehen, ebenfalls kräftig mit zu schieben) vom Ufer weg und auf den Fluss. Leider sprang der Motor nicht an. Einer der Begleiter griff das einzige Paddel und bugsierte uns zurück ans Ufer. Um das Boot ohne Motor über den etwa 50 m breiten Fluss zu bringen, hätten wir alle ein Paddel gebraucht. Zum Glück kam unser Bootsführer nach einiger Zeit mit dem richtigen Werkzeug zurück, so dass wir mit stotterndem, leicht schwächelndem aber funktionierendem Motor mit der Strömung nach Tiwai Island übersetzen konnten. Es war inzwischen stockdunkel. Meine Taschenlampe hatte bereits in Guinea den Geist aufgegeben. Zum Glück hatte ich noch eine Stirnlampe dabei. Aber ausgerechnet in diesem ungünstigsten aller denkbaren Fälle, verweigerte auch sie urplötzlich die Gefolgschaft. Dank der Taschenlampe von Dagmars Smartphone (mein iPhone hatte nur noch 20% Batterieladung) erreichten wir nach zehnminütiger Nachtwanderung unsere beleuchtete Unterkunft. Wir bezogen je ein Zimmer und fanden uns alsbald wieder zum Abendessen ein, um Reis mit Hühnerfleisch in einer scharfen aber sehr leckeren Soße zu verspeisen. Was wohl aus den anderen geworden ist? Inzwischen hatte es auch ein wenig zu regnen angefangen.
    Etwa 21 Uhr knackte es im Gebüsch. Im Gefolge einer Taschenlampe stapfte der Rest der Truppe ins Lager. Angespannt, ausgezehrt und apathisch aggressiv - ich weiß, dass das ein Widerspruch ist, aber es wirkte so 😳
    Hinter ihnen lag ein 45 minütiger Fußmarsch durch das Dickicht von Tiwai Island. Das Motorboot war nicht mehr fahrbereit, weswegen sie hintereinander sitzend in schmalen Langbooten ans andere Ufer gepaddelt wurden. Aber nicht zur Anlegestelle nahe unserer Unterkunft, das wäre nur mit Motorunterstützung möglich gewesen, sondern einfach an die erste Anlegestelle, an der man an Land gehen konnte.
    „Und was war mit dem Auto?“ Die Anspannung war geradezu beängstigend, bevor uns die Antwort unter großer Selbstbeherrschung zuteil wurde. „Glaubt Ihr nicht. Der war Tank war leer.“
    „Das kannst Du keinem Menschen erzählen, dass man für eine solche Reise auch noch 5.000 € bezahlt.“
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