• Tiwai Island - morgendliche Pirsch

    November 26, 2024 in Sierra Leone ⋅ ☁️ 27 °C

    Die Insel Tiwai liegt inmitten des Flusses Moa, der sie von Norden nach Süden fließend im Osten und Westen umschließt und somit ein geschütztes Refugium für Tiere und Pflanzen erschuf.
    Das 12 Quadratkilometer große, weltweit bedeutendste Affenschutzgebiet von Tiwai Island bietet elf Primatenarten Schutz und Pflege, darunter auch die als gefährdet eingestuften Diana-Meerkatzen, drei verschiedene Colobus-Arten und Schimpansen.
    Doch wie bei den anderen beiden Trekking-Touren konnte die Realität den Erwartungen nicht folgen.
    7 Uhr starteten wir zur morgendlichen Pirsch. Der erwachte Wald empfing uns mit einem Orchester voller Geräusche. Vögel fiepten, piepten, schrien, gurrten, tröteten, tuteten und riefen einander Lockendes und Warnendes zu. Insekten und Kröten halfen der musikalischen Untermalung auf ihre Weise. Ein Yellow-casqued Hornbill - den wir nicht sahen - schlug raschelnd mit den Flügeln und fabrizierte einen ventilatorähnlichen Sound, wie ein Propellerflugzeug vor dem Start.
    Nur die Affen fehlten.
    Zuerst hörte man das Springen in den Ästen, das Rascheln im Laub der Baumkronen und das Knacken der Zweige, die dem Treiben nicht standhalten konnten. Dann folgten die Blätter, die gemeinsam mit den gebrochenen Zweigen und den gerüttelten Früchten herunterfielen und wie beim Staubwischen aus den oberen Regalen weggefegt wurden und als Unrat zu Boden rieselten. Unser ortskundiger Führer sagte, dass es sich um Colobus-Affen handelte. Drei mal bekamen wir sie entfernt auf der dreistündigen Wanderung zu Gesicht. Ohne Fernglas oder Teleobjektiv war aber nur wenig zu erkennen und schon gar nichts zu fotografieren. Ein paar mal sah ich sie springen. Wenn aber einer auf einem Ast saß, um sich zu kratzen oder zu wachen oder zu dösen, dann war außer einem grauschwarzen Klumpen kaum eine Kontur, geschweige denn ein Gesicht erkennbar.
    So wendete ich mich schließlich dem Nahbereich zu und besah mir die Welt der Pflanzen und Pilze, die nicht weglaufen konnten, der getarnten Insekten, die nicht weglaufen wollten und jener beweglichen Lebewesen, die zwar ständig unterwegs waren, aber aufgrund ihrer Größe dennoch im Nahbereich um mich herumschwirrten oder zu meinen Füßen exerzierten. Während die Schmetterlinge in scheinbar planlosen Streifzügen hin und her durch die Luft schwirrten, marschierten die Termiten als geordnete Kolonnen rasselnder und klappernder Transporteure über den Waldboden einem Ritterheer in Rüstung ähnlich. Als ich ihre Abfangjäger aber auf meinen Schuhen erblickte schoss ich bis zum Blutverlust im Kopf aus der Hocke nach oben und klopfte und trampelte wie wild die Armee der kleinen Rüstungsritter wieder von meiner Kleidung, bevor sie unter dieselbe gelangen und Schaden anrichten konnten.
    Als ich nach der Pirsch am Frühstückstisch saß, machten mich die anderen darauf aufmerksam, dass ich wohl einen neuen Freund oder eine neue Freundin hätte. Ein gelber Schmetterling verwechselte mich offenbar ob meines gelbleuchtenden Hemdes mit einem Artgenossen, flog um mich herum und ließ sich auf mir nieder. Wahrscheinlich spielt auch bei den Schmetterlingen bei der Partnerwahl die Größe eine Rolle. 😉
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