• christoph jungwirth
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Peak of the Balkans

Mit dem Zug nach Montenegro. Zu Fuß eine Runde über die „verfluchten Berge“, die albanischen Alpen, in den Kosovo und nach Nordalbanien. Credits to: https://www.weltanschauen.at/ Read more
  • Trip start
    August 22, 2026
  • Das war ja alles einmal Österreich

    August 23 in Serbia 🌙 24 °C

    Mit dem Zug durch Ungarn ins serbische Subotica - Fun Fact am Rande: Nachdem Kaiserin Maria Theresia den Ort 1779 zur königlichen Freistadt erhob, gab sie ihm in einem Anflug von Größenwahn kurzzeitig den Namen Maria-Theresiopel.

    120 Jahre später entstanden hier in der Vojvodina einige wunderbare Jugendstilgebäude – das Rathaus etwa, oder die Synagoge, die zu den schönsten in Europa gezählt wird, sagt man vor Ort. Bei einem nächtlichen Spaziergang konnten wir sie zumindest von außen besichtigen.

    Zum Abendessen gab es köstliches Gulasch, und in den Gesprächen erfuhr ich einiges über die Wut auf die Vučić-Regierung sowie darüber, wie europäische Unternehmen ihre Buchhaltungs- und Lohnverrechnungsabteilungen hierher auslagern.
    Insgesamt ein entspannender, lehrreicher Abend
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  • Mit China und Titos Traum nach Montenegro

    August 24 in Montenegro ☀️ 30 °C

    Am Morgen rasen wir auf der mit chinesischer Unterstützung neu gebauten Hochgeschwindigkeitsstrecke von Subotica nach Belgrad – der Bahnhof Novi Sad, dessen eingestürztes Vordach vor eineinhalb Jahren die Studentenproteste in Serbien auslöste, wird gar nicht mehr angefahren.

    Von der Hauptstadt zuckeln wir dann über Dutzende Viadukte und durch ebenso viele Tunnel Richtung Montenegro.
    Diese Linie war eines der Großprojekte von Titos Jugoslawien: Baubeginn 1951, 25 Jahre Bauzeit, eine quasi nationale Anstrengung, die unter anderem über eine Volksanleihe finanziert wurde. Diese löste Anfang der 70er-Jahre ein regelrechtes „Eisenbahnfieber” aus – Spieler von Roter Stern und Nobelpreisträger Ivo Andrić warben dafür, Werbespots liefen während des „Jahrhundertkampfs” Ali–Frazier.
    Am Bau selbst arbeiteten auch zwischen 1971 und 1975 bis zu 14.000 Jugendliche in 234 Arbeitsbrigaden.

    Unsere Fahrt war unterbrochen von einem vermutlichen Elektronikausfall der modernen Garnitur. Wir meinten schon, selbst eine Brigade gründen zu müssen, um zu schieben …
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  • Vom Grundlsee auf den kosovarischen Hajla …

    August 25 in Kosovo ⛅ 25 °C

    … war jedenfalls mein Ausseer Hut unterwegs. Ich war auch dort oben und hab es genossen, die Aussicht auf sechs Länder: Serbien, Kosovo, BiH, Montenegro, Albanien und Mazedonien. Klar, es ist nicht das Schlaueste, die vielen Kleinstaaten, noch dazu in ständiger nationaler Konkurrenz. Jedenfalls ist für Wanderer die Grenze grün, auch wenn die Erinnerungen an den Krieg, wenn man mit meinen Augen durch die Gegend läuft, allgegenwärtig sind.Read more

  • Ist das verhüttelt

    August 26 in Montenegro ⛅ 18 °C

    Entlang des Peak of the Balkans entstand vielfältige Infrastruktur - Agenturen, Guides, Transportdienste, Lodges, Camps, Hotels oder Hüttendörfer. Einige empfinden das als Verhüttelung im Kontrast zu unserer Wohlstand-Naturromantik.

    Mich beeindruckt viel mehr, wie Menschen hier unternehmerisch denken, auch ins Risiko gehen und Chancen des Tourismus für sich nutzen. Chapeau!

    Wir wanderten über eine alte Karawanenroute vorbei an Bergseen ins nächste Tal wieder zurück nach Montenegro.
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  • Pridsko Jezero

    August 27 in Montenegro ☁️ 19 °C

    Heute entspannte Wanderung zum Bergsee Pridsko Jezero. Am Weg bergab ein Blick auf das Dreiländereck Albanien, Kosovo und Montenegro - markiert durch einen markanten Gipfel.

    Aber Grenzen sind hier changierend, nicht nur wenn man die Geschichte des Balkan vor Augen hat: auf der Karte des Peaks of the Balkans ist die Grenze Kosovo Montenegro teilweise mit zwei punktierten, parallel verlaufenden Linien markiert.

    Man erzählt mir, dass sei auch ein Thema beim EU Beitritt. Logo, offene, ungeklärte Grenzen sind aktuell unbeliebt in der EU.
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  • Alles hat ein erstes Mal

    August 28 in Albania ⛅ 33 °C

    In Albanien war ich bereits 25 mal, in den 1990 und 2000er Jahren für Friedensdorf International (heute: Allianz für Kinder) - immer mit dem Flugzeug.
    Heute komme ich zum ersten Mal zu Fuß über die Berge - 1000m hinauf auf den Peja Pass und 800m hinunter nach Theth.
    Gleich nach der Grenze der erste von 750.000 Bunkern, die das Enver Hoxha Regime in seiner Paranoia bauen ließ. Die Schießlucke zeigt heute ein friedliches Panorama …
    Hoffentlich findet sich am Grenzstein in den Bergen in absehbarer Zeit statt dem herausgebrochenen roten Stern ein gelber der EU.
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  • Was so rumsteht

    August 29 in Albania ⛅ 32 °C

    Herumstreunen bei sengender Hitze in Nordalbanien und nachdenken über das, was so rumsteht.

    Zwei Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten, beide aus Angst gebaut.

    Die Kulla, der „Fluchtturm". Steinmauern, im Obergeschoss Schießscharten statt Fenster. Hierher zog sich zurück, wer von Blutrache betroffen war. Der Turm brachte Sicherheit auf Zeit, bis eine Lösung gefunden war. Der Kanun, das traditionelle Gesetz der Berge Nordalbaniens, regelte auch das: die Besa, die Waffenruhe, unter der überhaupt erst verhandelt werden konnte. Eine Ordnung statt eines Staates, dort gewachsen, wo nie einer hinkam. Nur: Die Versöhnung gelang oft nicht. Die Blutrache forderte viele Tote und zog sich in vielen Fällen über Generationen. Der Turm war Schutzversprechen und Gefängnis zugleich.

    Daneben der Betonbunker. Hoxha ließ das Land zubetonieren, gegen einen Feind, der nie kam. Das war keine Ordnung statt eines Staates, sondern eine Ordnung gegen die eigenen Leute. Die Logik der ständigen Bedrohung, verstaatlicht – nur ohne Besa, ohne Vermittler, ohne Ausweg. Der Kanun kannte die Aussöhnung wenigstens als Möglichkeit. Die Diktatur kannte sie nicht.

    Beide Bauten versprechen Sicherheit und kassieren Freiheit. Der eine gewachsen, der andere verordnet. Heute stehen beide leer – und der Beton hält länger als die Angst, die ihn gebaut hat.
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  • „Drinking Coffee without Raki …

    August 30 in Albania ☁️ 28 °C

    … is like kissing a dead Person“ - damit servierte uns der Wirt im Gästehaus von Theth das zweites Frühstück zu unserem Aufstieg auf den Valbona Pass. Zuvor musste noch das Stromaggregat für die Espressomaschine angeworfen werden.
    Abends dann in Valbona angekommen und somit unsere letzte Etappe am Peaks of the Balkans geschafft.
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  • Working Man und sein Death

    August 31 in Albania ☀️ 21 °C

    Die albanischen Berge verlassen wir mittels Fähre durch die Schluchten des Koman Stausees von Firze Richtung Süden.

    Die alte Fähre sank vor Jahren, angeblich weil der Kapitän Karten spielte. Unserer ist nur intensiv mit dem Handy beschäftigt (wie ich im Rückspiegel sehe), meistert aber einen Alarm im qualmenden Motorraum mitten am Stausee souverän,

    Passend dazu höre ich einen alten Song der burgenländisch-berlinerischen Band Japanik - Zitat: „Diese Bar ist eine Schlucht und das Wasser, das hier fließt, hat einen bitteren Geruch - irgend ein angesoffener Depp sagt irgendwas vom Working Man und dessen Death.“
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  • Brot, Salz und unsere Herzen …

    September 1 in Montenegro ☀️ 31 °C

    … dieses Buch von Mary Edith Durham hat mich die letzten Wochen begleitet, bei meinen Wanderungen durch die Berge zwischen Kosovo, Montenegro und Albanien.

    Durham, geboren 1863 in London, bereiste die Region als eine der ersten Fremden überhaupt – zu Fuß und per Pferd, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie hat das, was sie sah, aufgeschrieben – umfangreich, genau, mit Respekt vor dem, was sie vorfand. Bis heute wird sie in Albanien als “Queen of the Highlanders” verehrt.

    Den Ausklang der Reise haben wir in Ulcinj am Meer verbracht – und dort habe ich Edith wieder getroffen: mitten in der Stadt die “Rruga Edith Durham”. Die Gemeinde hat ihr die Straße gewidmet, weil Durham auch hier war, die Stadt in ihren Schriften beschrieb und eine Straße Richtung Rana/Kalaja gemalt hat.

    Geht man die Straße hinunter zum Strand, findet man mehrere etwas, naja, eigenartige Lokale – aber vielleicht ist auch das eine Referenz an Frau Durham, die selbst aus London stammte und Tochter des königlichen Leibarztes war!? So bleiben am Ende der Reise auch noch einige Fragen offen.

    Schließlich finde ich im Netz noch historische Bilder, die Edith Dürrheim aufgenommen hat - vom albanischen Drin, den auch wir befuhren, und der alten Moschee hier am Meer.

    So, und ab morgen geht es wieder Richtung Österreich.
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    Trip end
    September 3, 2026