• Blue Ridge Parkway

    Mar 2–3, 2024 in the United States ⋅ ⛅ 15 °C

    Der letzte Regen ist irgendwann in der Nacht runtergekommen und nachdem wir aus den Hecktüren lunkern wird klar: Wir werden mit Sonnenschein und damit auch irgendwie automatisch mit besserer Laune wach. Heute, am Samstagmorgen, marschiert Hanna wieder mit Bella los und ich kümmere mich um die kleine Morgenroutine in Freddie.

    Zwischendurch geht mein Blick immer wieder durch den Wagen und ich überlege, ob sich irgendwo noch kleinere Projekte finden lassen, um das Leben und den Alltag etwas bequemer zu gestalten – finde aber auch heute nichts. Irgendwie ein beruhigendes Gefühl. Wäre es für uns beide eine realistische Option dauerhaft in einem Camper zu Reisen und zu Leben würde wir wahrscheinlich grundlegend an der Anordnung einiges ändern. Ein Teil von uns beiden hat auch Lust, nochmal einen Wagen auszubauen. Zum Glück reißt mich ein grüßender Mountainbiker aus meinen Tagträumen und ich kümmere mich um den Kaffee.

    Heute ist der erste Tag mit dem bereits gemahlenen Kaffee. Der Mahlgrad ist für unsere Bialetti etwas zu grob, so dass das flüssige Gold ziemlich schnell durchfließt. Es duftet aber trotzdem köstlich und bevor Hanna wieder zurück ist, habe ich auch schon fast die erste Tasse getrunken.

    Hanna bestätigt später, dass der Kaffee wirklich lecker ist und gibt sich auch vollkommen dem Genuss hin, während ich schonmal die Abfahrt vorbereite. Hanna unterstützt wenig später natürlich auch. Der Auffahrkeil von gestern ist ziemlich verschmutzt, aber zum Glück gibt es ein paar Meter hinter dem Wagen einen kleinen Fluss, wo ich das Ding reinigen kann. In der Zwischenzeit hat Hanna den Bericht über die Wegsperrungen gelesen und wir planen die nächste Auffahrt in knapp 40 Minuten Entfernung anzufahren. Entlang der Schotterpiste rollen wir zurück zur Hauptstraße – die dicken Reifen leisten einen hervorragenden Job. Ich frage mich aber auch, wie es wohl wäre hier mit Offroad-Fahrwerk und zusätzlicher Luftfederung lang zu fahren. Da ist er wieder: der Tagtraum.

    Zum Glück lenkt mich das bunte Schauspiel links und rechts der Straße ab. Der steil emporragende Wald auf der einen Seite und die breite und flache Fortsetzung des Fluss von unserem Campingplatz auf der anderen Seite. Das gute Wetter und den Samstag merken wir auch auf der Straße: es ist wesentlich mehr los als gestern. Wir haben Glück, der gewählte Zugang ist offen und wir rollen erstmal entgegen der geplanten Fahrtrichtung gen Süden auf dem Parkway entlang und kommen zwischendurch aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

    Ein paar Kilometer vor der Beschrankung, die uns gestern den Weg versperrte machen wir halt und drehen um. Auf geht es in Richtung Norden, von The Cradle of Foresty bis Linville Falls. Wir erleben eine zauberhafte Szenerie, die uns in ihren Bann zieht. Der Regen des Vortages zaubert überall in die entferne Landschaft kleine Wasserfälle. Die klare, kühle Luft rauscht an den leicht geöffneten Fenstern entlag, während wir die majestätischen Gipfel der Appalachen bewundern, die sich vor uns erheben. Auch ohne Schnee bedeckt die Natur diese Region mit einer stillen Anmut und einem beruhigenden Gefühl der Weite. Entlang der kurvenreichen Straße schlängeln wir uns durch dichte Wälder und über malerische Hügel. Die Bäume stehen nackt, ihre kahlen Äste recken sich gen Himmel, während die Sonne golden über ihnen scheint. Das Sonnenlicht glitzert auf den glatten Felsen und den friedlichen Wassern der Bäche, die neben der Straße fließen.

    Die lebendige Vielfalt der Landschaft fasziniert uns, wenn wir durch sanfte Täler fahren und an steilen Klippen entlang gleiten. Die Aussichtspunkte entlang des Weges bieten spektakuläre Blicke auf die umliegenden Berge und Täler, die sich in einer Vielzahl von Grün- und Grautönen erstrecken, die durch die winterliche Sonne beleuchtet werden.

    An einer weiteren Wegsperrung angekommen, müssen wir umkehren und können den Parkway bis zur nächsten Abfahrt in 15 Meilen Entfernung in der anderen Richtung genießen. Nach einem kurzem Abstecher über die Interstate und einer Betankung sind wir auch schon wieder auf dem Weg angekommen und flitzen an Little Switzerland vorbei. Immer wieder stellen wir fest, wie stark die Städte und Gebiete an der Ostküste von europäischem Einwandern geprägt ist. Über Athens, Hanover, Lancester und Inverness ist irgendwie alles vertreten. Eine kleine Abfahrt entlang des Parkways verspricht laut App ein paar Übernachtungsplätze, aber diese sind alle schon belegt – kein Wunder bei dem großartigen Wetter heute.

    Wir suchen uns also ein anderes Ziel in knapp 20 Meilen Entfernung. Entlang einer alten State Road aus den 1940er Jahren, der NC 105, gibt es Stellplätze noch und nöcher. Zwischen Mai und Oktober sind Reservierungen erforderlich, aber wir sind ja gut außerhalb des Zeitraumes und so dauert es nicht lange, bis wir entlang der sich in engen Kurven windenden Schotterstraße einen Stellplatz finden. Das erste Mal in all der Zeit stehen wir so schief, dass wir den Höhenunterschied nicht ganz mit unserem Auffahrkeil ausgeglichen bekommen und werden deswegen also mit dem Kopf auf dem Fußteil schlafen.

    Nach einer Runde mit Bella, tippe ich den Bericht vom regnerischen Freitag und Hanna zaubert aus den letzten verbliebenden Gemüseresten vom Fischer eine leckere und - bis zur Zugabe vom Käse – gesunde Nudelpfanne.
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