• Sehnsucht nach Brot und ein guter Burger

    Mar 4–5, 2024 in the United States ⋅ ⛅ 21 °C

    Montagmorgen, ein beschaulicher Walmart Parkplatz im verschlafenen Nestchen Marion. Ich habe schlecht geschlafen, wobei schlecht nicht, ich bin halt nur um vier Uhr aufgewacht und konnte für zwei Stündchen nicht mehr einschlafen. Gestern Abend zum Burger hatte ich recht spät noch eine Cola, vielleicht liegt es daran. Naja ich schaue ein wenig auf meinem Handy rum und packe mir dann noch meinen Einschlafgaranten Harry Potter auf die Ohren. Die Bücher höre ich mittlerweile das dritte mal innerhalb von zwei Jahren durch. Zum Einschlafen was Unbekanntes zu hören macht einfach keinen Sinn, weil ich meist innerhalb von 10-15 Minuten einschlafe und ich so nur sehr unzusammenhängend und in absolutestem Schneckentempo Bücher hören würde. Die lese ich dann eher.

    Wir wachen also laaangsam auf und kuscheln uns gemütlich in den Tag. Es ist im Bett einfach zu gemütlich: nochmal an Christian kuscheln und wieder etwas weg dösen. Dann irgendwann Bella zum Guten-Morgen Kuscheln ins Bett holen und mal wieder sind zwei Stündchen vergangen, bis die Blase sich so bemerkbar macht, dass es keinen Zweck hat länger liegen zu bleiben. Praktisch ist, dass wir in unserer Parklücke so nah am Starbucks stehen, dass wir ins WLAN kommen. Zeit für eine Sicherung der Fotos, das Updaten von Apps und das Herunterladen einiger Folgen von Netflix.

    Neben dem Walmart ist ein Supermarkt mit dem Namen "Ingles", diese Kette wirbt damit, frische Backwaren im Angebot zu haben. Brot, der Traum von gutem Brot wabert immer subtil unter der Oberfläche. Wir machen ab, dass ich in den Supermarkt hopse, um vielleicht Brot zu erobern. Wir haben gestern bei Walmart außerdem keine Tomaten und keinen Knoblauch bekommen und Christian wünscht sich so was wie Fensterklar, weil schon sehr viele Tierchen ihr Leben auf unserer Windschutzscheibe gelassen haben. Während ich den Supermarkt unsicher mache, geht Christian eine Runde mit Bella und danach wollen wir uns, ausnahmsweise mit einem Starbucks Kaffee auf den Weg gen Westen machen.

    Im Supermarkt sehe ich kurz nach der Eingangstür die "Backwarenecke" - ich hätte es mir denken sollen, Cupcakes, Zuckerschleudern an Torten, Donuts, Berliner, Cookies, Tartes, gefüllte Cremeschnitten und.... abgepacktes Toastbrot und Wraps. Innerlich heule ich ein bisschen. Sind wir Deutschen denn die Einzigen, denen Brot so sehr schmeckt, dass es in anderen Ländern nicht so zelebriert wird oder kennen die Leute den Geschmack einfach nicht?! I don't get it... ich könnte hier noch weiter mit meiner Hommage an Brot machen aber ich glaube es würde mich im Endefffekt nur traurig stimmen ;). Ich stelle mich drauf ein...Brot wird neben meiner Siebträgermaschine etwas sein, auf das ich mich (abgesehen natürlich von den Menschen) mit am meisten freuen werde, wenn wir im August wieder daheim sind.

    Alle anderen Dinge eingepackt gehe ich zur Kasse. Auch gewöhnungsbedürftig, dass man hier an der Kasse einfach den Einkaufskorb abgibt und der Kassierer alles ausräumt, scannt und in Tüten verpackt - was soll man denn mit der Zeit anfangen, in der man nicht gestresst alles aufs Kassenband schmeißen und nach dem Scannen hektisch in Taschen verpacken muss. Da fühle ich mich fast ein wenig schlecht, dass der arme Kassierer die ganze Arbeit hat. Als in Freddie alles verräumt ist, schaue ich nach dem Status der Updates und Christian und Bella trudeln wieder ein. Wir machen langsam alles ready, Christian holt unsere Bestellung bei Starbucks ab und rollen los.

    Die ganze Strecke nach Nashville werden wir heute nicht schaffen, allerdings werden wir gut voran kommen. Wir rollen die ganze Zeit über den Highway, hören Musik und Hörbuch und vertreiben uns so die Zeit. Das Wetter ist ganz schön gut, die Sonne knallt ordentlich und zwischendurch haben wir im Fahrerhäuschen über 30°C - womit wir wieder kurz auf einen nächsten Ausbau kommen und kurz von einer Klimaanlage träumen. Ein Blick auf Christians Wetter App verrät uns, dass es ab heute Abend bis mindestens Mittwoch Morgen in Nashville regnen soll... Och nööö... kurz fühlen wir uns erinnert an den ins Wasser gefallenen Tag am Blue Ridge Parkway, auf eine Wiederholung dessen können wir beide gut verzichten.

    Naja, wir entschließen uns erstmal das gute Wetter diesen Tages noch ein bisschen zu genießen und machen Halt in Knoxville. Irgendwann während der Fahrt hat Christian mir einen Link zu einem Burger Restaurant geschickt. Über 4000 Bewertungen und 4,7 Sterne...das klingt sehr verlockend. Wir überlegen beide, woher die Stadt Knoxville uns was sagt, kommen aber lediglich auf Johnny Knoxville, der aus Jackass bekannt ist...naja, sein Name ist ein Künstlername, der auf seine Geburtsstadt Knoxville hinweist, von daher hat es ja im entferntesten dann doch was mit der Stadt zu tun. Angekommen und eingeparkt, steigen wir aus und sind sofort angenehm überrascht. Das Städtchen hat echt Charme, die Bauten sind so anders als in Europa, es wirkt ein wenig wie ein Mix aus einer alten Westernstadt und einem Fabrikviertel. Von Spitzdächern haben die Leute hier wahrscheinlich noch wenig gehört, ich frage mich, wo alles verstaut wird, wenn man keinen Dachboden hat und denke an den Dachboden meiner Eltern, der vollgestopft ist mit Erinnerungen (und ja, in meinem Elternhaus gibt es auch einen Keller ;)) Das Städtchen ist halt anders, schwer zu beschreiben aber auf jeden Fall sehr nett. Es handelt sich um eine Universitätsstadt, demnach jung sind die Menschen, die durch die Sträßchen wandeln, vor Restaurants stehen oder draußen in Cafés sitzen.

    Nach einem kleinen Spaziergang kommen wir im Restaurant an und genießen dort unglaublich gute frittierte Pilze mit einer Honig-Senf Soße und als Hauptspeise zwei seeeehr sehr gute Burger mit köstlichsten Pommes und Knoblauch Aioli. Danach schlendern wir noch ein bisschen durch den Art District, machen Halt in einem Outdoor Shop (wir liebäugeln ein wenig mit ultraleichten Campingstühlen) und hopsen dann wieder in Freddie, um einen Stellplatz in der Natur anzufahren.

    Als wir ankommen dämmert es bereits. Angekommen sind wir an einer Bootrampe, einem Wendehammer sofort an einem See. Außer uns steht noch ein Kombi dort, in dem sich scheinbar gerade zwei andere Camper essen vorbereiten. Christian geht ein Mini Ründchen mit Bella, ich hole meinen Laptop raus und fange an den Bericht von gestern zu tippen. Als Christian wieder kommt, berichtet er, dass die beiden zum Rock-Climbing hier sind und sehr nett wirken. Der Abend wird gemütlich, wir sind beide noch super satt von den Burgern, daher gibt es nur ein klein wenig was zum snacken (Snyders Brezeln und Reese) und dazu Wein für mich und Bier für Christian. Wir haben die Seitentür auf und stehen mit dieser zum See, der Ausblick ist traumhaft und der Sternenhimmel wirklich atemberaubend. Christian hopst aufs Dach und verdingt sich als Sternengucker, ich bleibe unten, tippe, snacke und versinke zwischendurch auch in Sternenträumereien. Wie das erst im Westen werden wird, wo es einfach kaum Lichtverschmutzung gibt, wenn hier schon so ein atemberaubender Sternenhimmel am Firmament prangt.

    Wir kuscheln uns ins Bett, als es etwas frischer wird und schlummern dankbar für den Tag ein.
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