Friedhöfe, Brücken und ein Strand
Mar 17–18, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 22 °C
Den Sonntagmorgen verbringen wir erstmal gemütlich in Freddie. Wie vom Wetterbericht versprochen, hat es schon in den frühen Morgenstunden angefangen leicht zu Regnen. Mittlerweile ist gegen 9 Uhr auch die erste Gewitterfront angekommen und wir können aus dem Heckfenster beobachten, wie der komplette Parkplatz unter Wasser gesetzt wird. Dabei ist vom Beginn des Tages nicht viel zu sehen, es schaut viel mehr nach den letzten Minuten der Abenddämmerung aus.
Während in den nächsten knapp 3 Stunden der Regen über uns herzieht, dösen wir noch etwas, machen uns aber auch noch über New Orleans kundig und rufen uns auch nochmal die Berichte über den Hurrikan Katrina auf, der die Stadt vor knapp 20 Jahren unter Wasser gesetzt hat. New Orleans liegt zum Großteil knapp unter dem Meeresspiegel und ist in allen vier Himmelsrichtungen von Wasser umgeben – entweder einem der Seen oder eben dem Meer. Regen kann hier also nicht natürlich abfließen, sondern muss aufwendig abgepumpt werden. Das Pumpsystem ist dabei in der Lage knapp 1300m³ pro Sekunde abzupumpen, das entspricht etwa 7200 deutschen Badewannen. Am heutigen Morgen haben die Pumpen also gut zu tun.
Gerne wollen wir uns auch einen der berühmten Friedhöfe anschauen, der älteste und bekannteste Friedhof, Saint Louis Cemetery No. 1, liegt direkt gegenüber vom Parkplatz. Dieser ist für die Öffentlichkeit aber nur im Rahmen einer recht teuren 45-minütigen Führung zugänglich. Wir haben uns daher für den Saint Louis Cemetery No 3. entschieden, dieser ist aber aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen, so dass es dann am Ende der Saint Roch Friedhof in ein paar Kilometern Entfernung wird.
Die Friedhöfe in New Orleans sind nicht nur wegen der dort bestatteten Persönlichkeiten weltbekannt (z.B. die Voodoo-Priesterin Marie Laveau), sondern weil meisten Gräber in Mausoleen untergebracht sind. Ursprünglich wurden die Gräber auch unter der Erde angelegt. Doch nachdem um 1830 eine Reihe von Seuchen ausgebrochen war, verursacht durch Leichen, die aufgrund des hohen Grundwasserspiegels im Wasser trieben, erließ die Stadtverwaltung eine Verordnung: Künftige Erdbestattungen durften nur noch außerhalb der Stadt im Bayou St. John stattfinden. Die Beerdigung auf den städtischen Friedhöfen war nur noch in oberirdischen Gräbern gestattet.
Da es sich bei den Gräbern meistens um Familengruften handelt und dort zum Teil einige Personen bestattet, ist eine „platzsparende“ Vorgehensweise bei der Bestattung erforderlich. Der Friedhofsverwalter öffnet die äußere Platte, die den Eingang zum Gewölbe markiert. Hinter dieser Platte sind die Gewölbe üblicherweise mit Ziegelsteinen abgeschottet, die ebenfalls entfernt werden müssen. Die Überreste des zuletzt beigesetzten Leichnams werden dann in einen Beutel gelegt und auf den Boden des Grabes gebracht. In der örtlichen Umgangssprache wird dieser Raum am Boden des Grabes als "Caveau" oder "Empfangsgewölbe" bezeichnet. Durch das Entfernen der Überreste wird Platz für die Beisetzung des neuen Leichnams geschaffen. Gemäß der örtlichen Tradition dürfen die Gräber auf diese Weise für mindestens ein Jahr und einen Tag nicht geöffnet werden. Dies soll sicherstellen, dass der bereits im Grab befindliche Leichnam einen vollständigen Sommer in New Orleans verbleibt, um eine angemessene Verwesung zu ermöglichen. Nach den entsprechenden Bestattungsritualen verschließt der Friedhofsverwalter erneut den Eingang des Gewölbes mit Ziegelsteinen und setzt die Platte wieder ein. In der Regel werden die Namen der Verstorbenen sowie ihre Geburts- und Sterbedaten auf der Platte gemeißelt oder alternativ an anderer Stelle am Grab angebracht. Oberirdische Gräber sind im Allgemeinen nicht luftdicht verschlossen, um einen angemessenen Gasaustausch für die Zersetzung des Leichnams zu ermöglichen. Die Tradition, ein Jahr und einen Tag zwischen den Öffnungen des Grabes zu warten, war nicht immer ausreichend für eine angemessene Zersetzung, selbst unter den harten Bedingungen des Klimas von New Orleans. Diese Bestattungspraktiken haben bis in die heutige Zeit Bestand.
Während einer Regenpause haben wir dann den Friedhof erkundet. Neben den Mausoleen selbst waren wir dabei auch ziemlich von der zumeist europäischen Herkunft der Verstorbenen beeindruckt. Neben Iren, Engländern, Spanien, Franzosen und Italiener gab es auch ziemlich viele Gräber deutscher Auswanderer zu entdecken.
Vom Friedhof aus haben wir dann noch einen Stopp am Stadtpark gemacht und sind in einem kleinen Lehrwald eine Runde mit Bella spaziert. Hier gab es in einiger Entfernung auch wieder Alligatoren zu entdecken – wir kamen uns wie im Tropenhaus im Zoo vor.
Kurz vor dem nächsten Regenschauer haben wir es dann zurück in Freddie geschafft und haben uns auf den Weg aus New Orleans gemacht. Wir sind beide sehr fasziniert von New Orleans und sind uns vollkommen im Klaren darüber, dass wir in den wenigen Stunden dieser Stadt nicht gerecht werden konnten. Für einen kleinen Eindruck von „The Big Easy“ hat es aber allemal gereicht und vermutlich werden wir zu irgendeinem anderen Zeitpunkt auf einer anderen Reise nochmal hierher zurückkehren.
Ziel der knapp vierstündigen Fahrt sollte dann heute Rutherford Beach sein. Zunächst ging es aber erstmal über einige der längsten Brücken der Welt, unter anderem entlang der Bonnet Carré Spillway Bridge mit knapp 17 Kilometern und der Atchafalaya Basin Bridge mit knapp 29 Kilometern. Während die erste Brücke über den Pontchartrain-See und die LaBranche Feuchtgebiete führt, ist die zweite über das größte Sumpf- und Feuchtgebiet der Vereinigten Staaten gebaut, dem Atchafalaya Basin westlich des Mississippi. Beide Brücken sind über 50 Jahre alt und haben in den Jahrzehnten einigen Hurrikans standgehalten.
Während uns die erste Brücke noch ein wenig an den Weg nach Key West erinnert hat, ist der Weg durch das Atchafalaya Basin ein ganz anderes. Die Sumpfgebiete sind links, rechts und unter der Straße zu erkennen und es wirkt, als wäre zum Teil einfach eine Schneise mitten in einen Urwald geschlagen worden. Wahnsinn.
Am späten Nachmittag machen wir halt und Essen in einer Sportsbar zwei lecker ausschauende Burger, die uns dann am Abend aber ziemlich schwer im Magen liegen werden. Satt und (noch) zufrieden finden wir dann beim Verlassen des Restaurants durch Zufall noch eine Versorgungsstation und können Freddie nochmal mit frischem Wasser versorgen und werden das wenige vorhandene Abwasser los. Wir verlassen kurze Zeit später wieder die Interstate und haben dann noch knapp eine Stunde Fahrt über Land vor uns, um an den Rutherford Beach zu gelangen. Auf dem Weg dorthin passieren wir saftige grüne Weideflächen, die sich mit Ausläufern der Feuchtgebiete abwechseln. Alligatoren haben wir schon einige gesehen, trotzdem ist es ein ungewohntes und irgendwie falsches Bild, einige überfahrene Exemplare am Straßenrand zu sehen.
Wenige Minuten nachdem Sonnenuntergang kommen wir am Rutherford Beach an und können Freddie in knapp 20 Metern Entfernung vom Getose der Wellen direkt am Strand parken. Wir sind nicht die einzigen, aber auf knapp zwei Kilometern Strand verteilen sich nur knapp 15 Fahrzeuge. Ein paar Abenteurer sitzen draußen beim Feuer, die meisten haben sich aber schon zurück in ihre Heime verzogen: die Mückenschwärme beherrschen den Strand in den Abendstunden und so kümmern wir uns vor dem Aussteigen erstmal um eine Imprägnierung mit Mückenstopp. Anschließend spazieren wir noch eine Runde mit Bella am Strand entlang. In den USA. Am Golf von Mexiko. Knapp 90 Minuten von Texas entfernt. Verrückte Welt.Read more


















Traveler
do hätt dat Schmitze Billa........ 😀
Traveler😂😂😂 na aber die Villa ist nicht in Poppelsdorf 😘
TravelerHat se recht 😉