• Dienstach

    Mar 19–20, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 17 °C

    Am Dienstagmorgen werden wir wieder am Strand wach. Wie schön, dass wir es selbst in der Hand haben, wo wir aufwachen werden. Beim Rauschen der Wellen ins Bett zu gehen und auch wieder aufzuwachen, ist schon etwas ganz Besonderes. Mit dem Wissen genießen wir beide den Morgen auch nochmal besonders – der bevorstehende Weg bedeutet auch, dass wir Abschied nehmen müssen vom Golf von Mexiko.
    Erstmal kann ich aber noch eine schöne ausgedehnte Runde am Strand gehen. Die Sonne hat sich hinter einer Wolkenfront versteckt und trotz des Windes lässt es sich gut aushalten. Während Bella fleißig dabei ist am Strand auf- und abzulaufen, schaue ich immer wieder verträumt in die Ferne und genieße die Ruhe. Das wird bald wahrscheinlich wieder anders.

    Zurück an Freddie ist der Kaffee auch schon fertig und während Hanna auf dem Bett schon die ersten Schlucke genießt, mache ich uns noch spontan Bagels zum Frühstück. Einen richtigen Plan für heute gibt es nicht. Wir wollen westwärts fahren und grob in Galveston in Texas ankommen. Bevor wir losfahren, versuchen wir noch so gut es geht den Sand aus Freddie herauszubekommen, was gar keine leichte Aufgabe ist. Der Wind am gestrigen Tag hat einiges in den Wagen gepustet, obwohl der der Mückenvorhang fast dauerhaft unten war. Mit dem kleinen Minibesen und der Hilfe vom Bosch Professional 12V Staubsauger kriegen wir es dann aber doch einigermaßen zufriedenstellend in den Griff. Ein “Frühjahrsputz” in Freddie steht noch aus, wird aber hoffentlich nicht mehr sehr lange auf sich warten lassen.

    Als wir dann endlich loskommen, ist es auch schon kurz nach 13 Uhr, zum Glück sind es heute aber auch nur knapp 140 Meilen. Nach einer guten halben Stunde stehen wir aber erstmal für gut 30 Minuten: Der Fluss, der vor uns liegt, muss mit einer Fähre überquert werden und diese ist kurz vor unserer Ankunft losgefahren. Wir warten also ganz entspannt und als wir an der Reihe sind, zahlen wir den Obolus von einem ganzen Dollar (in Richtung Osten ist die Fahrt sogar umsonst). Auf der anderen Seite angekommen dauert es nicht mehr lange und wir überqueren die Staatsgrenze zu Texas. Wir sind ein wenig aufregt, mit dem konservativen Republikanerstaat assoziieren wir eine Weltoffenheit wie sie sonst in unseren Köpfen nur in Teilen von Bayern und Sachsen vorkommt. Die Schubladen im Kopf schieben wir aber erstmal beiseite und sind gespannt. An der Szenerie um uns herum ändert sich aber erstmal nichts.

    Dem Fährsymbol in Google Maps entnehmen wir, dass noch eine weitere Fährfahrt auf uns wartet und wir überlegen kurz, ob wir den von Google vorgeschlagenen alternativen Weg ohne Fähre über Houston nehmen, entscheiden uns dann aber für die weniger städtischen Route.
    Am zweiten Fährableger für den heutigen Tag angekommen, stellt sich heraus das dieser wesentlich größer ist und hier vier Fähren verkehren, um die Fahrzeuge von einem Ufer zum anderen zu bringen. Auch hier warten wir knapp zwanzig Minuten und rollen dann ganz entspannt auf die Fähre. Diese ist sogar umsonst, wobei wir beide sogar bereit gewesen wären etwas zu bezahlen, immerhin wird die Fähre auf der kurzen Fahrt zum Teil von Delfinen begleitet.

    Auf der anderen Seite angekommen fahren wir auch recht schnell am ersten Möglichen Parkplatz für die Nacht vorüber: Ein großer öffentlicher Strandparkplatz direkt vor einem Campingplatz. Auf dem öffentlichen Platz stehen keine anderen Camper und gerade in städtischen Gebieten ist das immer ein gutes Indiz für uns, ob das Parken dort auch ohne weitere Probleme möglich ist. Die andere Möglichkeit direkt an der Strandpromenade hat ein Parkverbot zwischen 3 Uhr und 5 Uhr morgens, also auch keine Option. An einer Straße direkt vor Wohnhäusern halten kommt für uns auch nicht in Frage. Meine Laune ist mittlerweile etwas im Keller und ich ärgere mich, dass ich nicht vorher etwas genauer geschaut habe.

    Erstmal machen wir aber am Strand halt und gehen in einem kleinen Gebiet mit Bella eine Runde und versuchen auf andere Gedanken zu kommen. Es gibt wahrlich keinen Grund, schlechte Laune zu haben oder sich zu ärgern, wenn es mal nicht so läuft wie geplant oder vorgestellt. Immerhin sind wir mitten im Sabbathalbjahr und im normalen Alltag gäbe es zwischenzeitlich wirklich Grund sich zu ärgern. Aber auf der anderen Seite kann ja auch hier in Amerika mal Schatten sein. Licht gibt es hier für uns mehr als genug.

    Nach der Runde rollen wir los und fahren einen kleinen State Park vor Galveston an, reservieren lassen sich die Plätze online nicht mehr, aber dafür können Spätankömmlinge sich einfach auf einen der freien Plätze stellen und die Registrierung am nächsten Morgen nachholen.
    Genau das Beabsichtigen wir auch und als wir um kurz nach acht auf den Parkplatz rollen, sind am Büro des Park Rangers auch schon die freien Plätze für die Nacht ausgewiesen, vier an der Zahl. Guter Dinge rollen wir den Campground ab und stellen fest: wir sind zu spät, andere hatten schon die gleiche Idee. Mittlerweile ist nicht nur wegen untergegangen Sonne viel Schatten da, meine Laune ist richtig im Keller.

    Wir ziehen also unseren Joker, suchen uns den nächsten Cracker Barrel raus, fahren los und kommen gegen 21 Uhr an. Während wir noch ein paar Wraps futtern machen, sortiere ich in meinem Kopf noch, was schiefgelaufen ist und mache in Gedanken einen Haken hinter den Tag.
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