• Ein furztrockener Canyon

    27.–28. mar. 2024, Forenede Stater ⋅ 🌬 24 °C

    Die Sonne ist gerade 20 Minuten am Horizont erschienen. Wir beiden springen um kurz vor acht aus dem Bett und machen uns für eine Wanderung im State Park bereit. Gestern Abend haben wir uns noch darauf verständigt auf dem Rückweg zu entscheiden, ob wir noch eine Nacht hierbleiben oder schon den langen Weg in Richtung Nationalpark in Angriff nehmen. Das heißt dann aber auch erstmal, dass wir Freddie abfahrbereit machen.
    Alles in allem kein Hexenwerk, aber ein paar Minuten nimmt es dann doch immer in Anspruch. Auch wenn wir früh loskommen und die Wanderung nur 12 Kilometer lang ist, packen wir großzügig Wasser für uns und Bella ein – gegen Mittag werden knapp 30 °C erwartet. Bevor es losgeht, öffnen wir noch alle Dachluken, schalten den Lüfter ein und packen die Thermomatten an die Fenster: Vielleicht hilft es ja ein wenig die Temperatur aus unserem schwarzen Gefährt herauszuhalten.

    Mittlerweile ist es neun Uhr und wir marschieren los. Die ersten paar Kilometer sind noch vertrautes Terrain vom gestrigen Abend, aber es sieht in der Morgensonne dann doch nochmal ganz anders aus. Wir laufen dauerhaft über Geröll und grobe Steine und müssen dabei immer wieder kleinen Kakteen und kleinen Büschen mit spitzen Nadeln ausweichen. Die Wanderung führt entlang eines Canyons, dessen Wasserzufuhr schon vor langer, langer Zeit versiegt ist. Zuletzt hat dieser wohl vor knapp 60 Jahren Wasser geführt, dies dann aber durch sintflutartige Regenfälle. So bleibt bei der Wanderung entlang der Kante nur das Staunen über die verschiedenen Gesteinsschichten, kleinen Höhlen und abgebrochenen Felskanten. Die Gesteinsschichten sind auch ein guter Beleg für den Western Interior Seaway, der nach der Formung der Rocky-Mountains, den nordamerikanischen Kontinent teilte (das haben wir aber erst später an diesem Tag gelernt).

    Die ganze Zeit weht ein gutes Lüftchen und in den ersten 70 Minuten lässt es sich in der Sonne gut aushalten und wir stapfen frohen Mutes durch die Gegend. Mittlerweile sind wir auch in dem Bereich angekommen, in dem sich im Canyon Wasser befindet. Dieses stammt vom Fluss Rio Grande und wurde in den Canyon gedrückt, als jener mehr Wasser führte. Die Sedimente aus dem Wasser haben sich über die Zeit am Grund abgelagert und bilden nun einen natürlichen Deich, so dass das Wasser aus dem Canyon nicht mehr abfließen kann. Während alles um uns herum steinig und trocken ist, sehen wir unten entlang des Canyons Bäume und Gräser wachsen, die einen wahnsinnig großartigen Kontrast bilden.
    Wir kommen an einer Schattenschutzhütte und einem mit einem Zaun gesicherten Bereich am Canyon an und sehen auf der anderen Seite einen kleinen Bootsanleger. Zweimal am Tag gibt es geführten Touren zur anderen Seite des Canyons zu einer kleinen Höhle, dem Panther Cave. An dessen Wand befinden sich jahrtausendealte Wandmalereien. Mit leicht zugekniffenen Augen und später mit der Kamera lässt sich der Leib und Schwanz eines Panthers ausmachen, der von Kopf bis Schwanzspitze knapp 3 Meter lang gezeichnet wurde.

    Beeindruckt machen wir uns auf den Rückweg und folgen dem Rio Grande für einen knappen Kilometer. Wir haben beide mehr erwartet, sind aber auch nicht wirklich überrascht, dass uns anstelle eines reisenden Stromes nur ein kleines Rinnsal erwartet. In meinem Hinterstübchen klingelt es und das Internet bestätigt uns später, dass Teile des Rio Grandes in den letzten beiden Jahren wegen langanhaltender Trockenheit ausgetrocknet waren.
    Entlang des Rio Grandes bedeutet im Übrigen auch, dass wir nur etwas mehr als einen Steinwurf von der Grenze zu Mexiko entfernt sind.

    Der Weg geht entlang des Hinterlandes zurück in Richtung Startpunkt. Hier steht die Luft richtig und vom Wind ist nicht mehr viel zu spüren. Ein wieder sandig bis gerölliger Weg schlängelt sich durch die Landschaft aus Kakteen und den anderen stacheligen Büschen und Sträuchern. Nach insgesamt etwas über drei Stunden sind wir wieder zurück an Freddie. Während ich den Wagen aufmache, werde ich von zwei Amerikaner interviewt, die sichtlich beeindruckt von unserem bisherigen Tagewerk sind. Wir sind beide auch recht zufrieden, wobei uns mehr das Wetter als die Strecke herausgefordert haben. Ein kurzer Blick auf die Thermometer zeigt, dass die Massnahmen etwas gebracht haben: Vorne in Freddie sind es knapp 32 °C, hinten ist es mit knapp unter 30 °C etwas kühler. Platt sind wir von der Wanderung nicht, aber die Sonne ist uns beiden ein wenig zu Kopf gestiegen, so dass wir uns entscheiden eine weitere Nacht hier zu verbringen.

    Am Besucherzentrum können wir den letzten freien Platz für den heutigen Tag ergattern und schauen uns dort noch die Ausstellung an und lernen einiges über die Geschichte der Ureinwohner, die die Bilder an die Felsen im Panther Cave gemalt haben. Auch gibt es einen zehnminütigen Film, der den ganzen State Park beschreibt. Wir sehen bei der Aufnahme von vor knapp 18 Jahren auch, wieviel Wasser der Rio Grande „damals“ noch führte.

    Am Stellplatz 19 angekommen, richten wir den Wagen wieder so gut es geht in Waage aus, lassen die Fahrerseite und einen kleinen Spalt an der Schiebetür, die in der prallen Sonne steht, auf. Von vorne weht ein gutes Lüftchen durch den Wohnraum und so können wir den Nachmittag bei knapp 26 °C in Freddie gut aushalten und genießen auch einen heißen Kaffee. Unsere Köpfe leiden beide noch etwas von der intensiven Sonnenbestrahlung und so wird es ein recht ruhiger restlicher Tag. Nach einer leckeren Gemüsepfanne mit Reis wird es dann wieder Zeit die Berichte der letzten Tage zu schreiben, Bilder auszusortieren und nochmal die Planung für die nächsten Tage durchzugehen.

    Ziemlich platt schlafen wir weit nach Mitternacht ein und nehmen uns direkt vor, den nächsten Tag etwas später zu starten.

    P.S.: Auch wenn es ein paar zusätzliche Stopps auf dem Weg geben wird, ist das nächste Große Ziel der Grand Canyon.

    P.P.S.: Frohe Ostern 🥕
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