• Wüste, Köstlichkeiten und New Mexiko

    30.–31. mar. 2024, Forenede Stater ⋅ ☁️ 23 °C

    Heute ist Samstagmorgen, wir schlafen ein klein wenig länger als die letzten Tage. Es sind aber auch herrliche 15° C in Freddie, da macht das Einkuscheln auch einfach nochmal mehr Spaß. Wenn man hinten die Thermomatten ein wenig nach unten macht und raus luschert, sieht man wie die Sonne sich langsam über die Berge kämpft. Christian hopst zuerst aus dem Bett und sagt mir ich solle erwachsen sein und mich auch aus den Laken pellen – also ehrlich, ich war die letzten paar Tage schon erwachsen und bin früh aufgestanden. Trotzdem klettere ich kurze Zeit später auch nach unten.

    Christian macht sich mit Bella auf den Weg zu einer Gassirunde und hat vorher schon die Bialetti zum Kaffee kochen vorbereitet. Was habe ich ein Glück. Ich stelle den Pott auf unseren Gasherd und organisiere mich ein wenig. Meiner Haut macht es ganz schön zu schaffen, dass seit drei Tagen die Luftfeuchtigkeit nicht höher als 10% geklettert ist. Dazu noch Sonne und salziger Schweiß – Neurodermitis freut sich. Ich wurschtel mich also durch mein Aloe Vera und alle möglichen Creme-Döppchen und glänze kurze Zeit später wie eine Speckschwarte. So das kann mal schön einziehen und dann kommt noch ne fette Schicht Sonnencreme drüber… wie hat Christian einer Mitarbeiterin im VisitorCenter letztens gesagt: „This girl knows just two colours, either she is white or red.“ Recht hat er, Dabei hat sich das „red“ bisher in Grenzen gehalten.

    Während der Kaffee langsam anfängt zu blubbern, beantworte ich ein paar Nachrichten, schicke ein Lebenszeichen an meine Family und bestaune die ganze Zeit die Landschaft in der wir stehen. Es will mir nicht so recht in den Kopf, dass das hier wirklich als Wüste zählt, ich meine karg genug ist es ja, aber es ist so bergig. Außerdem gibt es trotzdem ein wenig Gestrüpp hier und da. Aber es ist wirklich die Chihuahua-Wüste, die größte Wüste Nordamerikas, durch die wir uns die letzten Tage bewegen. 90% dieser Wüste liegt zwar in Mexiko dennoch nimmt sie ebenfalls einen Teil von New Mexiko und südöstliche Teile von Arizona ein. Diese Wüstenlandschaft wird uns also noch ein wenig begleiten.

    Als Christian und Bella wieder da sind, trinken wir erstmal gemütlichst Kaffee. Außerdem schreibe ich den Bericht von gestern weiter, für den ich am Ende des Abends gestern einfach zu unmotiviert war. Christian schraubt noch ein wenig an seinem Bericht und beginnt außerdem den von gestern. Gefühlt haben wir alle drei Tage Schreibtage, fühlt sich ein wenig an wie Bürotage. Gegen elf machen wir ab, in ungefähr einer Stunde los zu fahren. Bis dahin werden die Berichte fertig, Freddie wird ausgefegt, es wird noch ein Bagel und ein bisschen krosse Müslihappen gesnackt, dann wird alles fest gemacht und wir machen uns bereit diesen so anderen aber auch schönen Ort zu verlassen. Ein Teil von mir ist ein wenig traurig, dass wir dieses riesige Grundstück, zu dem einfach auch die Berge hinter uns gehören, nicht näher erkundet haben. Aber es ist okay und es warten noch so viele andere schöne Landschaften auf uns.

    Wir rollen heute nach El Paso, einer recht bekannten Grenzstadt nach Mexiko, die sowieso auf unserem Weg liegt und wo wir denken, dass sie einen Besuch wert sein könnte. Ich muss ein wenig an Jacob und Amber denken, die uns ganz dringend davon abgeraten haben nach El Paso zu fahren. Das wäre sicher sehr gefährlich, wegen der ganzen Immigranten. Es sei ja aktuell so schlimm mit der Migrationspolitik. Christian hat nachgeschaut und El Paso wurde vor zwei Jahren zur zehntsichersten Stadt in den USA ernannt. Wir gehen also dieses „Risiko“ ein (neben dem Fakt, dass wir schon so viele überzeugte Trump Wähler getroffen haben, hatten leider auch alle diese Paare das Gefühl, dass ganz viele Ausländer – natürlich insbesondere Mexikaner – in ihr Land wollen; gespickt mit ein paar rassistischen Kommentaren, bei denen sich mir die Fußnägel aufrollen).

    Wir rollen gute zwei Stunden nach El Paso, als wir ankommen sind wir ein wenig enttäuscht, bzw, vielleicht finden wir auch einfach den richtigen Stadtkern nicht. Allerdings sind wir durch die Stadtteile „Downtown“ und „El Centro“ gerollt und so richtig gekriegt hat uns die Stadt sofort an der Grenze zu Mexiko rein optisch nicht. Es ist allerdings ganz schön beeindruckend, dass eine Gebirgskette sofort an die Stadt anschließt, bzw. auch zu Teilen in das Stadtbild und die Bebauung dieser eingebunden ist. Wir fahren mit Freddie einen der Berge hinauf in Richtung eines kleinen Parkes, von dem aus man eine fantastische Aussicht auf die Stadt haben soll. Oben angekommen sind wir in der Tat baff. Die Aussicht ist toll und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass El Paso unglaublich riesig ist. Schaut man aber genau, sieht man das Rinnsal des Rio Grande (ja, der Name ist mittlerweile wirklich sehr ambivalent) mitten durch die Bebauung fließen. Auf der mexikanischen Seite des Flusses liegt die Stadt Ciudad Juárez, die mit einer Einwohnerzahl von ca. 1,3 Mio. Einwohnern (Stand 2010!) locker doppelt so groß ist wie El Paso.

    Wir fahren den Berg über einen Scenic Drive wieder nach unten und machen uns auf die Suche nach Futter. Wir würden gerne mexikanisch Essen gehen, es ist ja davon auszugehen, dass wir hier die authentischste mexikanische Küche finden. Nachdem wir Google befragt haben landen wir bei Kiki’s Mexikan Restaurant. Von außen ist das Gebäude absolut nicht einladend, in der Regel lassen wir uns von sowas schnell abschrecken, aber heute haben wir uns vorgenommen, dass wir genau das nicht tun. Wir beide sind richtig stolz auf uns, als wir in dem, seit den 70ern familiengeführten, Restaurant sitzen und die Karte vor der Nase haben. Christian bestellt sich einen Combo Teller No.3 und bei mir dürfens die Fajitas mit Steak, Bohnenpaste, Guacamole, Reis und Tacos sein. Es schmeckt wahrhaftig köstlich, wir waren auch so geblendet von dem Essen, dass wir keine Fotos zur Erinnerung gemacht haben.

    Gesättigt und zufrieden machen wir uns mit Freddie auf die Weiterfahrt. Es sind noch Energiereserven übrig und als nächstes steht der White Sands National Park in New Mexiko an. Davor warten noch Pakete auf uns in einem Amazon Locker in Alamogordo, ebenfalls in New Mexico. Dorthin sind es noch eineinhalb Stunden Fahrt, das passt also gut zum Rest des ungeplanten Tages. Auf dem Weg überprüfen wir noch unseren Reifendruck, Tanken auf und stellen auf der Fahrt fest, dass unser Zeitunterschied nach Deutschland ab morgen 8 Stunden beträgt. Wir passieren nämlich eine weitere Zeitzone und in Deutschland werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt.

    Mit der Staatsgrenze nach New Mexiko fahren wir in unseren 12. Staat, das ist ganz schön viel in 8 Wochen. Dennoch haben wir auch das Gefühl, dass wir in den 11 Tagen, die wir in Texas verbracht haben, den Staat doch ganz schön gut und in vielen Facetten kennen gelernt haben. Die Stereotypen, die wir zu Texas in unseren Köpfen hatten, haben sich z großen Teilen nicht bestätigt und insgesamt ist der zweitgrößte Staat nach Alaska ganz schön bunt und voller unterschiedlicher, wunderschöner Landschaften. New Mexiko zeigt sich zunächst karg, weit und staubig, aber auch schön. Ich muss einfach sofort an die Serie Breaking Bad denken, die in diesem Staat ihren Hauptspielort hat und muss innerlich ganz schön grinsen.

    Angekommen in Alamogordo gehen wir erstmal für einen Großeinkauf zu Walmart, fahren dann kurz zum fünf Minuten entfernten Amazon Locker und stellen uns dann wieder auf den Walmart Parkplatz. Auch wenn es im Umkreis einige atemberaubende Natur-Stellplätze gibt, macht es heute für uns Sinn einfach hier stehen zu bleiben. Christian bringt es auf den Punkt als er sagt, dass man hier auf dem Walmart Parkplatz schöner stünde als auf manchen Campingplätzen in Deutschland. Ich muss sagen, ich gebe ihm recht, die Aussicht auf die Berge ist fantastisch. Außerdem werden wir hier unseren Bestellungs- und Einkaufsmüll gut los.

    Wir machen uns einen Obstjoghurt und gehen danach gemeinsam eine Runde mit Bella. In dem Paket des Amazon Lockers war unter anderem ein Rasierer für Bella, den Christian gerne nach dem Gassigang sofort ausprobieren möchte. Gerade bei diesen Temperaturen hat Bella es auch ordentlich nötig kurz geschoren zu werden. Sie hat so lange Haare, wie schon vor Ewigkeiten nicht mehr. Also sitze ich nun auf unserem Bett uns schreibe diesen Bericht und Bella bekommt ihre neue Kurzhaarfrisur. Dazu gibt es ein Bierchen, Limetten-Nachos für mich und Schoki für Christian. Hätte uns mal jemand vor zehn Jahren gesagt, dass wir heute mitten in New Mexiko in unserem Camper auf einem Walmartparkplatz die Haare unseres Hundes scheren, hätten wir wahrscheinlich beide gedacht unser Gegenüber hätte nicht mehr so ganz alle Tassen im Schrank. Somit ein Auf uns und gute Nacht.
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