Ostermontag
1.–2. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ⛅ 13 °C
So kühl es gestern Abend am Ende war, in Freddie sind es dann gegen halb acht schon 19 °C. Der doch noch sehr intensive Geruch des Lagerfeuers aus unseren Klamotten liegt auch in Freddie und wir drehen uns nochmal ein wenig rum und dösen etwas weiter – konkrete Pläne für den Tag gibt es nicht.
Eine Stunde später haben wir uns gerade aus dem Bett gepellt, als es auch schon an der Schiebetür klopft, Ilsa von draußen schnell in Freddie und dann zu Hanna auf das Bett hüpft. Hanna zieht Kinder wie ein Magnet an und so kriege ich auch nur mit, dass die beiden bereits in ein ernstes Gespräch über Lieblingstiere und Lieblingsessen vertieft sind, als ich mich mit Bella auf den Weg mache.
Es geht ein guter Wind, es ist teilweise bewölkt und von den Bergen in Osten und Westen ist gerade nicht viel zu sehen - trotzdem ist es eine schöne Runde mit Bella. Vereinzelt sehe ich andere Camper die sich abfahrbereit machen oder gerade im Trailer frühstücken. Ein paar Mal höre ich – wie so häufig in Amerika – das doch sehr vertraute Geräusch der Diesel- oder Gasgeneratoren. Irgendwie schade, dass diese hier so häufig vertreten sind und die meistens absolute Stille stören. Zurück an Freddie, schaue ich Ilsa beim Aufschäumen der Milch zu und bekomme einen Kaffee durch das Schiebefenster gereicht. Verträumt laufe ich zwischen den beiden Sprinter durch und schaue über den kleinen See in Richtung des Nationalparks und lasse den gestrigen Tag nochmal in Gedanken an mir vorbei ziehen.
Nachdem Hanna und Ilsa im Innern ein wenig umgeräumt haben, biete ich Phil unsere kleine Propangasflasche an, die aber nicht zu deren Kocher passt: drüben ist gestern Abend nach knapp sechs Wochen die Gasflasche leer. Daher wird kurze Zeit später unser Gaskocher übergeben, der ja zum Glück nur mit vier Magneten auf der Arbeitsplatte befestigt ist. Auf dem „Rückweg“ kommt Hallie Mae mit und klettert auch schnell zu den anderen auf das Bett. Während drüben das Frühstück zubereitet wird, toben die beiden Mädels durch das Bett, und wir bauen Mithilfe der Bettdecke, Wäscheklammern und der Wäscheleine eine Höhle.
Etwas später werden wir alle zum Frühstück gerufen und bewaffnet mit unserem Geschirr, Honig, Tassen und einer vorbereiteten Bialetti besteigen wir den anderen Sprinter. Der Fahrer- und Beifahrersitz sind hier drehbar, so dass der Fahrerraum schnell zum Teil des „Esszimmers“ umgebaut werden kann. Definitiv etwas, dass wir beim nächsten Ausbau auch nutzen würden (TÜV-Abnahme der Drehkonsole wird dann halt in Kauf genommen). Phil backt und verteilt immer wieder – göttliche – Pfannkuchen und wir genießen diesen leicht anderen Ostermorgen sehr. Während Hanna eine Geschichte über Brono den Bären von Ilsa diktiert bekommt und sich darin vollkommen verliert, bekomme ich von Kristin und Phil noch unglaublich viele Reisetipps. Den Yellowstone und Grand Teton Nationalpark haben alle vier ins Herz geschlossen und so wird zwischendurch immer wieder von den Bärensichtung in beiden Parks berichtet.
In meinem Kopf rattert es zwischendurch ziemlich und ich frage mich, ob uns die Quadratur des Reisekreises nicht doch noch irgendwie gelingt oder welche Möglichkeiten es gibt aus 6 Monaten spontan 12 Monate zu machen. In der Zwischenzeit bekommen wir noch ein paar nach Bundesstaaten organisierte Google Maps Listen zugeschickt. Gerade Arizona und Utah haben so viele tolle Orte zu bieten, so dass wir uns erstmal um die unmittelbaren Ziele Gedanken machen, die sich zwischen dem Grand und Bryce Canyon sowie dem Zion-Nationalpark befinden. Wir bekommen – danke dafür – von den Kongs noch den Jahrespass für die kanadischen Nationalparks geschenkt, der noch bis Juni diesen Jahres gültig ist. Super praktisch.
Während sich das Wetter draußen verschlechtert, genießen wir die Gemütlichkeit. Wir haben uns damals bewusst für viel weiße Farbe in Freddie entschieden, gerade weil wir wenig Fenster haben. Kristin und Phil haben viele Fenster und konnten an den Wänden und Decken mit dunklem Holz arbeiten, das in leichten Grün- und Blautönen lasiert wurden. Wir sind beide Fans von der Farbgebung und nehmen das gesamte Konzept als spätere Inspiration in uns auf.
Immer wieder landen wir auch bei politischen Themen beider Länder und gewinnen nochmal einen anderen Einblick auf die politische Situation in den USA. Nach all den engstirnigen und beratungsresistenten Unterstützern von Trump, ist ein Austausch aus einer sehr ähnlichen Werteecke wirklich sehr schön und sorgt trotz aller Wolken am Himmel für Zuversicht. Fast die ganze Zeit wird musikalisch von Ilsas Lieblingsplaylist untermalt, ein kunterbunter Mix aus deutschen und englischen Liedern. Ich finde es richtig cool, dass die beiden Kiddies direkt zweisprachig aufwachsen.
Mit Phil tausche ich mich noch ein wenig über die Vor- und Nachteile des eigenen Ausbaus aus, irgendwie herrlich etwas zu „fachsimpeln“ und noch mehr Eindrücke und Ideen zu gewinnen. Ich finde den Ausbau wirklich sehr gelungen und bin fasziniert, dass hier eine vierköpfige Familie so gut Platz findet. Sogar eine „Bücherei“ mit knapp zwei Dutzend Büchern ist vorhanden.
Nach gut drei Stunden „laufen“ wir zurück zu Freddie, während sich die anderen abfahrbereit machen. Ilsa und Hallie Mae statten uns noch einen kleinen Abschiedsbesuch ab und toben nochmal mit Hanna und mir durch Freddie. Nach einem kleinen, aber herzlichen Umarmungsmarathon trennen sich die Wege – zum Glück haben wir aber Kontaktdaten ausgetauscht.
Nicht, dass die letzten Tage richtig anstrengend gewesen wären, aber einen richtigen „Couch-Tag“ hatten wir schon lange nicht mehr und so entscheiden wir uns spontan, noch eine Nacht hier stehen zu bleiben. Erstmal machen wir aber einen kleinen Mittagsschlaf und können so die ganzen Einrücke der letzten Stunden gut verarbeiten. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass manche soziale Interaktionen so viel Energie fordern, während andere einem einfach so viel geben.
Ausgeruht und gestärkt macht sich Hanna an eine kleine Bastelaktion - der bevorstehende Geburtstag von Emma wirft seine Schatten voraus. Ich schnappe mir mein Werkzeug und tausche an einer unserer Schubladen die Kugelschnappverschlüsse gegen bessere Verschlüsse aus. Auch hier merke ich mal wieder, dass man mit ein paar kleinen Änderungen im Vorhinein, alles etwas einfacher haben könnte. Trotz all der Inspiration und dem Drang nochmal einen Bus auszubauen, bin ich aber sehr glücklich mit der Art und Weise wie wir Freddie ausgebaut haben. In den letzten genau acht Wochen haben wir beide gemerkt, dass uns allerhöchstens Kleinigkeiten am Ausbau stören. In Summe aber wesentlich weniger Dinge als an unserer Wohnung. Einer der größten Vorteile an Freddie ist natürlich, dass wir uns die unmittelbaren Nachbarn hier selbst aussuchen können.
Gegen Abend drehe ich noch eine große Runde mit Bella. Es stehen wieder gut 20 Camper auf diesem Stellplatz, die sich aber gut verteilen. Das komplette Spektrum ist vertreten. Ich laufe an einem Zelt vorbei, sehe einen Jeep mit Dachzelt, einen riesigen LKW-Reisebus, ein paar Schulbusse und auch ein paar Sprinter. Nachdem ich etwas die Geröllstraße entlang gelaufen bin, sind die Fahrzeuge kleiner geworden und meine Gedanken schweifen herum. Ich bin so dankbar, dass wir dieses Abenteuer machen können, weiß aber auch um die Endlichkeit unserer Reise. Die Vorstellung, eine solche Reise für mehr als nur sechs Monate zu machen – wie die Kongs halt – übt eine ziemliche Faszination aus. Auf der anderen Seite kriege ich das Ganze aber auch nicht mit meinem "Sicherheitsbedürfnis” unter einem Hut. Ein geregeltes Einkommen, damit einhergehende Zahlung in die Rentenkasse und andere Sparmaßnahmen stehen einem Abenteuer mit offenem Ende konträr gegenüber. Zumindest in meinem Kopf. Aber wir wissen ja alle, das steter Tropfen den Stein höhlt (das sehen wir hier in der Natur ja durchaus öfter). Mit all diesen Gedanken, etwas österlichem Familien- und Freundesheimweh und Melancholie über den Abschied des heutigen Tages komme ich zurück am Bus an.
Hanna ist gerade mit dem Kochen fertig geworden: Kartoffelpüree mit grünem Spargel und brauner Soße – yummi! Zunächst kommt aber erstmal das Erste-Hilfe-Set zum Einsatz. Ein gutes Gefro-Messer hat sich in den Daumen von Hanna verirrt. Nachdem der Abwasch getan ist, ziehen wir uns in unser Wohnzimmer zurück und schauen uns noch eine deutsche Serie bei Netflix an und lassen so unser Osterwochenende ausklingen.Læs mere













Rejsende
Wow Super Euch so glücklich zu sehen. Da ❤️😊geht einem das Herz auf
Rejsende❤️
Rejsende
Bella grinst besser als ihr zwei 🤗
RejsendeHihi, stimmt