• Petrified Forest National Park

    3.–4. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 19 °C

    Mittwoch -> Notiz am Rande – ich sitze gerade hier, einen Tag später um diesen Bericht zu schreiben und frage Christian gerade ernsthaft, ob er mir mal kurz auf die Sprünge helfen kann, wo wir gestern nochmal aufgewacht sind. Ich glaube wir kommen ganz gut rum 😉. Wie gut, dass wir im Nachhinein diesen Blog haben werden, um uns an alle schönen Momente erinnern zu können.

    So Mittwoch also: Wir wachen morgens nach einer wirklich kalten Nacht auf. Bella hat ja gestern Abend ein Bett nur knapp unter unserer Schlaf-Ebene gebaut bekommen. Sie hatte also die ganze Nacht den Luxus von unserer 2,20m x 2,40m Decke zu profitieren. Wir haben uns schon darüber unterhalten, dass wir eventuell vor dem Scheren die Höhe mit hätten einrechnen sollen und, dass wir weiter im Norden sein werden. So ist es Nachts einfach wirklich ganz schön kalt für eine kurz geschorene Bella. Aber die Lösung, die wir gefunden haben ist eine gute.

    Der Blick aus dem Fenster ist auch am Morgen recht surreal. Wir sind hier auf 2000 Meter Höhe und ich hätte auf jeden Fall eher Gestein, karge Landschaft und Staub erwartet. Stattdessen ist es hier sehr feucht, erdig, bewaldet und aber auch recht begrast. Ein paar Meter weiter liegt noch ein wenig Schnee. Am Horizont erheben sich ein paar Hügel, die ordentlich schneebedeckt sind. Verrückt zu wissen, dass diese Hügel eigentlich nur die Spitzen dieses Gebirges sind.

    Christian hopst mit Bella morgens aus Freddie, während ich das provisorische Hundebett abbaue, alles umbaue und Kaffee vorbereite. Außerdem halte ich einen Videoschnack mit meiner Schwester und Familie. Christian kommt dazu und wir genießen Kaffee, Ruhe und den Schnack. Wobei Christian ein bisschen Hummeln im Pöppes hat und sich nach kurzer Zeit, während ich noch telefoniere, dem Müll vor unserer Haustür widmet. Wir haben Einmalhandschuhe dabei und Mülltüten en Masse. Es ist wirklich ein Unding was da neben der Feuerstelle alles im Gebüsch liegt. Schinkenpackungen von 2016 nur als Beispiel. Es wirkt als hätte jemand seine gesamten abgelaufenen Lebensmittel einfach hier in der Natur abgeladen. Christian sammelt innerhalb von 20 Minuten zwei Müllbeutel voll Abfall.

    Danach packen wir alles in Freddie, machen ihn reisefertig und rollen um 11:30 Uhr los in Richtung Nordwesten. Unterwegs halten wir Ausschau nach öf fentlichen Mülltonnen und werden lange nicht fündig. An Rastplätzen sind zwar welche ausgeschildert aber in fast allen Fällen abgebaut. An einem Rastplatz sind 12 große Mülltonnen, als wir auf den Platz mit Picknicktischen fahren steht, dass bitte kein Hausmüll entsorgt werden soll. Scheinbar wird der Platz gern dafür genutzt den Müll von Privatpersonen hier wegzuschmeißen. Alle Tonnen sind randvoll. Während wir also weiter durch die Landschaft rollen, wird uns mit der Zeit immer klarer, dass hier ganz bestimmt nicht alle paar Wochen eine Müllabfuhr entlang rollt. Wir merken mal wieder, dass wir in Deutschland ganz schön verwöhnt sind, was sowas angeht. Nach einer guten Stunde rollen wir durch ein kleines Städtchen, in dem wir den Abfall endlich los werden.

    Um 13 Uhr überqueren wir die nächste Staatsgrenze und kommen in Arizona an. Verrückterweise haben wir ab dem Zeitpunkt sogar 9 Stunden Zeitverschiebung nach Deutschland, aber nur weil hier in diesem Teil Arizonas die Uhren auch auf Sommerzeit umgestellt werden. Das ist alles ein wenig verwirrend. Wir sind heute auf dem Weg in den Petrified Forest National Park. Der Name lässt einen ja sehr überzeugend denken, dass wir in einen Wald fahren aber weit gefehlt. Es handelt sich um einen Nationalpark in dem unglaublich viele versteinerte Bäume und Baumstümpfe gefunden wurden, bzw. fast kann man sagen, dass sie dort herumliegen. So ganz vorstellen kann ich mir das im Vorhinein nicht, aber wir lassen uns überraschen. Auf der Nationalparkseite wird beschrieben, dass es sich hier nicht ausschließlich um einen Park der versteinerten Bäume handelt, sondern, dass hier eher zwei Nationalparks in einem zusammengefasst sind. So findet sich neben den Baumresten auch das sogenannte Painted Desert.

    Nach insgesamt vier Stunden Fahrt kommen wir an und hopsen kurz zum Visitor Center. Hier besorgen wir uns einer Karte des Parks und freuen uns, dass Bella auf allen Trails erlaubt ist. Auf dem Weg zurück zu Freddie verleitet uns noch ein himmlischer Duft in das Diner zu gehen, das sofort beim Visitor Center ist. Wir bestellen uns einen Navajo Taco zum mitnehmen. Eine Art frittiertes Brot, das an Lángos erinnert aber weicher ist, welches mit Chili, Tomate, Avocado und Streukäse belegt ist. Bepackt mit dieser Köstlichkeit nehmen wir uns vor eine nahe gelegene Picknick Area anzufahren und dort mit guter Aussicht zu essen. Gesagt getan. Gesättigt machen wir uns dann auf die Erkundungstour durch den recht kleinen Nationalpark. Durch ihn hindurch führt eine 28 Meilen lange Straße, von der vereinzelt noch kurze Rundwege abzweigen.

    Die ersten paar Kilometer durch den Park zeigen noch nicht viele versteinerte Baumstümpfe, dafür aber weite Landschaften, wüstenartig und tatsächlich Berge und Canyons in ganz verschiedenen Farbschichten. Hier kann man sehen, wie sich verschiedenste Zeit – Ären in Sedimenten abgesetzt haben. Die unterschiedlichen Aussichtspunkte sind wirklich sehr abwechslungsreich. Wir halten auch an einem Punkt, durch den bis 1958 die Route 66 geführt hat. Weltbekannt und als die "Mother Road" bezeichnet habe ich tatsächlich auch bis kurz vor unseren Trip gedacht, dass man die Route 66 bis heute noch befahren könnte (Upsi! Wissenslücke). Andere Punkte an denen wir halten haben Namen wir „Newspaper Rock“, „The Tepees“, „Blue Mesa“, „ Agate Bridge“ und „Crystal Forest“.

    Ich finde die versteinerten Baumstämme tatsächlich am faszinierendsten. Es sieht ein bisschen so aus als könnte man hier eine ordentliche Portion Feuerholz sammeln. Schaut man genauer hin, leuchten und schimmern die Stämme von innen aber in buntesten Farben und sind Eisenoxide bis hin zu purem Quartz. Vor über 200 Millionen Jahren, bevor die Kontinentalplatten auseinandergedriftet sind, lag dieser Teil des heutigen Amerikas in Äquatornähe und hatte ein Klima wie das heutige Costa Rica. Ganz schön unvorstellbar, wenn man hier in dieser Wüste herumstapft. Durch die Zeit und das Umstürzen der Bäume, das Begraben dieser über Jahr-Äonen durchdrang mit Kieslsäure angereichertes Wasser die Stämme. Dieses ersetzte die organischen Moleküle des Holzes und bildete ein Replik aus Quartz. Diese Stämme sind also nicht Holz, das ummantelt wurde von Gestein, sondern es sind Gesteinsblöcke, die so aussehen wie Holz. Verrückte Natur.

    Immer wieder steigen wir aus, laufen kurze Trails und knipsen ganz schön viele Fotos. Das aussortieren wird bestimmt nicht spaßig 😉. Gegen sechs Uhr dann, fahren wir aus dem Nationalpark und finden einen Stellplatz sofort in der Nähe des Eingangs an einem Museum. Sehr praktisch für uns, dass dieses Vans und RVs anbietet hier umsonst zu stehen, so dass man nach dem Besuch im Nationalpark nicht mehr weit fahren muss.

    Zum Abendessen bereite ich uns einen Tomaten-Avocado Salat vor, während Christian die Google Maps Sammlungen der VanKongs sichtet und eine App sucht, die uns beim Routen optimieren helfen kann. Nach dem Essen schaue auch ich mir die Stopps der Familie an, die über zwei Jahre mit dem Van durch die USA getourt ist und bin sehr schnell heillos überfordert. Es sind so viele mögliche Ausflugsziele, die den Bildern nach umwerfend sind. Wie soll man sich denn da entscheiden, worauf man verzichtet und was man gerne sehen möchte. Wenn ich mich mit so etwas auseinandersetze, möchte mein Inneres gern alles sehen, sich nicht gegen irgendetwas entscheiden müssen, friert dann gefühlt in Schockstarre ein und kann sich am Ende für Nichts entscheiden. Christian ist da besser im Planen und Unterbringen von verschiedenen Stopps und Möglichkeiten. Gemeinsam versuchen wir zu durchdenken, wie viele Stopps noch möglich sind, bis wir in spätestens sechs Wochen nach Kanada einreisen wollen, damit wir diesem riesigen Land wenigstens ansatzweise gerecht werden können. Ein Teil von mir wünscht sich, ohne festes Enddatum auf Entdeckungstour sein zu können.

    Mit qualmendem Kopf baue ich Freddie zum Schlafzimmer um, während Christian (danke dafür!) kurz mit Bella eine letzte Runde geht. Ich drapiere Bellas improvisiertes Bett, bereite Christian eine Schreibtischecke vor und mache mich selbst schonmal bettfertig. Als Christian wieder da ist, setzt er sich noch an den „Schreibtisch“ und tippt den Bericht vom Vortag. Ich packe mir meine Einschlafbegleitung auf die Ohren und schlummere unter dem meditativen Tippen aus Richtung meines Fußendes und mit dem „Gefangenen von Azkaban“ im Ohr ein.
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