Das größte Indianerreservat der USA
4–5 Apr 2024, Amerika Serikat ⋅ 🌬 21 °C
Es ist schon wieder Donnerstagmorgen. Die letzten paar Wochen fliegen gefühlt nur so vorbei. Wir werden vor dem Petrified Forest National Park wach. Nachdem ich die Augen aufmache, murmelt Christian neben mir… „Es gibt eine kleine Planänderung, wir fahren nicht als nächstes zum Grand Canyon“. Mein Kopf verarbeitet diesen neuartigen Guten-Morgen-Gruß und ich denke mir, dass es da bestimmt einen Grund für gibt, den mir Christian als nächstes erklären wird. Genauso ist es auch. Die Tage werden am Grand Canyon -4°C bis 8°C erwartet, die durch Regen und Wolken nochmal extra kuschelig daherkommen sollen. Gute Entscheidung nochmal nach einer anderen Abfolge zu schauen. Ich bin super dankbar, dass Christian mit seiner neuen Routenoptimierungsapp, ganz gut Alternativrouten durchspielen kann. Der nächste Stopp wird Monument Valley werden, den Rest möchte Christian später am Tag noch ein wenig ausfeilen.
Jetzt heißt es aber erstmal raus aus den Federn und Freddie und uns fertig machen für den Tag. Wir hatten gestern schon überlegt, heute Morgen noch einen Trail mit Bella zu machen. Zur Auswahl stehen ein 11,9 km langer Trail oder ein 4,5 km Trail. Da mich die Höhe tatsächlich ein bisschen schlappi und kurzatmig macht, entscheiden wir uns für den kurzen Trail, der quasi ein entspannter Morgenspaziergang ist. Für diesen düsen wir nochmal in den Nationalpark und halten am Parkplatz vom Rainbow Forest Museum.
Um auf die 4,5 km zu kommen, kombinieren wir den Long Logs und den Agate House Trail.
Auf dem Long Logs Trail sollen besonders lange versteinerte Baumstücke zu finden sein. Nachdem wir gestern den ganzen Nachmittag in ähnlicher Natur unterwegs waren, kommen uns die versteinerten Baumstämme nicht so viel größer vor als die von gestern. Gestern habe ich mich gefragt, wie es denn sein kann, dass all diese Baumstammstücke (hihi, was ein lustiges Wort) so akkurat zerteilt wirken. Heute lerne ich, dass dies ein Schritt in der Versteinerung ist und dass die Holzstücke im Laufe des Versteinerns einfach zerbrechen. Trotz der Ähnlichkeit, zu all den versteinerten Holzstücken vom Vortag, lässt die Faszination absolut nicht nach und ich knipse nochmal knapp 40 Fotos von Holz (bzw. Stein), Natur und Farbenpracht in dieser auf den ersten Blick so eintönig wirkenden Landschaft.
Der Agate House Trail führt zu einem großen Anwesen ehemaliger Bewohner dieser Gegend. Aus versteinertem Holz wurden Grundrisse des 8 Zimmer großen Anwesens nachgebaut. Das ursprüngliche Haus wurde irgendwann zwischen 1050-1300 erbaut und bewohnt. Während eine Zeit lang gedacht wurde, dass das Haus ein Einzelstück war, fanden sich mit der Zeit immer mehr ähnliche Grundmauern von Ruinen. Super spannend zu sehen, wie riesig dieses Haus für damalige Verhältnisse war und wie gut sich die unförmigen Steinblöcke zum Hausbau eignen.
Auf dem Rückweg sehen wir, wie etwas über die Steine huscht und verfolgen es. Auf den ersten Blick wirkt es ein wenig wie eine Ratte. Auf einem Holz- bzw. Steinstück angekommen, richtet sich das kleine Tier allerdings auf und entpuppt sich als Präriehund. Ich freue mich wie ein kleines Kind und suche durch die Kameralinse den kleinen murmeltierartigen Höhlenbewohner. Immerhin ein wenig erkennt man ihn auf dem Foto, das ich schießen kann, bevor er Wind von mir bekommt und schnell wie eine Rakete wieder abzischt.
Nachdem wir wieder an Freddie angekommen sind, nehmen wir uns vor nochmal an den Aussichtspunkt von gestern zu fahren, an dem überdachte Picknicktische stehen. Hier möchten wir in Ruhe einen Kaffee trinken und Müsli essen, bevor wir uns zur Weiterfahrt aufmachen. Gesagt, getan, wir kommen an, ich bereite Kaffee und Müsli vor und Christian setzt sich mit Laptop und Flyern von Kristin an einen der Picknicktische und plant ein wenig weiter. Bella begleitet Christian begeistert und bekommt einen riesigen Kauknochen zur Beschäftigung.
Bei Kaffee und Müsli überlegen wir beide gemeinsam weiter, wägen ab, was wir sehen möchten an Nationalparks, Aussichtspunkten und Städtchen, die auf unserer Route liegen könnten, ohne, dass es zu viel wird. Ich gehe in Freddie und spüle schonmal und Christian gibt unserem Plan auf dem Bett den letzten Schliff. Dieser sieht nun für die nächsten Wochen folgendermaßen aus: Heute schonmal in Richtung Monument Valley zu fahren (ankommen werden wir dort heute wahrscheinlich nicht), danach dem Forest Gump Point einen Besuch abzustatten, dann Mexican Hat, Moab, Canyonland National Park, Arches National Park, Scenic Byway No. 12, Bryce Canyon, Zion National Park, Buck Skin Gulch Slot Canyon und dann Grand Canyon. Hmmmmm, ob da wohl die nächsten Tage ein bisschen Reizüberflutung auf uns warten wird?! Aber ich freue mich wie Bolle auf all die Stopps. Da bleibt uns bestimmt nicht nur einmal die Spucke weg.
Voller Tatendrang machen wir uns auf den Weg in Richtung Norden und fahren nach einiger Zeit über die Grenzen in die Navajo Nation Reservation. Dies ist das größte Indianer Reservat der Vereinigten Staaten und ist von der Größe her gleichzusetzen mit Bayern. Dieses Reservat liegt in den Bundesstaaten Arizona, Utah und New Mexiko. Sobald wir die Grenze überfahren haben, springen unsere Uhren wieder mal eine Stunde vor. Der Zeitunterschied nach Deutschland beträgt nun also wieder 8 Stunden. Ich muss ehrlich gestehen, so ganz verstehe ich das mit den Zeitzonen nicht, denn hier spielt auch die Sommerzeit eine Rolle, die in manchen Bereichen angewendet wird und in anderen nicht. Das gepaart mit der Ost-West Zeitzonen Verschiebung ist ein bisschen zu komplex für mein Hirn. Christian hat da schon ein bisschen mehr Durchblick. Ich bin dankbar für meine Smartwatch, die mir das Gedanken machen abnimmt und einfach umspringt und mir anzeigt, wie viel Uhr es gerade in Deutschland sind.
In diesem Reservat liegt auch Monument Valley, welches von den Navajo verwaltet wird und somit nicht als staatliches Schutzgebiet gelten kann. Demnach kann es kein Nationalpark sein, sondern ist ein Navajo Tribal Park. Wenn man sich mit dem Reservat auseinandersetzt, kann man sich leicht in geschichtlichen und auch aktuellen Informationen im Netz verlieren. Im ganzen Reservat wohnen aktuell 170.000 Menschen, für die es 2023 auf der gesamten Fläche lediglich 13 Lebensmittelmärkte gab. Mehr als ein Drittel der Haushalte hatte zur gleichen Zeit kein fließend Wasser und in 60% der Haushalte fehlte ein Anschluss ans Breitband Internet. Von den etwa 50.000 Gebäuden des Gebietes hatten 2023 weniger als 500 eine formale Postanschrift. Es ist schon schwer sich das vorzustellen.
Besonders für das Gebiet ist auf jeden Fall für uns, dass man nirgendwo „frei stehen“ darf, weswegen wir am Abend auf einen Campingplatz angewiesen sind. Wir fahren gegen 16 Uhr an einem Supermarkt vorbei und füllen noch einmal Milch und Äpfel auf. Danach machen wir uns auf in Richtung eines Campingplatzes in Chinle. Hier können wir dann um kurz nach 17 Uhr noch einen Platz bekommen, obwohl die Anmeldung bereits zu hat. Hier läuft die Bezahlung dann über einen Briefumschlag auf Vertrauensbasis. Über diese Möglichkeit freuen wir uns ganz schön. Wir kommen an, richten uns ein und ich mache mich ans Kochen. Christian nimmt sich eine kleine Auszeit und als wir satt und zufrieden sind, gehen wir noch eine Runde mit Bella. Hier gibt es einige Straßenhunde, die aber bei sich bleiben und nicht aufdringlich sind. Im gesamten Navajo Reservat ist der Besitz von Alkohol untersagt, wir arbeiten an dem Abend hinter Thermomatten in Freddie daran unseren Besitz von Bier ein wenig zu dezimieren und schauen eine Folge Serie.
Um elf machen wir einen Geburtstagsanruf in Oberauel, da Emma heute sechs Jahre alt wird und machen uns danach ganz gemächlich bettfertig.
Wir sind gespannt was der nächste Tag bringt.Baca selengkapnya












Pelancong
👍
Pelancong❤️
PelancongGeilomat Mexican hat, das einzige „Hotel“ damals waren mehrere 40“ Container und das Restaurant mit Indianern voll, sehr interessant
PelancongEs ist auch einfach so eine andere Welt nochmal....aber auch Amerika an sich ist einfach so anders als Deutschland 😂