Verarbeiten und Genießen
7.–8. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ⛅ 12 °C
Wir werden heute am Sonntag nach einer entspannten Nacht wach. Der Wind, der uns gestern Abend zwischenzeitlich noch ordentlich durchgeschaukelt hat, ist über Nacht gut abgeflaut. Jetzt heißt es noch so lange im Bett rumzumümmeln (hier mal wieder eine kurze Pause, um dieses schöne Wort zu genießen 😉), bis die Innentemperatur nicht mehr 10°Celsius sagt. Ich muss aber sagen, dass es sich nachts wirklich gut in Freddie aushalten lässt. Auch wenn draußen Minus Temperaturen herrschen. Solange man nicht frierend ins Bett geht, halten die Decke und unsere Wolldecke gut warm. Morgens ist es Gold wert, dass Freddie schwarz ist. So dauert es heute auch „nur“ bis halb elf, bis wir in Freddie die 20°C knacken, ohne, dass wir irgendetwas an Heizungswärme bräuchten. Es ist immerhin Sonntag, da kann man es mal genießen, so einen langen Morgen im Bettchen zu verbringen.
Um halb elf schaffe ich es dann mich aus dem Bett zu pellen und nach kurzer Zeit mit Bella aus Freddie in die frischen 16°C des Vormittags zu hopsen, während Christian Freddie tagesfein macht. Wir gehen eine entspannte zwei Kilometer Runde in dieser verrückten Natur, die Sonne scheint, es gibt keinerlei Vogelgezwitscher oder sonstige Naturgeräusche hier. Es ist einfach nur ruhig. Außer uns steht in einem guten Kilometer Entfernung ein Wagen am Aussichtspunkt, ansonsten: Nichts und Niemand auf 1900 m über dem Meeresspiegel. Die Aussicht ist nach gestern immer noch atemberaubend. Wir stehen auf dieser Klippe und das Wissen, dass nur ein paar Dutzend Meter von uns entfernt Steilklippen in den Canyon um uns herabfallen ist surreal. Aber die Aussicht genauso. Nach einem Kilometer setze ich mich und lasse all das nochmal auf mich wirken. Links auf einer Anhöhe hinter Büschen sehe ich Freddie mattschwarz in der Sonne. Schwenke ich meinen Blick nach rechts sehe ich ganz weit unten einen Teil des San Juan Rivers, der aber nach eine kleinen Windung hinter den majestätischen Höhen des ihn umgebenden Canyons verschwindet. Die Canyons in unmittelbarer Nähe, die 500 Meter unter uns liegen, gehören zum Gooseneck State Park (weil sich der Fluss durch den Canyon windet und diese aus der Vogelperspektive aussehen, wie Gänsehälse). Weit hinten am Horizont sehe ich Monument Valley. Da waren wir gestern und es sieht am Horizont so klein aus. Aber ich weiß noch, wie ameisenklein wir uns gefühlt haben, als wir dort hindurch gefahren sind. Von hier aus wirkt es ein bisschen wie eine nette kleine Gesteinsformation. Ich kann diese unfassbare Weite nicht gut verarbeiten und sitze staunend da. Das könnte ich stundenlang tun. Sitzen und in die Ferne und Tiefe starren. Faszinierend.
Nach kurzer Zeit machen Bella und ich uns auf zurück zu Christian und Freddie. Hier wartet köstlicher Kaffee und ein blitzender Freddie auf uns. Während wir den Kaffee vor uns hin schlürfen, unsere Blicke immer wieder in die Ferne schweifen und wir staunen, überlegen wir auch, was der Tag so bringen könnte. Es gibt zwei recht simple Möglichkeiten: entweder wir fahren weiter, oder wir bleiben noch eine Nacht. Keiner von uns beiden hat den dringenden Drang weiterzufahren, hier ist es super schön und morgen ist ja auch eine Sonnenfinsternis gemeldet. Wenn es hier wolkenlos ist, würden wir immerhin eine partielle Finsternis mitbekommen können. Auch die Eindrücke von gestern verarbeite auf jeden Fall ich und ich denke auch Christian noch. Ich meine, was waren das bitte für ungreifbare Naturwucher gestern.
Wenn man das so schreibt, weiß ich gar nicht, warum wir überhaupt überlegt haben weiterzufahren. Die Entscheidung scheint ja unausweichlich. Wir bleiben also noch eine Nacht und freuen uns, dass ein entspannter Rest-Tag in luftigen Höhen vor uns liegt. Tatsächlich steht auch nicht wirklich etwas wichtiges auf unserer ToDo, also schauen wir mal, was der Tag noch so bringt.
Nach kurzer Zeit fühlt Christian einfach, dass genau hier der perfekte Ort ist, um endlich mal unsere Schiebetüre ordentlich zu arretieren. Unser Vorbesitzer hat allerdings wirklich irgendetwas gewerkelt und an der Aufnahme der Führungsschiene der Schiebetüre Holzunterfütterungen eingebaut. Warum ist uns nicht klar. Die Türe schließt, allerdings nur, wenn man sie mit ordentlich Wumms zu scheppert. Also probieren wir doch einfach mal, ob Markus die Holzstücke einfach nur aus Langeweile eingebaut hat oder ob die Teile wichtig für den Schließmechanismus sind. Nach kurzer Zeit hängt die Türe sicherheitshalber durch Spanngurte unterstützt in der Angel und Christian hebt sie an, damit ich die Schrauben ohne Unterfütterung wieder fest surren kann. Es folgt noch ein bisschen Gewurschtel von Christian, während ich anfange, die gut über 150 Fotos der letzten Tage von meiner Kamera auf mein Handy zu spielen und die ebenfalls über 100 Fotos der drei Tage davor auszumisten und zu bearbeiten. Info am Rande, Fotos in der horizontalen Ausrichtung am Handy zu bearbeiten, macht wenig Sinn, während Christian testet, ob die Schiebetür nun richtig schließt oder nicht (ungefähr 10 mal in Folge). Alles in allem scheint die Tür nun leichtgängiger zu sein und Türschluss scheint auch nicht schlechter (vielleicht sogar besser) als vorher zu sein.
Die Stunden vergehen, ich bearbeite Fotos, sortiere welche aus, bestücke unsere Berichte mit Fotos und Videos und Christian liest die Berichte nochmal gegen und ergänzt seinerseits Fotos. Danach baut Christian die schon vorhandene Feuerstelle des Stellplatzes aus, gräbt eine kleine Mulde, macht sie ein bisschen windfester und zerkleinert schon mal etwas Totholz mit unserer Axt. Ich stricke und döse ein wenig und so zieht dieser herrlich faule Nachmittag vorbei. Am frühen Abend macht sich Christian mit Bella zu einer Runde auf, während ich Nudeln mit Tomatensoße vorbereiten möchte. So weit so gut, bis ich feststelle, dass wir eine Dose gestückelte Tomaten gekauft haben, für die es einen Dosenöffner benötigt. Mal wieder ein Gimmick, dass wir auf unserer Amazon Liste setzen können. Heute Abend muss ich mir aber irgendwie anders behelfen. Christian bestätigt mir kurz mit einem Anruf, als Antwort auf meine Nachfrage, ob wir einen Öffner haben, dass dem nicht so ist. Mit einem ermunternden „Pass auf dich auf, es war schön dich gekannt zu haben.“ spricht er mir sein absolutes Vertrauen in meine tollpatschigkeitsfreien Fähigkeiten aus und legt auf. Nach der Auseinandersetzung mit dem Gefro Messer vor ein paar Tagen, gehe ich extra vorsichtig an die Sache ran. Ich muss ehrlich sagen, ich bin so maximal tollpatschig, dass ich meinem Körper durchaus zutraue, dass er sich auf ungünstige Art und Weise verselbstständigen könnte. Aaaaaaber, keine Zwischenfälle beim Öffnen der Dose. Mit Taschenmesser und Küchenschere bekomme ich eine Öffnung hin (mit ein paar Tomatenspritzern hier an diese Wand und dort auf den Boden) aus der ich die stückigen Tomaten in unseren Allrounder Wok befördert bekomme.
Als Christian und Bella wieder da sind, ist das Essen fertig und wir lassen es uns bei einer Folge Outlander schmecken. Danach wird gespült und im Anschluss macht sich Christian daran das Feuer anzufachen. Um acht ist es bereits dunkel. Drinnen mache ich schonmal die Thermomatten vor die Fenster und möchte noch kurz meine Kamera durch unsere Durchreiche nach vorne ins Fahrerhaus legen. Hierfür plane ich kurz auf unsere Toilette zu steigen und mich dann auf die Küchenzeile zu knien. Schon tausendmal gemacht, aber diesmal schlägt die Tollpatschigkeit hier zu (vielleicht einfach, weil beim Kochen alles rund gelaufen ist) und ich stelle mich ein mini bisschen zu weit rechts auf das Klo, es kippt zur Seite und ich knalle mit meinem Schienbein auf die Kante. Im Van liegt glücklicherweise als Folge nur etwas Streu, aber ich ärgere mich beim Aufräumen sehr über meine Körperklausigkeit und darüber, dass mich nun über die nächste Woche wieder eine neue Beule inklusive blauem Fleck begleiten wird. Christian ist nach dem lauten Krachen nur kurz ans Fenster gekommen, hat gefragt, ob mir was passiert ist und hat sich dann weiter dem Feuer zugewandt. Ich mein, er kennts halt auch nicht anders. Selbst Bella hat sich nur hingesetzt und mir seelenruhig beim Aufräumen zugeschaut. Naja, ich schüttele meinen Frust über mich selbst ab, mache Bella noch essen und packe mich warm ein. Dann gehe ich zu Christian ans Feuer und lasse Bella in Ruhe futtern. Die nächste gute Stunde genießen wir das Feuer. Es ist super schön und ich freue mich auf alle Feuer, die noch kommen werden, aber es ist auch so ganz anders nur zu zweit am Feuerchen zu sitzen. Zu Hause ist Lagerfeuer so besonders, dass man es meist mit Freunden oder Familie an gemeinsamen Abenden bei Bierchen oder einer Feier genießt. Darauf freue ich mich auch jetzt schon wieder. Aber auch so anders und nur zu zweit unter einem tollen Sternenhimmel im ziemlich kalten Utah ist es super schön.
Nachdem alles Holz abgebrannt ist, machen wir es uns richtig gemütlich in Freddie, kuscheln uns mit Bella unter unsere Wolldecke, machen unsere kleine Indoor-Gasheizung an, mümmeln noch etwas Salzgebäck und schauen Serie.
Was ein schöner entschleunigter Tag hier wieder zu Ende geht. Zauberhaft.Læs mere












Rejsende
wow was für ein cooler Typ 😎 kann man sich als Schwiegersohn vorstellen
Rejsende
❤️😘