• Keine Sonne - keine Finsternis

    8.–9. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ☁️ 8 °C

    Gefühlt noch vor dem wach werden, klappe ich die Thermomatte um und schaue aus dem Fenster. Die Wettervorhersage hat recht behalten und der Himmel ist in ein fahles Grau getaucht. Einzig an einer kleinen Stelle ist etwas blau zu sehen – es besteht also doch noch etwas Hoffnung, dass wir heute etwas von der Sonnenfinsternis zu sehen bekommen.
    Wir sind zwar nicht mehr im Pfad der totalen Verdunklung, aber zumindest eine partielle wäre für uns unter guten Wetterbedingungen sichtbar.

    Während für alle Fleißigen in der Heimat die Arbeitswoche nach den Osterferien angefangen hat, gehen wir den Tag in aller Seelenruhe an. Nachdem mir per Benachrichtigung auf dem Handy angekündigt wurde, dass der Mond angefangen hat, sich vor die Sonne zu schieben, kommt etwas Leben in Freddie. Ich ziehe mich an, diesmal sogar mit Vans-Hoodie, und mache mich auf den Weg mit Bella. Ein erster Blick gen Himmel lässt hinter den Wolken die Sonne erkennen, immerhin etwas. Wir spazieren wieder die kleine Piste entlang. Diese soll nicht mehr befahren werden, aber wir konnten gestern in der Ferne noch zwei Fahrzeuge ausmachen, die genau das dann trotzdem gemacht haben. Ein Teil von mir kann es nachvollziehen – nochmal etwas weiter abseits zu stehen ist halt auch verlockend. Nach gut 20 Minuten laufe ich am Stellplatz des ersten Fahrzeuges vorbei. Dieses ist am Morgen schon weitergefahren, aber das noch leicht schwelende Lagerfeuer verrät den Stellplatz.
    Ich werfe ein paar Mal den Blick zum Himmel, nutze semi-professionell Handy und Sonnenbrille, aber hinter der Wolkendecke ist kaum etwas von der Sonnenfinsternis auszumachen.

    Zurück an Freddie wartet schon das Frühstück auf mich. Hanna hat eine leckere Guacamole gezaubert, dazu gibt es englische Muffins (sowas wie Toasties), Spiegelei und Cheddar. Letzterer ist mit Abstand der schlechteste Cheddar, den wir bislang in den USA gefunden/getestet haben. Dagegen schmecken die veganen Varianten aus den deutschen Supermärkten sogar deutlich besser. Aber unter reichlich Guacamole versteckt, lässt er sich dann doch gut verzehren.
    Zwischendurch schauen wir immer wieder in Richtung Himmel und mit etwas Fantasie können wir dann doch etwas erkennen. Schade, dass es nicht so wirklich funktioniert hat, wo wir schon in der Gegend waren. Die Kongs haben in Texas mehr Glück und wir bekommen später zwei großartige Fotos geschickt, die mich dann an die totale Sonnenfinsternis erinnern, die kurz vor der Jahrtausendwende in Deutschland zu sehen war. Kristin gibt später auch noch den Hinweis, dass im August 2026 eine Sonnenfinsternis in Island zu sehen sein soll. Die Information ist gespeichert – vielleicht wird Island dann ja das Ziel unseres Sommerurlaubes.

    Der Plan für den restlichen Tag ist erschreckend simpel: wir wollen bis nach Moab fahren, um dort am nächsten Tag den Arches National Park und eventuell noch den Canyonlands National Park zu besuchen. Wir verabschieden uns etwas wehmütig von dem großartigen Platz und werfen während der Fahrt zurück zum Highway noch unzählige Blicke in Richtung Horizont. Nach ein paar Meilen auf dem Highway, biegen wir spontan nach links in Richtung des Natural Bridges National Monument ab. Mit dem Nationalparkpass dürfen wir auch wir wieder ohne weitere Kosten einfahren und folgen dort einer knapp 15 Kilometer langen Route. Diese führt an drei natürlich entstanden Steinbrücken vorbei. Wir lernen auf einer der Informationstafeln, dass es trotz der optischen Ähnlichkeit Unterschiede bei der Entstehung gibt. Bridges und Arches entstehen beide durch Erosion. Arches entstehen, wenn Wind, Wasser und Eis über lange Zeiträume weichere Gesteinsschichten erodieren, während härtere Schichten intakt bleiben und eine Bogenform bilden. Bridges hingegen formen sich meist durch fließendes Wasser, das sich durch Gesteinsformationen schneidet und Durchgänge oder Verengungen schafft. Beide Formationen bieten Einblicke in die langfristigen geologischen Prozesse der Erdgeschichte und können in verschiedenen Landschaften gefunden werden, von Wüsten bis hin zu Schluchten und Küstenregionen.

    Die drei Bridges entlang des Rundweges sind sehr imposant, allerdings ist es doch schwer diese, aufgrund des bewölkten Himmels vor dem Hintergrund, gut auszumachen. Wir sind trotzdem begeistert und freuen uns noch ein wenig mehr auf den Besuch im Arches National Park am nächsten Tag. Nach dem kurzen Abstecher geht es weiter in Richtung Moab. Die Landschaft ändert sich kaum, aber immer wieder tauchen im Westen und Norden Berge auf, die noch zum Teil von Schnee bedeckt. Der Kontrast der Berge vor der unmittelbar in Rot getränkten Landschaft ist fantastisch und wir schwärmen die ganz Zeit vor uns hin. Bis zum Dorf Monticello führt der Highway immer wieder auf und ab, und am Ende haben wir in Summe vermutlich mehr als 1500 Höhenmeter zurückgelegt, als wir auf den Parkplatz eines kleinen, thailändischen Restaurants rollen. Dort kommen wir in den Genuss eines wirklich guten Essens, das eine doch sehr willkommen Abwechslung zur bisherigen amerikanischen Restaurantküche ist.

    Den kleinen Supermarkt im Dorf besuchen wir ebenso wie die Tankstelle. Nach dem Volltanken werden wir hier auch unser Abwasser los und können unseren Wassertank auffüllen. Seit dem letzten Auffüllen vor vier Tagen haben wir knapp 23 Liter verbraucht.
    Wir überlegen kurz und entscheiden uns gegen die Fahrt bis nach Moab. Nach einer kurzen Suche finden wir am Rand einer kleinen abgelegenen Straße einen Stellplatz für die Nacht. Dieser bietet uns eine wunderschöne Sicht auf den vor uns liegenden Berg, allerdings stehen wir recht exponiert und so wird unmittelbar nach der Abendrunde mit Bella die kleine Gasheizung eingeschaltet. Es wird so richtig gemütlich und wir machen uns an die Aufgabe, die Berichte der letzten beide Tage zu schreiben – da haben wir ja Einiges erlebt.

    Um kurz nach Mitternacht legen wir uns hin. Ich werfe nochmal kurz einen Blick auf das Thermometer in der Fahrerkabine. Dort sind es nur noch 5°C. Schnell unter die Decke!
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