Gespannte Bögen
9.–10. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 15 °C
So schnell wie sich Hanna heute Morgen aus dem Bett gepellt hat, kann ich gar nicht gucken. Ein paar Augenblicke später sind die beiden Damen unterwegs und ich werde erstmal richtig wach. Meine Nase ist in den letzten Tagen etwas verstopft und so gönne ich mir noch einen Sprühstoß vom Nasenspray aus dem Walmart. Dieses ist gefühlt 10x stärker dosiert als die europäische Variante und zudem noch mit ätherischen Ölen versehen. Mein Gesichtsausdruck nach dem Sprühen könnte wahrscheinlich die Einnahme von harten Drogen vermuten lassen.
Wieder zur vollen Sauerstoffaufnahme befähigt, komme ich dann auch schnell aus dem Bett und kümmere mich um die übliche Morgenroutine – heute erweitert um das Vorbereiten eines Müslis. Nach der Rückkehr von Hanna und Bella machen wir uns flugs abfahrbereit und rollen zurück auf den Highway. Hier ist ordentlich Verkehr und die Dichte an Wohnmobilen und anderen Übernachtungsfahrzeugen nimmt deutlich zu.
Nach einer knappen Stunde rollen wir durch das touristische Moab und saugen die irgendwie süße Atmosphäre in uns auf. Hier gibt es kaum hohe Gebäude und die meisten haben zumindest eine Holzfront. Wir sind etwas hin und her gerissen, ob wir stoppen sollen – fürchten aber, dass wir an einem der FoodTrucks oder Cáfes stoppen und das Müsli dann im Kühlschrank versauern würde. Dank dieser vernünftigen Entscheidung erreichen wir 15 Minuten später die Zufahrt des Arches National Park. Neben dem Erwerb einer Eintrittskarte (oder einem vorhandenem Nationalparkpass) muss hier auch ein Zeitslot vorab gebucht werden. Für jede Stunde zwischen 7-16 Uhr gibt es davon knapp 200, wir hatten aber kein Problem kurzfristig einen Slot zu bekommen. Nach der Einfahrt dürfen wir uns dann auch beliebig lange im Nationalpark aufhalten.
Am Besucherzentrum vorbei geht es erstmal eine gewundene Straße nach oben, ähnlich einem Pass. Da der gesamte Park relativ übersichtlich ist, entscheiden wir uns, ihn einmal komplett abzufahren. Zunächst geht es aber erstmal auf einen kleinen Parkplatz und wir frühstücken das Müsli in aller Ruhe. So frisch es heute Nacht auch war, gerade ist es in der Sonne schon wieder angenehm warm. Während es in Texas zwischenzeitlich gestürmt hat und wir in New Mexico ein paar Regenschauer abbekommen haben, ist es hier ansonsten – abgesehen vom kurzen Schneeregen in Kayenta – doch sehr trocken. Utah liegt im sogenannten "Regenschatten" westlicher Gebirgsketten, einschließlich der Sierra Nevada und der Rocky Mountains. Wenn feuchte Luft vom Pazifischen Ozean landeinwärts strömt, wird sie an diesen Gebirgen aufgestaut und verliert einen Großteil ihrer Feuchtigkeit, bevor sie Utah erreicht.
Mit dem Wissen, dass sich die Wetterverhältnisse spätestens nach Nevada deutlich ändern werden, nehmen wir gerne so viel Sonne mit, wie es nur geht. Unsere Haut zeigt zwar unterschiedliche Varianten der Sonnenbräune, aber vermutlich waren wir noch nie zuvor so gebräunt.
Der Park hat die meisten Steinbögen der Welt aufzuweisen, über 2000 davon sind dokumentiert. Wir fahren zunächst in Richtung des Devil Garden und können entlang der Strecke insgesamt fünf größere und bekannte Steinbögen bewundern. Im Park ist richtig viel los und gerade an den Aussichtspunkten stauen sich die Menschen. An jedem dieser wird darauf hingewiesen, dass die Steinbögen nicht bestiegen bzw. begangen werden dürfen. Ich frage mich, ob es diesen Hinweis schon immer gegeben hat, oder ob dies erst durch Social Media erforderlich wurde.
Die Steinbögen sind in jedem Fall beindruckend und faszinierend. Schon verrückt, dass die Gewalt der Natur solche wunderschönen Strukturen hervorbringt (und noch viel verrückter, dass wir als Menschen in solchen Strukturen „Schönheit“ erkennen).
Wir sind beide heute nicht in großer Spazier- bzw. Wanderlaune und bei Hanna kommt zudem noch akute Müdigkeit dazu. Die letzten Nächte hat sie zwar durchgeschlafen, fühlte sich dann aber doch am Tag nicht komplett fit. Wir vermuten, dass es ein wenig an der Höhe liegt, können das aber natürlich erst später „beweisen“. Auf dem Rückweg vom Devil Garden halten wir am Fiercy Furnace Aussichtspunkt. Von dort haben wir eine großartige Sicht auf die faszinierende und einzigartige Landschaft des Arches National Park, die sich durch enge Schluchten, versteckte Höhlen und labyrinthartige Felsformationen auszeichnet. Diese unberührte Wildnis ist eines der anspruchsvollsten und abenteuerlichsten Gebiete im Park und kann nur mit einem erfahrenen Führer oder einer speziellen Genehmigung erkundet werden. Die Formationen im Fiery Furnace sind das Ergebnis von Millionen Jahren der geologischen Erosion, die tiefe Kluften und scharfe Kanten in den roten Sandstein gemeißelt hat.
Mit den ersten Eindrücken dieser tollen Landschaft legt sich Hanna für ein Nickerchen auf das Bett und ich kümmere mich mal wieder um eine Bestellung im Internet. Auch wenn es bis zum Geburtstag von Hanna noch etwas hin ist, haben wir entschieden, dass ihr Geburtstaggeschenk dieses Jahr vorgezogen wird. Zwei weitere Objektive (eines davon als Geschenk) für die Kamera werden bestellt. Das erste für Weitwinkelaufnahmen, um die Natur einfach besser einfangen zu können. Das zweite dagegen ist ein Teleobjektiv, um Details in der Ferne mit der Kamera heranholen zu können. Gleichzeitig wird auch noch rückwirkend mein Geburtstagsgeschenk bestellt: eine 360° Kamera mit starkem Fokus auf Videoaufnahmen. Verständlicherweise ist das Fliegen von Drohnen in den Nationalparks und in vielen anderen Schutzgebieten verboten, so dass ich mir von der 360° Kamera verspreche, trotzdem etwas von der Schönheit der Gebiete in Bewegung aufzeichnen zu können.
Wir planen einen kleinen Umweg ein, um die Bestellung (über-)morgen im nördlich gelegenen Spanish Fork abholen zu können.
Nachdem sich Hanna, wieder gestärkt, vom Bett erhoben hat, fahren wir zum Delicate Arch. Seine markante Form und seine majestätische Präsenz machen ihn zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Utah. Mit einer Spannweite von etwa 20 Metern und einer Höhe von rund 16 Metern ragt der Delicate Arch über einem steilen Abhang empor und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegende Wüstenlandschaft. Um den Delicate Arch zu erreichen, müssten wir eine knapp 3,5 km lange Wanderung (eine Richtung) unternehmen – Hunde sind wie so oft und immer noch mit vollem Verständnis – nicht gestattet. Bella bei dem Wetter für mehr als 90 Minuten im Auto zu lassen, ist auch keine Option. Zum Glück gibt es den Delicate Arch Aussichtspunkt, von dort lässt sich der Steinbogen auch einigermaßen gut sehen. Leider ist ein Wanderpfad der uns etwas näher gebracht hätte gesperrt, so dass wir den Steinbogen nur aus der Ferne sehen können. Wir können aber auch sehr, sehr viele Menschen ausmachen, die sich um den Steinbogen herumbewegen und sind dann doch auch ein wenig froh, um die Menschenmassen herum zu kommen.
Schon gut gesättigt von Eindrücken, machen wir uns auf zu den nächsten markanten Punkten des Nationalparks, die in der „The Windows“ Sektion liegen. Südlich vom dortigen Parkplatz liegen zwei Bögen, die wir nur aus der Ferne betrachten – es ist einfach zu überlaufen. Kurz vor uns haben auf dem Parkplatz zwei große Reisebusse Halt gemacht. Wir entscheiden uns für den kurzen Fußweg zum nördlichen Double Arch, einem doppelten Steinbogen, der uns dann auch für die nächsten zwanzig Minuten absolut in seinen Bann zieht. Wenn man sich dem Double Arch nähert, sieht man zwei massive Steinbögen, die sich über dem Wüstenboden erheben. Diese Bögen sind miteinander verbunden und bilden eine einzigartige Formation, die man sonst nirgendwo auf der Welt findet. Die Umgebung des Double Arch ist von roten Felsen und skurrilen Felsformationen geprägt, die eine imposante Kulisse für die beiden Bögen bilden.
Mittlerweile sind wir vollkommen erschlagen von den ganzen Eindrücken, haben aber die meisten Aussichten im Park auf uns wirken lassen. Gegen halb sechs verlassen wir den Park nach mehr als fünf Stunden und machen uns auf dem Weg zum Stellplatz. Vom Highway, der durch Moab führt, ist der Canyonlands National Park noch mehr als 40 Kilometer entfernt. Wir wählen einen Stellplatz, der die Entfernung halbiert und kommen dort eine gute Stunde vor dem Sonnenuntergang an. Inmitten einer wunderschönen Aussicht spazieren wir zwischen freilaufenden Kühen umher. Während Bella die ganzen Gerüche wie ein Schwamm in sich aufzunehmen scheint, lassen wir den Tag noch etwas auf uns nachwirken.
Es wird – wie fast immer – ein sehr gemütlicher Abend in Freddie. Nicht zuletzt, weil Hanna eine fantastischen Kartoffelpfanne zaubert.Læs mere


















Rejsende
Geiles Foto
RejsendeSehr schöne Bilder ❤️