• Ein Auf und Ab

    10.–11. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 16 °C

    Nach dem Tag am Arches National Park war ich ziemlich früh im Bett und habe seit längerer Zeit mal wieder so richtig gut und richtig tief geschlafen. Dementsprechend wache ich um einiges energiegeladener als die letzten Tage und genauso gut gelaunt auf. Der Tag kann kommen und nach einer kleinen Morgen-Kuschelrunde, hopst Christian mit Bella los und ich bereite eine Runde Kaffee in unseren Thermobechern vor, nachdem Freddie in frischem Morgenglanz erstrahlt.

    Wir stehen hier auf BLM Land. Das Bureau of Land Management ist eine Behörde, die das öffentliche Land der Vereinigten Staaten verwaltet. Es gibt immer noch ein Drittel der USA, die als Public Land gelten. Land, das allen gehört und für jeden nutzbar ist. Hört sich ein wenig schwammig an und ist auch etwas komplex zu greifen, denn auch Naturwunder und Nationalparks werden dazu gezählt. Auf bestimmten Bereichen dieses Landes kann man aber umsonst mit dem Camper übernachten (in Nationalparks natürlich nicht 😉). Theoretisch könnten wir in bestimmten Bereichen mit Freddie querfeldein fahren und uns da hinstellen, wo wir es zu dem Zeitpunkt am schönsten finden. Eigenartige Vorstellung. Hier in der Nähe des Nationalparkes stehen extra Infotafeln vom BLM, die erläutern, wo man umsonst stehen kann -> hier sind ein paar Camp Areas ausgeschildert, von denen wir eine mit fantastischem Blick gestern abends für uns genutzt haben. Auch wenn man hier nicht allein steht, ist man relativ gerade ausgerichtet, steht umsonst, hat eine Feuerstelle vor der Haustür und Kühe im Garten.

    Heute wartet der Canyonlands Nationalpark auf uns. Dieser liegt gefühlt nur einen kleinen Steinwurf vom Arches entfernt. Der Colorado River und der Green River haben in dem 1366 km² großen Gebiet tiefe Canyons in das Colorado Plateu geschnitten, die man hier bestaunen kann. Der Park ist, recht untypisch, in verschiedene Bereiche aufgeteilt, die jeweils verschiedene Zufahrten haben. Die Parkbereiche heißen „The Needles“, „The Maze“ und „Island in the Sky“. Wir haben in der Nähe der „Island in the Sky“ geparkt und werden heute diesen Teil erkunden. Zu „The Needles“ würden wir von diesem Stellplatz aus mit dem Auto noch mal zwei Stunden brauchen. „The Maze“ ist mit dem Auto über 6 Stunden entfernt (um sich eine Vorstellung davon zu machen, wir riesig das Gebiet ist). Dadurch, dass die Canyons nicht einfach so zu überwinden sind, macht es Sinn entweder seeeehr viel Zeit dafür einzuplanen, alle Bereiche erkunden zu können, oder sich halt wie wir für eines zu entscheiden.

    Wir fahren also mit Thermobechern bewaffnet zur Island in the Sky. Es handelt sich um eine Hochebene, von der aus man grandiose Aussichten haben soll. Als wir am Visitor Center vorbeigezogen sind, fühlen wir uns teilweise, als würden wir gleich hinter der nächsten Anhöhe von der Erde plumpsen. Erreicht man diese und fährt über die Kuppe, erstrecken sich vor einem mal wieder Weiten, die man weder mit Worten erklärt, noch mit Blicken verarbeitet bekommt. Wahnsinn, diese tiefen Schluchten, abgebrochenen Steilklippen, die Weite und ganz am Ende des Horizonts schneebedeckte Bergketten.

    Durch den Parkbereich führen insgesamt „nur“ 27 Kilometer asphaltierte Straße, die an verschiedensten Wanderungs-Startpunkten und an unterschiedlichen Aussichtspunkten vorbeiführen. Der Park ist gut besucht und teilweise sind die Parkplätze ganz schön vollgeparkt, so dass wir zunächst an den südlichsten Zipfel fahren, und uns dann auf dem Rückweg noch einzelne Aussichtspunkte anschauen wollen.

    Am „Grand View Point Overlook“ angekommen, schnabulieren wir noch jeder eine Banane und watscheln dann eine schöne 3 km Runde zum Aussichtspunkt. Es sind eigentlich „nur“ 17° C. Durch die Sonne und ein laues Lüftchen fühlt es sich aber angenehm warm an. Das Beste an diesem Wetter ist, dass Bella entspannt eineinhalb Stündchen in Freddie bleiben kann und es nicht wärmer als 25° C in unserem zu Hause wird. Der volle Parkplatz spiegelt herrlicher Weise nicht wider, wie voll es auf dem Trail ist. Viele Besucher hopsen kurz aus dem Auto, machen an der Balustrade ein Foto und fahren dann weiter. Die Menge, die sich doch für den Trail entscheidet, verläuft sich ganz gut auf der Strecke. Es ist super Wetter, der Himmel ist blau, ein kühlendes Lüftchen weht und die Natur ist einfach fantastisch. Klar, trocken, felsig, sandig aber doch einfach auf seine Art superschön. Hier oben wächst auch hier und da ein Baum und Christian entdeckt mit seinem Tier-Scanner-Blick insgesamt drei Mini-Geckos.

    Ich denke auf dem Rückweg ein wenig daran, dass sich die Grafik Designer der Zelda Konsolenspiele, hier an dieser Art von Natur bestimmt ein paar Inspirationen mitgenommen haben müssen und stelle mir vor, wie es wäre mit einem sich selbst entfaltendem Paraglider von den Steilklippen eine Etage tiefer zu fliegen, um dort die Natur erkunden zu können. Um danach dann mit der Unterstützung der Titanen-Macht Rivalis Sturm und ein paar Kletter-Hopsern (untermalt von den „hua, hua, hua“ Anstrengungslauten) die 300 Meter hohe Steilwand wieder hochzukommen.

    Wieder an Freddie angekommen lugt uns Bella aus müden Äuglein vom Bett herab an und klopft nur verzögert mit ihrer Rute als Zeichen der Anerkennung, dass wir unseren Weg zu ihr zurückgefunden haben. Man merkt mittlerweile immer öfter, dass die Süßwurst schon 10 Jahre alt ist. Sie ist super zufrieden damit in Freddie gemütlich ihre Schläfchen abzuhalten, während wir uns bewegen. Nach einer kleinen Bella Kuschelrunde steigen wir wieder ins Fahrerhaus und zuckeln langsam zurück Richtung Norden durch den Park. Einen Abzweig nehmen wir in Richtung der Aussichtspunkte Whale Rock und Upheaval Dome. An zweiterem angekommen, möchten wir noch einen Overlook mitnehmen, zu dem es knapp über zwei Kilometer zu Fuß sind. Hier versteckt sich eine Aussicht, die sich von den restlichen des Parkes abhebt. Man weiß nicht genau, wie sie entstanden ist. Es handelt sich um ein riesiges 400 m tiefes kraterähnliches Loch, das einen Durchmesser von 1,5 km hat. In diesem Krater erheben sich dann aber grünliche Steinberge. Geologen untersuchen seit Jahrzehnten verschiedene Entstehungshypothesen, die von einer erodierten Salzstruktur oder einem Meteoriteneinschlag ausgehen. Festlegen, wie diese besondere geologische Formation entstanden ist, kann man bis heute nicht sicher.

    Als wir am Outlook angekommen sind bleibt uns beiden die Spucke weg. Die Aussicht ist gigantisch, wir fühlen uns winzig und das Naturschauspiel lässt sich mit der Kamera leider nicht festhalten, weil es einfach zu groß ist, um es auf die Linse zu bekommen. Tief beeindruckt, machen wir uns auf den Rückweg. Angekommen an Freddie zaubert Christian und belegte English Muffins (ein wenig vergleichbar mit Toasties), die wir in Freddie genießen.

    Wir zuckeln noch ein wenig durch den Park, halten hier und dort und machen uns dann dankbar für die wundervollen Eindrücke, die spannenderweise so anders sind als die des 40 km entfernten Arches Nationalparks, auf den Weg in Richtung des 3 Stündchen entfernten Spanish Fork. Christian hatte ja bereits geschrieben, dass wir dorthin mal wieder eine, diesmal ganz schön wertvolle, Amazon Fracht hinbestellt haben.

    Die Strecke ist toll, wir fahren einfach drauf los und waren uns im Vorhinein überhaupt nicht bewusst, dass wir auf dem Weg in Richtung Utah-See durch die Wasatch-Gebirgskette fahren, die ein Teil der Rocky Mountains ist. Es geht ordentlich nach oben, am Straßenrand liegt noch etwas Rest-Schnee und wir passieren mehrere Buchten, die als „Schneeketten-Aufzieh-Buchten“ ausgeschildert sind.

    Während wir ungefähr auf 2000 Höhenmetern durch die Berge röhren, fragt mich Christian, ob ich mal nachschauen könnte, was denn wohl die Kontrollleuchte bedeuten könnte, die grade angegangen ist. 🥴 Nach ein wenig Recherche, wissen wir, dass es der Luftfilter ist. Der ist zwar letztes Jahr in der Inspektion ausgetauscht worden, allerdings sind wir ja nun auch seit einiger Zeit in "Staubistan von Staubanien" unterwegs. Außerdem vermutet Christian, dass die doch recht ordentliche Höhendifferenz unseres heutigen Weges, die Sensoren im Luftfilter zusätzlich beeinflusst haben könnten. Wir kommen auf jeden Fall unbeschadet nach Spanish Fork und werden die Recherche, was wir am besten mit der Situation anfangen sollen, weiter im Blick haben

    Gegen 19:30 Uhr stoppen wir an einem kleinen Wanderparkplatz sofort am Beginn Spanish Forks und drehen eine große und richtig schöne Bella-Runde im Sonnenuntergang.

    Danach geht es in Richtung Innenstadt und wir sind ganz schön baff, wie riesig Spanish Fork ist. Wir befinden uns hier nur 70 Meilen von Salt Lake City entfernt und vermuten, dass hier eventuell auch einige Pendler wohnen. Christian hat im Vorhinein geschaut, mit welcher Art von Burgerkette wir uns nach einem so bewegungsreichen Tag am ehesten belohnen können und freut sich während der Fahrt schon wie ein kleines Kind. In Spanish Fork gibt es einen In’N’Out Burgerladen, der uns im Vorhinein von Jan-Philipp und Daniel und auch während unserer Reise von einigen Bekannten intensivst angepriesen wurden. Unser nächstes Ziel ist also klar und wir genießen, die köstlichen Pommes und wirklich sehr guten Burger in vollen Zügen.

    Danach stoppen wir noch beim Amazon Locker, holen dort unsere Pakete ab und fahren weiter bis zum Cracker Barrel Parkplatz, den wir uns im Vorhinein als Bleibe für die Nacht ausgesucht hatten. Hier feiern wir Bescherung und fühlen uns wie fünfjährige Kinder an Weihnachten. Ausprobiert werden Objektiv und 360° Grad Kamera natürlich auch sofort und der Abend vergeht wie im Flug. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen noch Berichte zu schreiben, schieben dies allerdings auf den nächsten Tag und fallen glücklich und zufrieden ins Bett. Was ein toller, ereignisreicher und spannender Tag.
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