Und sie baumelte
Apr 13–14, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 19 °C
Nach einer deutlich längeren Nacht werden wir am Sonntagmorgen ganz entspannt wach. Der obligatorische Blick auf die Wettervorhersage offenbart für die Fahrt entlang am Scenic Byway und den Bryce Canyon nichts Gutes, so dass wir entscheiden noch eine weitere Nacht hier zu bleiben – der nächste fixe Termin ist erst am Dienstagabend der Stellplatz am Zion National Park.
Mit dem spontan gewonnen und unverplanten Tag, drehen wir uns alle noch einmal im Bett um und verlängern die doch recht kurze Nacht. Im Halbschlaf überlege ich, wie und was am heutigen Tag noch getan werden kann. Bevor ich meine Gedanken aber sortiert habe, erklärt Hanna die Nacht für beendet und lädt mich zu Kaffee und English Muffins mit Salat und dem guten Brie ein. Es dauert keine zwei Minuten, bis ich wie aus dem Ei gepellt am Esstisch sitze. Beim Frühstück schauen wir eine Folge Outlander und genießen dabei immer wieder die grandiose Aussicht draußen. Mit jedem Bissen merke ich, wie sehr ich guten Käse vermisse und wie gesegnet wir in Deutschland bzw. Europa sind, Käse blind im Supermarkt kaufen zu können und dabei immer etwas besseres zu erhalten als hier.
Nachdem schon Müßiggang den Morgen dominiert hat, setze ich meine Gedanken aus dem Halbschlaf fort. Immer wieder stolpern meine Gedanken über den Endgegner meiner Motivation: die Standheizung (hier bitte dramatische Musik vorstellen). Ein Teil von mir sucht in Gedanken fast verzweifelt nach alternativen Beschäftigungen, aber ich merke, dass mein Unterbewusstsein schon die Entscheidung getroffen hat und ich irgendwann später unter dem Auto liegen werden. Bis dahin kann ich das Ganze zumindest etwas verzögern und setze mich erstmal an Laptop bzw. Tablet und aktualisiere unser Serien- und Filmportfolio. Es gibt so ein gutes Dutzend (vermeintlicher) Klassiker, die mich durch meine Jugend begleitet haben und die ich gerne mal wieder sehen will: Der Gladiator, Der Patriot, Blade, From Dusk Till Dawn um nur ein paar zu nennen. Während ich mit dieser Aufgabe beschäftigt bin, tippt Hanna „fröhlich“ einen Bericht und wir beobachten beide immer wieder Bella.
Letztere macht zwar kurz ein kleines Geschäft, weigert sich aber wirklich einen Haufen in den „Garten“ zu setzen. Dabei wirkt sie alles in allem aber ganz entspannt und glücklich im neuen Territorium. Während beide Geräte gut damit beschäftigt sind alle möglichen Filme, Serien und Updates herunterzuladen, habe ich ein Erbarmen mit dem Fellknäul und spaziere mit ihr los. Nach gut 100 Metern wird dann auch direkt der erste Haufen gemacht. Anti-Heimscheißerin.
Hanna hat gestern auf der Runde mit Bella ein Schild am Wegesrand gesehen und bis dort ungefähr will ich auch laufen. Nach gut einer halben Stunde wird mir aber klar, dass ich das Schild übersehen haben muss und viel weiter als beabsichtigt gelaufen bin. Allerdings bin ich im Abenteurer-Modus und frage mich bei jeder Kurve auf dem Waldweg, was mich dort wohl hinter dieser erwartet. Nach einer Weile höre ich ein Rauschen, dass mit jedem Meter lauter wird, und ich versuche den dazugehörigen Fluss auszumachen. Es dauert aber noch gut zehn Minuten, bis ich diesen ausmachen kann. Dort angekommen, trinkt Bella erstmal ausgiebig und ich stecke meine blanke Birne in das eisige Wasser – herrlich!
Nach ein paar weiteren Minuten drehen wir dann um, da ich Hanna angekündigt hatte nur eine wirklich kleine Runde zu drehen. Zwar verselbstständigen sich ihre Unglücksgedanken äußerst selten, aber ich möchte das Ganze auch nicht dadurch provozieren, dass ich noch eine Stunde weiter vor mich her stapfe. Wir zwei Entdecker kommen zufrieden zurück bei Freddie an. Hanna ist ganz entspannt und hört sich die Neuigkeiten des entdeckten Flusslaufes an. Auch wenn ich mich heute auf bereits ausgetretenen Pfaden bewegt habe, ist es ein wundervolles Gefühl, sich so in der Natur treiben lassen zu können. Wie da dann wohl erst die Weite Kanadas sein wird?
Nach einem kleinen Päuschen krame ich meine Sieben-Werkzeugsachen zusammen und lege mich für eine erste kleine Inspektion unter den Wagen. Der elektrische Anschluss der Dieselpumpe geht dann recht schnell von der Hand, auch wenn ich immer wieder damit zu kämpfen habe, dass ich leicht abschüssig unter dem Auto in trockener, sandiger Erde liege.
Für die Montage von Frischluft- und Auspuffleitung baue ich dann noch die Verkleidung der Trittstufe habe, entferne dort erstmal den ganzen roten Utah-Staub und habe dann relativ fix ein paar Löcher gebohrt und alsbald die Frischluftleitung verlegt.
Etwas länger muss ich beim Verlegen der Auspuffleitung überlegen. Diese wird ziemlich heiß und ein geschmolzener Dieseltank bzw. Reifen ist das letzte, was wir brauchen. Nach ein paar Versuchen habe ich dann auch die optimale Position gefunden und dabei so gut es ging die Einbauvorschriften eingesammelt.
Mittlerweile wackelt und schaukelt der Bus ein wenig vor sich hin, denn Hanna bereitet unser Abendessen vor. Es gibt Bergkäsesalat mit Sellerie und Walnüssen. Seitdem wir diesen das erste Mal auf dem Geburtstag meiner Patentante Pretra 😉 vor knapp sechs Jahren entdeckt haben, gehört er mit zu unseren Lieblingssalaten.
Passend zum Sonnenuntergang war dann auch die Arbeit getan und ich habe mich gefragt, warum ich überhaupt wegen der knapp vier Stunden innerlich so ein Riesenfass aufgemacht habe. Beim ersten Einschalten der Standheizung wird kein Fehler angezeigt und ich vertrage das Testen dann auf später. Hanna hat eine ganze Menge Totholz gesammelt, so dass das Entzünden des Lagerfeuers auch schnell funktioniert. Danach wird erstmal das Werkzeug von Staub und Dreck befreit und provisorisch in der Fahrerkabine deponiert.
Wie gestern haben wir dann am Lagerfeuer gefuttert, Bierchen getrunken und die Natur um uns herum auf uns wirken lassen. Auch wenn es mittlerweile fast zum Alltag gehört, in solch schönen Umgebungen zu sein, ist es für uns keine Selbstverständlichkeit und wir können jeden Platz, an dem wir stehen mit seiner jeweiligen Schönheit bzw. Besonderheit genießen.
Als das Feuer dann gegen Mitternacht ordnungsgemäß gelöscht war, habe ich dann noch versucht die Standheizung ans Laufen zu bekommen. Während ich parallel dazu noch das Werkzeug in die dazugehörigen Kisten verräumt habe, war deutlich der Lüfter der Standheizung zu hören. Von Wärme aber keine Spur. Ein Blick in die Bedienungsanleitung hat dann geholfen von den Modus von Lüften auf Heizen umzustellen. Nach zwei weiteren Startvorgängen (Dieselleitung musste erstmal vollwerden) strömte dann auch endlich die warme, fast heiße Luft aus dem Luftverteiler. Da die Heizung beim ersten Starten für mindestens eine Stunde laufen sollte, konnten wir dann auch direkt beobachten, wie schnell und wie sehr die Heizung für Wärme in Freddie sorgt.
Gegen halb zwei am frühen Morgen habe ich die Heizung dann nach etwas über einer Stunde Laufzeit ausgeschaltet. Bei angenehmen 26 °C war ich entsprechend auch nur noch im Adamskostüm unterwegs.Read more












Traveler
😎
Traveler
noch müde
Traveler
Super Ausrüstung 👍