Zion National Park!
Apr 16–17, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 19 °C
Die erste Amtshandlung des Tages ist heute Morgen das Einschalten der Standheizung. Die Temperaturen an unserem Stellplatz in der Nähe des Bryce Canyon sind heute Nacht auf knapp -3 °C gesunken. Ohne großen Wind, der den Wagen noch weiter ausgekühlt hat, sind wir dann bei 7 °C wach geworden – immerhin! Dank der Standheizung erhöht sich die Temperatur dann auch zügig, wird zweistellig und nach etwas über einer Stunde sind es dann auch „schon“ über 22 °C in Freddie. Auch wenn ich nur in Shorts in der Küche stehe, macht mir die Temperatur irgendwie nicht viel aus und so bereite ich den Kaffee vor.
Die steigenden Temperaturen erwecken auch Hanna und nachdem ich ein paar ihrer Kleidungsstücke am Auslass der Standheizung „aufgetaut“ habe, werden diese auch bereitwillig angezogen. Im und auf dem Bett sitzen bringt Hanna das akrobatische Kunststück fertig, dass Bett umzubauen und zu machen, während sowohl sie selbst und der Hund in diesem sind. Chapeau! Ich habe mir in der Zwischenzeit die in Alufolie verpackte Pizza von gestern geschnappt und Wärme diese in einer großen Auflaufform auf dem Gaskocher auf. Nach ein paar Minuten fängt diese an köstlichst zu duften.
Beim Frühstück bekommen wir am Telefon Gesellschaft von Moritz der ein wenig Sehnsucht nach Bella und uns hat. Während der nächsten halben Stunde quatschen wir mit ihm und Jenny, leisten ihm Gesellschaft auf dem Spieleteppich im Kinderzimmer und führen mit der Granate ein paar sehr witzige Dialoge. Nachdem Pizza sowie Kaffee leer sind und Moritz‘ Telefonlust erloschen ist, gehe ich mit Bella los.
Im Licht der Sonne sieht der Wald viel einladender und freundlicher aus und nach ein paar Minuten ziehe ich mir auch meine Jacke aus. Es geht kein Wind und in der Sonne lassen sich die knapp zehn Grad auch gut aushalten. Nach ein paar Minuten biege ich an einer Kreuzung im Wald ab. Gestern hätten wir hier auch noch abbiegen können, um einen Stellplatz zu finden, aber im Dunklen sah der Pfad nicht einladend aus. Schade, dass wir bzw. ich nicht dorthin abgebogen bin: ein süßer kleiner Stellplatz hätte uns belohnt. Schlecht haben wir aber auch so heute Nacht nicht gestanden.
Gegen Mittag fahren wir los, knapp zwei Stunden sind es bis zum Besucherzentrum des Zion National Park. Auf der Fahrt dahin fahren wir durch zwei Steinbögen, irgendwie simpel aber schon wieder spektakulär. Die Fahrt bis zum östlichen Eingang des Nationalparks ist für sich genommen atemberaubend schön, allerdings muss ich mich jetzt beim Schreiben, etwas über 24 Stunden später, schon sehr anstrengen mich an Details zu erinnern. Dafür waren die Eindrücke im Nationalpark einfach zu beeindruckend.
Das Grau des Highways wechselt kurz vor dem Park in ein tiefes, fast braunes, Rot und so fügt sich die Straße doch ziemlich gut in die Landschaft ein. Eine sehr kurvige Straße führt für ein paar Meilen durch den Park, ausnahmslos alle Parkbuchten an den Aussichtspunkten sind komplett belegt und es geht ein wirklich ordentlicher Verkehr auf der Straße. So gut es geht, blenden wir das aus und genießen erstmal beim Fahren den Blick auf eine markante geologische Formation, die als "Checkerboard Mesa" bekannt ist. Diese Formation besteht aus horizontalen und vertikalen Rissen, die das Gestein in regelmäßige quadratische oder rechteckige Muster aufteilen, ähnlich einem Schachbrett. Diese Risse entstehen durch Erosion und die natürlichen Kräfte der Witterung über lange Zeiträume hinweg. Die einzigartige Struktur und die markanten Muster sind faszinierend – sowas haben wir beide noch nicht gesehen.
Wir passieren den ersten, kurzen Tunnel des Parks, der einfach durch das rote Gestein führt und kommen wenig später am zweiten Tunnel an. Dieser ist knapp 2 Kilometer lang und nicht für alle Fahrzeuge passierbar. Fahrzeuge ab einer bestimmten Größe brauchen eine Genehmigung und sobald diese an einem der Eingänge ankommen, wird der ansonsten zweispurige Tunnel zu einer Einbahnstraße und der Gegenverkehr muss warten. Warten müssen auch wir erst einmal und nach knapp zehn Minuten geht es dann auch weiter in den stockfinsteren Tunnel.
Mittelgroße Öffnungen lassen beim Durchfahren erahnen, was uns am Ende erwartet, und so sind wir beide etwas vorbereitet, aber dennoch vollkommen sprachlos, als wir auf der anderen Seite angekommen sind. Die große Schlucht ist schwer in Worte zu fassen und es gibt auf der Fahrt bis nach unten so unglaublich viel zu sehen und zu entdecken. Wir sind beide begeistert und auch von all dem etwas reizüberflutet. Auf dem dauerhaften Gefälle gilt es auch ein paar Mal abrupt zu bremsen, als spontan Fußgänger über die anscheinend unsichtbaren Zebrasteifen laufen. Unten angekommen fahren wir weiter in Richtung des Campingplatzes und erreichen dann unseren Platz nach einem kurzen Austausch mit dem Ranger.
Wir sammeln uns beide und entscheiden, erstmal etwas abzuwarten. Der Besucherparkplatz war fast komplett gefüllt und die Schlangen im Shuttle-Bus auch recht lang. Shuttle-Bus? Mit steigenden Besucherzahlen in den 1990er Jahren, musste der Park eine Lösung finden, um mit den damals knapp 5000 Fahrzeugen am Tag umzugehen. Eine der Hauptattraktionen, die Straße in den Zion Canyon, ist seit 1999 in der Hauptsaison für Privatfahrzeuge gesperrt und alle Besucher müssen daher mit einem der kostenlosen Shuttlebusse verkehren. Wir finden, dass das eine super Idee ist. Allerdings haben sich die Besucherzahlen in den letzten 25 Jahren mehr als verdoppelt und dies führt unweigerlich zu langen Wartezeiten an den Busstationen von zum Teil weit mehr als zwei Stunden.
Erstmal Spazieren wir mit Bella aber den Pa'rus Trail entlang, der einzige Weg der Hunde erlaubt. Die Reihen der Besucher haben sich mittlerweile schon gelichtet, allerdings kommen uns im Minutentakt dicke E-Bikes entgegen – kaum vorzustellen, wie das im Laufe eines kompletten Tages sein muss. Der Rückweg ist deutlich entspannter und die Anzahl der Radfahrer ist auf ein gutes Dutzend zurück gegangen. Wir können aber sowohl den Hin- als auch den Rückweg genießen. Der Weg folgt dem Verlauf des Virgin River und ist links und rechts eingefasst von steilen Felskanten, an den sich die verschiedenen Gesteinsschichten sehr gut erkennen lassen.
Auf dem Rückweg macht Hanna eine ausgiebige Fotosession mit ein paar Maultierhirschen. Während wir uns anfänglich noch über die scheinbar besondere Sichtung freuen, merken wir am Campingplatz, dass auch diese Tiere nicht doof sind. In der Nähe der schweinischen Menschen fällt in der Regel immer etwas zu Essen herunter.
Zum Abendessen gibt es mal wieder leckere Guacamole, dazu den guten Brie, Spiegeleier und Gurken und Laugenburgerbrötchen, die wir im Supermarkt als "Bavarian Buns" entdeckt haben.
Während Hanna all das vorbereitet, plane ich den morgigen Tag. Ein Stopp der Buslinie ist gesperrt, an einem weiteren Stopp ist das Überqueren in Richtung des Wanderweges nicht möglich. Wir sind beide hin- und her gerissen. Der Entdeckerdrang auf der einen Seite, steht hohen Temperaturen mit Blick auf das Verbleiben von Bella im Auto und gigantischen Menschenmassen auf der anderen Seite gegenüber.
Wenn wir morgen wollten, gäbe es einen groben Plan. Also mal schauen. Mit ein paar Blicken auf die tolle Kulisse, in der wir uns befinden, begeben wir uns dann ins Bett.Read more




















Traveler
https://youtu.be/CsXgm51HTxE?si=nwm4zQSXhb_bOiJG
Traveler
:-)
Traveler
wow