Verpasste Chance? Hören auf Bauchgefühl!
17.–18. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ 🌬 24 °C
Wir haben uns ja gestern vorgenommen, dass wir heute früh aufstehen. Sagen wir so, das hätte auch fast geklappt. Christian hatte gestern Abend schon ein wenig Kopfschmerzen und war sich sicher, dass diese auch ohne die von mit empfohlene Tablette bis heute morgen bestimmt verschwunden sein würden. Auch das hätte fast geklappt. Wir überlegen im Halbschlaf, ob wir uns aufraffen, um uns mit einer Menge anderer früher Würmer in einen Shuttlebus zu quetschen und Bella in einem kühlen Freddie zurückzulassen. Das klingt leider so gar nicht verlockend. Wir merken einfach immer mehr, dass wir uns in den letzten 10 Wochen (waaaaas, so lange sind wir schon unterwegs?!) in unserer kleinen Bubble und in der Weite des Nichts ganz schön wohl fühlen. Einzelne Tage mit Begegnungen von Paaren oder anderen Reisenden sind vollkommen fein. Aber an so touristischen Orten, die vollgepackt sind mit Menschenmassen, fühlen wir uns schnell überfordert. Uns ist natürlich total klar, dass wir selbst genauso Touristen sind, die an genau dem Ort sind, um mal zu gucken.
Wir kuscheln uns nochmal ein und genießen das Vogelgezwitscher Konzert. Wie schön so viele Vögel zu hören, das war in den letzten Wochen ein bisschen weniger geworden, sobald aber ein Fluss in der Nähe ist, gibt es auch wieder ein bisschen mehr Fauna. Bis elf Uhr müssen wir unseren Campingplatz frei gemacht haben. Ein kleines Stimmchen im Hinterkopf meldet sich zwischenzeitlich nochmal, ob wir nicht doch noch ganz schnell machen, uns einen schattigen Parkplatz suchen und einfach mal mit dem Shuttle Bus die kurze Strecke zum Ende des Canyons und wieder zurücknehmen sollten (20km). Irgendwie fühlen wir es einfach wirklich nicht. Wenn wir die Option „Bella im Auto lassen, selbst im Shuttle sitzen, zwischendurch vielleicht raushüpfen und Fotos machen und dann weiter fahren“ abwägen gegen „mit Bella in Freddie mit offenen Türen kuscheln, gemütlich draußen mit Ausblick auf die Berge Kaffee trinken und Eidechsen und Vögeln zuschauen, zusätzlich darauf warten, dass die Kopfschmerztablette wirkt“ dann fällt uns die Entscheidung beiden nicht schwer. Wir werden also die Zeit, die wir den Platz nutzen dürfen, voll auskosten und dann können wir ja schauen, ob wir am Visitor Center parken und dann noch einmal den Trail von gestern gehen.
Die Zeit vergeht recht flugs und wir sind fein damit die Chance verpasst zu haben. Ich bin froh, dass unser beider Bauchgefühl mal wieder ins ähnliche Horn geblasen hat, das ist ja nun auch nicht selbstverständlich. Bevor wir vom Campingplatz runterfahren, rollen wir noch zur Entsorgungsstation um Abwasser- und Pippi-Kanister zu leeren. An der Station angekommen warten wir erstmal eine viertel Stunde, bis die beiden Vorgänger, deren Tank schon lange leer ist, ihre seelenruhige Unterhaltung beendet haben und beiseite fahren. Naja, wir haben ja Zeit.
In der Nähe des Parkplatzes sehen wir schon einzelne Autos ihre Runden ziehen und auf eine Lücke geiern und uns vergeht die Motivation mit Bella den Trail von gestern nochmal zu gehen. Der Parkplatz ist rappelvoll, die Menschenpulks stehen in kleinen Abständen zueinander und von der Schlange an den Shuttles wollen wir gar nicht reden. Jetzt stellt sich bei uns der Gedanke „einfach nur raus hier“ ein. Christian hatte im Vorhinein auf der Maps-Liste der Kongs bereits gesehen, dass der „Belly of the Dragon“ eine kurze nette Wanderung, nicht allzu weit entfernt und hundefreundlich, ein gutes Zwischenziel für den Tag wäre. Wir brauchen zwar noch eine gute Stunde, bis wir aus dem Park raus sind, werden dann aber wieder auf einen leeren Highway gespuckt und können das Fahren wieder richtig genießen.
Kurz nach Mittag kommen wir am „Belly of the Dragon“ an. Auf dem Parkplatz unterhalten wir uns mit einem netten Mann aus Idaho und machen uns währenddessen watschelfertig. Unsere Wander-App sagt uns, dass wir hier 3 Kilometer entspannt spazieren gehen können. Für die Strecke packen wir nur leichtes Gepäck, ein paar Bella-Beutel, Sonnenhüte und Kamera. Der Einstieg des Trails ist der „Drachenbauch“, ein Durchbruch im Sandstein, der unter dem wenig befahrenen Highway durchführt. Man versteht auf jeden Fall, warum dieser so heißt; man fühlt sich ein wenig, als würde man durch den Magen eines riesigen Feuermonsters laufen. Als wir in das Licht hinaus treten, finden wir uns in einer mal wieder wüstenähnlichen, bergigen, sandigen Landschaft wieder und watscheln in einem ausgetrockneten Wasserbett drauf los, nach kurzer Zeit stehen wir vor einer Felswand und überlegen, ob der Trail hier schon zu Ende ist. Ein kurzer Blick auf Christians Handy verrät uns, dass wir einen versteckten Trampelpfad nach oben steigen und dann noch „endlos weiter“ laufen könnten. Na hätten wir das vorher gewusst, hätten wir uns ordentlich was zu Trinken mitgenommen und wären eine richtig große Runde gelaufen. Es ist super schön hier, aber wir nehmen uns vor, nach einer viertel Stunde kehrt zu machen, um der Dehydration entgegen zu wirken. Gesagt, getan, sind wir eine Dreiviertelstunde später wieder an Freddie, schnabulieren einen Apfel und ein paar Mandarinchen und machen uns auf den weiteren Weg.
Unser nächstes Ziel ist eine Slot-Canyon Wanderung, die wir morgen oder übermorgen angehen möchten, bevor wir dann den bekannten Horseshoe Bend und danach den Grand Canyon anfahren wollen. Auf dem Weg liegt die Kleinstadt Kanab, wo wir bei einem Lebensmittelgeschäft anhalten, um ein bisschen Frischkram aufzufüllen. Außerdem machen wir einen kurzen Stopp bei einem Bekleidungsgeschäft, das mit Vans wirbt. Da Christians Checkerboards mittlerweile recht löchrig sind, kauft er hier ein neues Paar. Perfekt!
Wir sind mittlerweile ein wenig hungrig und gönnen uns bei „Big Al’s at the Junction“ zwei Burger, Pommes und als Nachtisch unglaublich gute Shakes. Die Shakes sind eher Softeis, für mich gibt es einen Coffee-Shake und für Christian einen Cheesecake Shake. Hier soll ich auf Wunsch von Christian noch beschreiben, dass auf seinem Shake nicht nur ein Stückchen Käsekuchen war, nein! Im Shake war der Hauptteil eines ganzen Kuchenstücks püriert und mit dem Softeis vermischt! Kurz gesagt, Christian war Fan 😉 Aber auch mein Coffee Shake war wirklich zum Dahinknien und ich bin für Süßes normal nicht so zu begeistern. Im vollsten Zuckerrausch machen wir uns anschließend zufrieden und pappsatt auf den Weg einen Stellplatz in der Nähe des Buckskin Gulch Slot Canyon zu finden. Da hier fast überall das, uns ganz schön ans Herz gewachsene, BLM Land ist, ist die Auswahl riesig. Wir biegen auf eine Sandpiste ab und befinden uns mal wieder in einer anderen Welt. Der Bereich, den wir grade durchfahren gehört zum „Grand Staircase Escalante National Monument“ einem Naturschutzgebiet, das die letzten Tage immer wieder unsere Strecke säumt. Wir fühlen uns hier in diesem Bereich ein wenig an die Mesa des Petrified National Forest erinnert und genießen das über die Pisten ruckeln und zuckeln trotz der Staubpanade, die wir ganz umsonst mitnehmen.
Leider finden wir direkt hier nicht wirklich einen Stellplatz, den wir beide fühlen, also geht es nochmal eine Stunde durch die Natur. Es könnte Schlimmeres geben. Wir kommen an einer weiteren Stichstraße an und finden nach kurzer Zeit einen tollen Stellplatz auf einem Hügel mit einer tollen Weitsicht. Hier bleiben wir. Angekommen wird erstmal dem roten Staub, der seinen Weg auch durch die kleinsten Ritzen geschlossener Türen und Fenster Freddies findet, der Kampf angesagt. Vergebene Liebesmüh, da die frische Brise innerhalb von 10 Minuten wieder alles bepudert hat. Aber es ist okay, wir gehen einfach eine Symbiose mit der Existenz des Staubs ein und sind dankbar dafür, dass durch die Trockenheit keinerlei Mücken oder Geviechs in der Nähe sind.
Da wir beide auch den Rest des Abends nicht mehr hungrig werden, gibt es kein Abendessen. In der Dämmerung gehe ich noch eine Runde mit Bella und Christian packt unser Teleskop aus und versucht mit Hilfe des Stativs und seinem Handy ein Foto vom Mond zu machen. Nach eine guten halben Stunde Ausrichten und Probieren entsteht ein ganz schön cooles Bild.
Für den Rest des Abends steht das Korrigieren von Berichten, Aussortieren hunderter Fotos der letzten Tage und das Bearbeiten dieser auf dem Plan. Außerdem sind schon wieder drei weitere Tage vergangen, die wir schriftlich reflektieren wollen. Nachdem Jan- Philipp sich gewünscht hat, dass Instagram ein bisschen mehr bestückt wird, dachte ich mir vor drei Tagen, dass das bestimmt eine nette Ergänzung wird. Bisher habe ich es nicht wirklich gefühlt und nachdem ich jetzt um 22 Uhr auf mein Handy schaue, sagt es mir, dass ich heute über 5 Stunden mit Foto-Apps, Instagram, Find Penguins und unserer Stellplatz App verbracht habe. Und heute habe ich nicht Mal mehr einen Bericht geschrieben, die meisten Fotos habe ich auch am Laptop bearbeitet (die Zeit kommt also noch oben drauf). Heute bin ich ein bisschen frustriert, dass ich mich unterschwellig mit der Zeit doch darin verliere, die Reise auf mehreren Plattformen festhalten zu wollen. Verpasse ich dadurch nicht zum Teil auch ein wenig die Eindrücke selbst? Damals, als ich auf dem Jakobsweg war, hatte ich nicht Mals mehr einen Fotoapparat dabei und mein Handy habe ich auch nicht zum Fotografieren benutzt, lediglich ein Tagebuch hat mich begleitet und immer noch habe ich bunte und zauberhafte Erinnerungen an diese Reise. Mal schauen, ob Instagram bald wieder eher brach liegt. Ich hoffe, dass ich für mich einen Weg finde, diese Erinnerungen nicht für andere, sondern hauptsächlich für uns festzuhalten (es ist natürlich total schön euch mitnehmen zu können, doch sollte das nicht an erster Stelle stehen, ihr versteht schon).
Auf jeden Fall gehe ich ein wenig geknickt ins Bett, weil ich mich ein wenig in dem ganzen Gebummsels verloren habe, eigentlich immer noch zwei Berichte warten, ich aber einfach absolut keinen Bock habe, mich um zehn Uhr abends noch an einen davon zu setzen. Also mache ich mich bettfertig und Christian tippt einen weiteren Bericht für heute, während ich recht wühlig einschlummere.Læs mere












Rejsende
Guten Morgen. Wow da bnaucht es eine Sonnen /Schnee/Sandbrille :-)
Rejsende
Was für eine Höhle 😎
RejsendeDa erinnerte Das Bild worin ich einen Vogel gesehen habe doch eher an einen Drachenkopf :-)