Damn, ein Damm.
25.–26. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 27 °C
Die Wettervorhersage hat sich so ziemlich vertan, als ich gegen halb sieben am Donnerstagmorgen aus Freddie schaue. Die Sonne scheint etwas und es ist kein Regen in Sicht. Daher drehe ich mich noch einmal um und genieße die Wärme unter der Bettdecke. In der Nacht ist es draußen recht frisch geworden und so sind es in Freddie auch nur knapp 15 °C.
Eine Stunde später schaue ich dann mal auf den Regenradar und beeile mich dann doch etwas. Eine breite Regenfront ist nicht mehr allzu weit entfernt und sowohl Bella als auch ich haben nichts dagegen trocken zu bleiben. Die Runde im Wald ist wunderschön und ich genieße die frische Luft, die Ruhe und den von Moos und Nadeln bedeckten Waldboden sehr. Zwei Nächte im Wald am Grand Canyon und heute wieder im Wald übernachten zu können, lässt mich merken, wie sehr ich diesen dann doch vermisst habe. Schade, dass dies in Deutschland nicht möglich ist. Wie gut, dass wir mit Schweden, Schottland und irgendwann mal Norwegen ein paar Länder in Europa haben, wo wir dieses Bedürfnis dann gut befriedigen können.
Zurück an Freddie wartet auch schon der geliebte Kaffee auf mich und gewärmt von den ersten Schlucken, entferne ich schon einmal die Thermomatten in der Fahrerkabine. Danach löse ich die Bremse, kupple kurz aus und lassen Freddie von den beiden Keilen rollen. So kann ich diese dann auch direkt trocken verstauen. Auch wenn wir auf unseren Reisen in Europa noch nie schlechte Erfahrungen gemacht haben, war ich beim Verwenden der Keile immer irgendwie zurückhaltend. Vermutlich, weil das Verwenden der Keile direkt nach Übernachten aussieht. Hier in den USA gibt es das Problem nicht und die Verwendung der Keile hat sich zum Glück etabliert. Allgemein kann ich den USA mittlerweile mehr und mehr abgewinnen. Zumindest so lange, wie wir uns so gut wie alleine in der Natur befinden oder wir auf tolle Menschen wie z.B. die Kongs treffen. Nach den Eindrücken am Grand Canyon mache ich mich langsam aber sicher gefasst auf die Fahrt durch Las Vegas in den nächsten Tagen.
Nach Rücksprache mit dem Agenten für die Verschiffung und der Findung eines gemeinsamen Nenners für den benötigten Puffer bis zum ersten Schul- bzw. Arbeitstag, steht fest, dass wir Freddie am 8. August in Halifax abgeben und wenig später auch zurückfliegen werden. Die rund 90 Tage innerhalb Kanadas sind bislang vollkommen ungeplant, wenn man vom einzigen fixen Termin am 17. Juli bei den Red Hot Chili Peppers in Toronto absieht. Ursprünglich wollten wir direkt Anfang Mai in Kanada sein, doch das wird sich um 2-3 Wochen verzögern. Da es noch so früh am Tag ist und wir den einsetzenden Regenschauer noch abwarten wollen, nutzen wir die Zeit sinnvoll und fangen ein wenig an, uns die verschiedenen Ziele in Kanada herauszusuchen.
Mit dem guten Internetempfang am Stellplatz ergibt sich dann auch in gemeinsamer Zusammenarbeit eine recht ausführliche Liste an Punkten. Nachdem alle Marker auf der Karte platziert sind, können wir dann auch direkt einige davon ausklammern bzw. entfernen. Ganz in den Norden, z.B. in die Nahanni National Park Reserve, werden wir es nicht schaffen – dafür ist der Umweg zu groß und das Wetter dann vielleicht auch noch etwas zu frisch. Auch so kommen wir dann auch schon auf etwas über 11.000 Kilometer in Kanada. Wir sind beide gespannt, ob wir in Summe am Ende über 30.000 Kilometer kommen werden. Während unserer Recherche ist der Regen in Schnee übergegangen und auf dem Waldboden ist kurzzeitig eine weiße, pulverige Schicht zu sehen. Die Familie von Maultierhirschen, die dann noch ein paar Meter hinter Freddie langspaziert, lässt das Ganze noch surrealer wirken.
Gegen Mittag rollen wir dann von unserem Stellplatz los, es soll bis kurz vor die Hoover-Talsperre südlich von Las Vegas gehen. Nach ein paar Kilometern verlassen wir dann auch den Wald und folgen die nächsten zwei Stunden von Williams bis Kingsman dem Purple Heart Trail, besser bekannt als der historischen Route 66. Die Straße an sich ist dann zum Großteil auch recht unspektakulär, dafür werden wir dann aber wieder mit großartigen Aussichten links und rechts des Highways belohnt.
Während der Highway am Ort Kingsman vorbei führt, fahren wir durch Kingsman und folgen damit der Route 66. Hier im Ort wird diese auch aktiv touristisch vermarktet. Wir sind beide vom Hunger getrieben und stoppen am Black Bear Diner und gönnen uns ein „richtig“ gesundes und definitiv nicht vegetarisches Frühstück. Herrlich lecker!
Auf dem letzten Teilstück machen wir noch kurz Stopp an einer Tankstelle und füllen unser Frischwasser auf. Der Stellplatz für die Nacht liegt in direkter Nähe zur Hoover-Talsperre an einer Schotterpiste. Da sich kurz vor der Abfahrt zur Schotterpiste Google Maps aufhängt, verpassen wir diese und müssen so die nächste Ausfahrt direkt an der Talsperre nehmen. Es ist mittlerweile kurz vor 18 Uhr und das Schild an dieser verkündet, dass die Talsperre bis 21 Uhr besichtigt werden kann.
Da wir nun schon einmal hier sind, machen wir das ganze dann auch direkt. Zunächst halten wir an einer Kontrollstation und lassen Freddie auf verbotene Gegenstände inspizieren. Danach werden wir mit einer überschaubaren Zahl an anderen Touristen belohnt.
Es ist schwer, den Blick auf die Talsperre in Worte zu fassen. Die weiße Staumauer ist in die zerklüftete Steinlandschaft des Black Canyons eingefasst. Auf der abfließenden Seite geht es knapp 220 Meter in die Tiefe, auf der Stauseite ist die Wasseroberfläche ein paar Dutzend Meter unter uns. Nachdem der Lake Mead 1983 so voll war, dass die Überlaufeinrichtungen das Wasser in das Tal abgeleitet haben, hat der See in den letzten 20 Jahren kontinuierlich an Wasserstand verloren und die Oberfläche liegt heute gut 40 Meter tiefer.
Schwer beeindruckt von einem Bauwerk, dass nur unwesentlich jünger ist als meine Oma, machen wir uns dann in Richtung des Stellplatzes – diesmal auch ohne die Abfahrt zu verpassen. Es gibt ein paar Abschnitte der etwas über 5 Kilometer langen Piste, die gut befahrbar sind. Der Rest ist dann doch schon herausfordernd und wir sind einmal mehr froh, dass wir uns die dicken Reifen vor der Abreise gegönnt haben. Mit einem leicht unsicheren Gefühl, ob wir denn die letzte Abfahrt am nächsten Morgen auch wieder erklimmen können, kommen wir am Platz an. Am ersten Stellplatz in Wassernähe seit längeren werden wir dann auch direkt von einer Unmenge an Mücken begrüßt.
Nach einer gemütlichen Abendrunde mit Bella ziehen wir uns dann in Freddie zurück. Während Hanna auf dem Bett liegt und sich mit einem Buch beschäftigt, zerlege ich unser gasbetriebenes Mückenabwehrgerät. Dieses lässt sich zwar Einschalten, die Flamme erlischt aber immer nach kurzer Zeit. Ich finde keine defekten Teile oder sichtbaren Schäden, aber nachdem alles wieder zusammengebaut ist, funktioniert das Gerät wieder. Ohne den glücklichen Zufall zu hinterfragen, lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Während Hanna sich unter die Decke kuschelt, verzichte ich bei den knapp 26 °C im Bus auf die Decke und versuche so gut es geht, bei dieser Wärme einzuschlafen.Læs mere

















Rejsende
Das ist schon beeindruckend👌🙂
RejsendeJa, oder?
Rejsende
👍