• Auf ins Tal des Todes

    27.–28. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 23 °C

    Nachdem wie gestern Abend in der Dämmerung angekommen sind und die herannahende Nacht alles schnell ins Dunkle getaucht hat, können wir heute am Samstagmorgen die Umgebung besser sondieren. Wir stehen auf groben Sand inmitten von vielen kleinen grünen Sträuchern und es erinnert uns beide an die Nacht im Süden von Texas. Der Kontrast zu den Übernachtungen im Wald vor ein paar Tagen ist schon verrückt.

    Während Hanna die Morgenrunde mit Bella übernimmt, fahren immer wieder ein paar Trucks mit Anhängern, auf denen sich sportliche Offroadfahrzeuge befinden, am Stellplatz vorbei. Das Ziel sind die Sanddünen in knapp zwei Kilometern Entfernung, die sich bis zu 100 Meter über die Umgebung erheben. Beim Kaffee können wir dann auf der höchsten Düne auch immer wieder kleine schwarze Punkte beobachten, die mit einem Affenzahn die Düne rauf und wieder runterfahren.

    Neugierig auf das Tal des Todes machen wir uns eine Stunde später gegen 11 Uhr auf den Weg in Richtung der nächsten Stadt, Beatty. Hier wird Freddie nochmal vollgetankt, die Gallone Diesel ist in Kalifornien bis zu drei Dollar teurer. Das so „gesparte“ Geld wird direkt bei der Tankstelle gelassen. Diese verkauft nicht nur Kraftstoffe, sondern stellt neben Jerky (getrocknetes Fleisch zum Snacken) auch schokolierten bzw. salzigen Knabberkram in Form von Nüssen und Mais her. Dazu gibt es eine Auswahl an Weingummis, die jedes noch so gut bestückte Büdchen im Ruhrgebiet vor Neid erblassen lassen würde. Bewaffnet mit von Sriracha Pulver überzogenem, getrocknetem Mais, sauren Mangobändern und ebenfalls sauren Kirschen konnten wir unsere Fahrt dann fortsetzen. Gut gelaunt wie zwei Kinder, die mit drei gefundenen Groschen den Deal des Lebens abgeschlossen haben, ging es dann fröhlich mampfend weiter in Richtung des Death Valley.

    Gut 20 Minuten später überqueren wir dann – das erste Mal ohne großes Begrüßungsschild – die Staatsgrenze nach Kalifornien. Passend dazu lassen wir die Red Hot Chili Peppers mit dem gleichnamigen Lied laufen, während wir der Straße in Richtung des Furnace Creek folgen. Nachdem wir erstmal 300 Meter auf der wild geschlängelten Straße abwärts gefahren sind, machen wir kurz an einer Informationstafel halt. Diese betont deutlich, dass man sich am besten nur vollgetankt und mit ausreichend Wasservorräten auf den weiteren Weg machen soll. Da wir beide Anforderungen erfüllen, fahren wir weiter und rollen die nächsten 15 Kilometer kontinuierlich bergab. Die Aussicht auf das vor uns liegende und von verschiedenen Gebirgen umschlossene Tal ist wahnsinnig.
    Obwohl wir noch viele Kilometer entfernt sind, können wir die weiße Oberfläche des Badwater Basin erkennen, wenn auch die Sicht durch das starke Hitzeflimmern verzerrt ist.

    Die Vorhersage für den heutigen Tag lag bei 24 °C, während für die nächsten Tage schon deutlich höheren Temperaturen angepriesen wurden. Uns wird schnell klar, dass der Mess- bzw. Vorhersagepunkt nicht auf unserem Fahrweg liegen kann, denn für alle 200 Höhenmeter die wir uns in Richtung Tal bewegen, steigt die Temperatur um uns herum um ein knappes Grad. So sind wir dann auch recht froh den einzigen freien Schattenplatz am Besucherzentrum zu ergattern.
    Während Hanna dort die Anmeldung vornimmt und die Karte des Parks abholt, kümmere ich mich ein wenig um unsere trinkfaule Reisebegleiterin im hinteren Teil von Freddie. Bella missfällt die spontane Aufmerksamkeit und ich sehe ihr deutlich an, dass sie einfach gerne weiter pennen will. Ohne großes Erbarmen bekommt sie aber ein paar Pumpstöße aus der Sprühflasche, mit dem verhältnismäßig kühlen Nass, ab.

    Bewaffnet mit der Karte können wir dann auch unsere Weiterfahrt zum Badwater Basin besser planen. Der tiefste und zugleich heißeste Punkt Nordamerikas ist zwar nur noch knapp 30 Kilometer von uns entfernt, aber wir hatten vorab gelesen, dass einige Straßen noch gesperrt sein könnten. Ein Tropensturm hatte im letzten August fast die gesamte Jahresregenmenge an einem einzelnen Tag mit sich gebracht und verschiedenen Bereiche des Nationalparks unter Wasser gesetzt. Das Badwater Basin, die Überreste des urzeitlichen Lake Manly, hat in der Regel nur einen Wasserstand von wenigen Zentimetern (genährt von einem unterirdischen Fluss). Nach den Regenfällen war es aber problemlos möglich auf dem See mit einem Kajak zu fahren.

    Mit einer Umgebungstemperatur von über 30 °C und einer gefühlt erbarmungslosen Sonne fahren wir dann auf das Wasserbecken zu. Hanna und ich können es nicht fassen, dass wir vor zwei Nächten noch in einer Landschaft unterwegs waren, die einigermaßen gleichmäßig über zwei Kilometer höher liegt als die Straße, über die wir gerade fahren. Über diesem Punkt befindet sich außerdem in anderen Bereichen der Welt die Meeresoberfläche. Am tiefsten Punkt versuchen wir uns vorzustellen, 38 Meter über uns Wasser zu haben. Unmöglich. Ebenso wenig greif- und fassbar ist die Vielfalt der Fauna, die wir dauerhaft entdecken können.
    Am tiefsten Punkt angekommen, können wir in die sechseckigen Strukturen ausmachen, in denen sich das Salz ablagert. Es ist ein absolut irres Gefühl, an einem solchen geografischen Extrempunkt angekommen zu sein. Die Aussicht ist ein so ganz andere als am Grand Canyon, aber auf ihrer Art ebenso schwer zu verarbeiten. Wobei letzteres auch einfach daran liegen kann, dass wir beide aufgrund der Hitze und des nur bedingt nachhaltigen Frühstücks etwas matschig in der Birne sind.

    Vom Badwater Basin folgen wir der knapp 80 Kilometer langen Straße und sind davon knapp 70 Kilometer vollkommen alleine unterwegs. Wir lassen die Besonderheit des Death Valley auf uns wirken und führen uns noch einmal die Geschichte der Namensgebung vor Augen. Im Jahr 1849 gerieten zwei Gruppen von Reisenden mit insgesamt etwa 100 Wagen in das Tal, als sie eine Abkürzung des Old Spanish Trail suchten. Wochenlang fanden sie keinen Ausweg aus dem Tal und waren gezwungen, mehrere ihrer Ochsen zu verspeisen, wobei sie sogar das Holz ihrer Wagen als Brennholz verwendeten. Schließlich entschieden sie sich, ihre verbleibenden Wagen zurückzulassen und das Tal über den einen Pass zu verlassen. Währenddessen drehte sich eine der Frauen aus der Gruppe um und rief dem Tal ein "Goodbye, Death Valley" hinterher.

    Ohne einen Ochsen zu verspeisen schaffen wir es dann ohne Probleme aus dem Death Valley. Das nächste Ziel, der Joshua Tree National Park, ist bereits in das Navi einprogrammiert. Die vier Stunden bis dorthin werden wir aber definitiv nicht mehr fahren. Im Ort Baker stoppen wir ein Stündchen später und halten kurz Kriegsrat. Wir legen fest, einen Stellplatz in der Mojave Wüste in ein paar Meilen Entfernung anzusteuern, fahren aber vorher noch ein paar Meter zu einem griechischen Restaurant. Die guten Bewertungen bei Google und die Lust auf Gyros, Oliven, Feta und eine kalte Cola überlagern dann die innere Stimme, die nach gesundem Essen ruft.
    Alles in allem, ist das Essen dann auch lecker und die Zutaten sehr frisch, wenngleich das Preis-Leistungsverhältnis vorne und hinten nicht stimmt. Den Vergleich mit einem griechischem Imbiss aus unserer Ecke würde The Mad Greek defintiv nicht für sich entscheiden können.

    Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir dann unseren Platz in der Mojave Wüste, eine kleine Einbuchung an einer Sandpiste umgeben von Lavastein.
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