• And we're goiiiiiiiing to...

    8.–9. maj 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 17 °C

    .... Saaaaan Fraaaaaaan Ciscoooooo

    Mittwochmorgen, kurzes Sortieren der Gedanken und das interne GPS hat sich aktualisiert. Wir sind an der Westküste, kurz vor San Francisco. Da es keine fixe Zeit gibt, bis wir den Parkplatz verlassen haben müssen, gehen wir den Morgen entspannt an. Sehr entspannt sogar. Über die Integration in den deutschen Alltag müssen wir uns glücklicherweise noch keine Gedanken machen: zeitlich ist gerade Mal Halbzeit.

    Hanna übernimmt Bella und ich mache etwas Ordnung in Freddie und koche den Kaffee. Gerade als es anfängt, köstlich nach diesem zu riechen, hält ein laut brummendes Auto vor Freddie und ich rechne im ersten Moment mit der Müllabfuhr. Es ist aber die Feuerwehr, die alarmiert wurde, weil eine Person Schwierigkeiten im Wasser habe. In kürzester Zeit gesellt sich das Fahrzeug des Einsatzleiters, zwei Polizeifahrzeuge und noch ein Rettungswagen dazu. Innerhalb von Augenblicken bildet sich ein Rudel der Mitcamper, die aufgeregt diskutieren, was denn der Grund für diesen Aufmarsch sein könnte. Die ältere Dame, die hier am Platz die Hausmeisterin ist, erkundigt sich wenig später bei mir, was genau los sei – mehr als die kargen Informationen des Einsatzleiters kann ich ihr natürlich nicht bieten.

    Nachdem der Kaffee durchgelaufen ist, setze ich mich in die Sonne und schlürfe diesen. Mit dem Eintreffen von Hanna und Bella hat sich das ganze Spektakel aufgelöst und die Einsatzfahrzeuge verlassen das Gelände wieder. Eine gute halbe Stunde später kommt dann auch der Auslöser des Einsatzes mit seiner Kite-Surfing-Ausrüstung über den Platz gelaufen. Der starke Nordwind hat ihn wohl etwas weit auf den See hinausgeweht, Gefahr für Leib und Leben bestand aber seinem lautstarken Bericht nach glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt. Wir beide haben die Gelegenheit genutzt und von den Fahrzeugen Fotos gemacht: Moritz wird sich drüber freuen.

    Am frühen Nachmittag machen wir los und steuern auf die Golden Gate Bridge in etwas über einer Stunde Entfernung zu. Die Idee über die berühmte Brücke zu fahren, hat von Anfang an in unseren Köpfen herum gespukt, allerdings war es kein Ort, den wir zwingend anfahren wollten. Auf dem Weg dorthin, kommen wir aber überein, dass die Brücke für uns dann irgendwie eine imaginäre Ziellinie für die Durchquerung der Vereinigten Staaten ist. So steigt dann auch die Vorfreude mit jeder zurückgelegten Meile. Wir folgen eine ganze Weile dem Highway und durchfahren dann den Baker-Barry Tunnel. Am Ende des Tunnels erwartet uns eine fantastische Aussicht – ähnlich wie ein paar Tage zuvor im Yosemite National Park. Hinter der übernächsten Kurve sind die gigantischen, roten Brückenpfeiler auszumachen, links davon erhaschen wir einen ersten Blick in die Bucht von San Francisco inklusive der berühmten Gefängnisinsel Alcatraz, dahinter taucht die Skyline der Stadt auf. Alles genauso wie ich es mal gelernt habe. Natürlich nicht im Erdkundeunterricht, sondern dank des „kultigen“ Films The Rock mit Sean Connery und Nicolas Cage.

    Auch wenn die Golden Gate Bridge „nur“ eine der vielen Brücken ist, die wir bislang auf unsere Reise überfahren haben, ist sie für uns dann doch ein großer Meilenstein und immer noch eine der größten Hängebrücken der Welt. Wir freuen uns wie zwei kleine Kindern und giggeln vor uns hin, während wir bei der Überfahrt natürlich das Lied von Scott McKenzie laufen lassen. Wir haben keinen festen Plan und so cruisen wir gut eine Stunde durch die Stadt und sind beide positiv überrascht und schwer begeistert. Es ist viel, viel grüner als wir es erwartet haben und der Flair begeistert uns beide sehr. Alle paar Minuten können wir einen Blick auf die Bucht erhaschen – natürlich einer der Vorteile, bei einer Stadt die das Profil einer steilen Treppe hat.

    Wie steil diese Stadt dann wirklich ist, lässt sich auch nur wirklich erahnen und fassen, wenn man selbst mal durch diese gefahren ist. Freddie macht mal wieder einen großartigen Job, wobei wir hier wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit die Bremsen überholen lassen müssten.

    Es geht für uns vorbei an der Endhaltestelle der berühmten Cable Cars und durch das berühmte Hafenviertel, dass bei dem fantastischen Wetter gut besucht ist. Wir sind beide schnell vollkommen überwältigt von all den Eindrücken und haben ein wenig Schwierigkeiten Platz in unserer Erinnerungsschublade zu finden (vor 12 Tagen waren wir am Grand Canyon und seitdem folgte ein Highlight dem anderen). Wir machen Stopp am Golden Gate Beach, setzen uns dort auf den weißen Sand und futtern eine Runde Müsli mit Erdbeeren. Am Strand herrscht ein reges Treiben. Neben uns ein Gitarrenspieler, der seine Riffs übt, an der Wasserlinie Hunde mit ihren Besitzern, Familien mit Kindern und direkt vor uns ein Kite-Surfer, der seinen Schirm ausbreitet und sich bereit für den Start macht. Rechts auf dem Wasser thront erhaben die Insel Alcatraz und links haben wir einen uneingeschränkten Blick auf die Golden Gate Bridge unter der Segelboote auszumachen sind. Es wirkt zwischenzeitlich wie eine optische Kakophonie, aber genau diese hilft uns beiden dann auch das bisher Gesehene zu verarbeiten und doch noch Platz in der Erinnerungsschublade zu finden.

    Wir verstauen die Teller in Freddie und spazieren dann über eine Stunde am Strand entlang. Halten immer wieder Inne, bestaunen die Aussicht, schauen Bella beim Toben zu und unterhalten uns mit anderen Hundebesitzern. Der Strand ist nicht reguliert und für alle Arten der Freizeitgestaltung freigegeben und wir sind beide sehr begeistert, dass dies auch ohne Probleme zu klappen scheint.

    Auf dem Weg zurück zu Freddie machen wir noch Halt an den Sanitäreinrichtungen und spülen Bella den Sand aus den Pfoten – hier gibt es eine extra Hundedusche. Verrückt. Auf den letzten Metern stimmen wir überein, dass wir den schlechten Ruf der San Francisco zurzeit vorauseilt überhaupt nicht nachvollziehen können. Klar, wir haben nur mal kurz reingeschnuppert, aber da haben wir in anderen Städten in viel kürzerer Zeit schon „Schlimmeres“ gesehen. Wir packen „Frisco“ daher auf die Liste der Orte, die wir nochmal besuchen wollen.

    Es ist mittlerweile früher Abend und wir verlassen die Stadt über die Brücke im Feierabendverkehr – dieser ist weniger Schlimm als erwartet. Ich hätte gerne noch den Road-Zipper in Aktion gesehen, aber das gelbe Fahrzeug war am Anfang der Brücke geparkt. Wenn es unterwegs ist, überquert es die flexible Begrenzung in der Mitte und verschiebt diese dabei, so dass entweder vier Spuren stadteinwärts und zwei stadtauswärts führen oder die Spuren in beiden Richtungen gleich verteilt sind. Nachdem wir beide einen letzten Blick auf die Brücke und die Stadt werfen, verlassen wir die Gegend und folgen dem Highway entlang der Küste gen Norden. Während es die ersten paar Kilometer recht zügig voran geht, ordnen wir uns wenig später hinter einer großen Gruppe von Radfahrern ein. Auf den kurvigen und kaum einsehbaren Straßen ist das Überholen einer solch großen Gruppe bergauf nicht möglich und bergab sind die flinken und wendigen Radfahrer Freddie eindeutig überlegen. Wir machen daher zwischenzeitlich kurz in Ausbuchtungen Pause und warten etwas ab, um dann wieder zu der Gruppe aufschließen zu können. Nach einer guten Dreiviertelstunde haben wir es dann aber auch vorbei an dem führenden Radfahrer geschafft. 

    Die ganze Zeit haben wir dabei aber den Blick auf das Meer und die steilen Küsten genießen können. Hier an der Küste ist die Stellplatzsuche etwas schwieriger, es gibt kein öffentliches Land und die wenigen Ausbuchtungen direkt neben dem vielbefahrenen Highway sind auch nicht wirklich einladend. Wir haben aber Glück und finden einen State Park, der noch freie Plätze hat und bei dem wir uns auch zu später Stunde noch selbst anmelden und registrieren können. Erschöpft, aber selig lassen wir den Abend ausklingen und schlafen irgendwann vor Mitternacht ein.
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