• Zu Vino sag ich nie "no"

    9.–10. maj 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 27 °C

    Wir wachen im State Park auf und kommen Abends an und trinken Wein. Fertig…

    Das wäre die kürzeste, aber auch treffende Zusammenfassung des Tages, aber natürlich ist der Tag doch ein bisschen gefüllter gewesen. Wir schlafen aus und nutzen den Vormittag um, wie immer, gemütlich mit Kaffee, ein bisschen Lesen und einer Bella Runde in den Tag zu starten. Heute haben wir sogar schon vor dem Aufwachen das Ziel des Tages auserkoren und werden nach einiger Zeit mal wieder einen Harvest Host Spot anfahren. Beim letzten Einkauf habe ich gedacht, dass ich mal wieder Lust auf ein Weinchen hätte und stand wie ein Ochs vorm Berg vor dem Weinregal. Da wir aktuell ja in Kalifornien unterwegs sind (recht bekannt für guten Wein), lag es nah einfach über Harvest Host bei einem Winzer einen Stopp einzulegen, dort ein Tasting zu machen und dann nicht die Katze im Sack zu kaufen, sondern Wein der uns auch schmeckt. Gesagt getan und so haben wir heute also ein Date bei dem Briceland Vineyard und gute drei Stunden Fahrt vor uns.

    Nachdem wir noch die Dumping- und Wasser-Station vom State Park mitnehmen geht es dann los auf die Piste. Gestern hat es uns super gut gefallen an der Küste entlang zu fahren, allerdings würde der Küstenweg uns mehr als vier Stunden in Freddie bescheren und so fahren wir durch das Landesinnere. Auch diese Strecke ist super schön. Nachdem wir zu Beginn an mehreren Weinanbaugebieten vorbei rollen, erinnert mich die Landschaft im Folgenden zwischenzeitlich an die Eifel. Wir rollen an hügeligen Grundstücken mit weiten Wiesen vorbei, durch dichte und duftende Wälder. Die Zeit verstreicht wie im Flug und nachdem wir zu Beginn der Fahrt noch ein leckeres Müsli schnabulieren, das Christian heute Morgen noch vorbereitet hat, machen wir 40 Minütchen vor Ankunft beim Vineyard noch an einem Bistro am Straßenrand Halt, um einen sehr gut bewerteten und wirklich köstlichen Burger zu essen. So richtig yummiger Schmackofatz, wie Christian es sagen würde.

    Ein knappes Stündchen später rollen wir durch Redwoods, die auch zur Familie der Mammutbäume gehören, sich aber von den Giant Sequoias durch ein paar Charakteristika unterscheiden. Die Coast-Redwoods kommen im Norden Kaliforniens und Süden Oregons vor und bilden hier im Norden Kaliforniens einen Regenwald. Verrückte Welt. Diese Küsten Redwoods haben einen geringeren Umfang als die Giant Sequoias, werden dafür aber höher. Diese Klimazone ist wirklich ganz besonders und wir können uns nicht vorstellen, dass hier Wein angebaut wird.

    Um 16 Uhr Ortszeit rollen wir eine kleine Stichstraße aufwärts und entdecken ein kleines Hinweisschild, das auf Wine Tastings hinweist. Hier scheinen wir richtig zu sein. Wir parken Freddie vor einem Holztor, zwischen großen Weinfässern. Christian traut sich auf das Grundstück und macht durch „Hello“ Rufe auf sich aufmerksam, kurz darauf erscheint Rosie, die uns begrüßt und fragt, wie viel Zeit wir zum Einrichten brauchen, bevor sie uns mit dem Tasting begrüßen kann.
    Eine viertel Stunde später sitzen wir in einem sehr verwunschenen Garten, es sind 30°C, der Schweiß läuft und um uns herum summt und brummt es. Der Garten ist schön naturbelassen, ein bisschen Wildwuchs hier und da aber trotzdem nicht ungepflegt. Als Rosie die Utensilien aus dem Haupthaus holt, bestaune ich die Bodentiefen riesigen Fenster, die sich über zwei Etagen erstrecken; so schön. Außerdem gibt es noch einen Lagerschuppen und ein Holzhaus, in dem der Wein hergestellt wird. Dass hier Wein angebaut wird, können wir nicht sehen. Ich finde das ganze Anwesen traumhaft und wirklich wunderschön. Wir fühlen uns sofort wohl. Das ganze Grundstück scheint eingelassen mitten in den Redwoods zu sein. Ein wenig erinnert mich das Grundstück an Limbach, dem zu Hause meines schon lange verstorbenen Opas und seiner zweiten Frau in der Eifel. Elisabeth war sehr homöopathisch angehaucht und hat die alte Hühnerfarm in ein wunderschönes Naturparadies verzaubert. Als Kinder haben wir hier oft die Ferien verbracht und demnach fühle ich mich ein wenig in meine Kindheit zurück versetzt.

    Rosie ist super offen und plaudert während dem Tasting aus dem Familien Nähkästchen. Andrews (Rosies Mann) Stiefvater und seine Mutter haben das Grundstück um 1965 erworben und sich zwanzig Jahre später mit einer Hippie Kommune daran gemacht selbst Wein herzustellen. Andrew und sein Vater haben aus dem Hobbie eine Berufung werden lassen und Winzerei studiert. Vor 13 Jahren haben Andrew und Rosie den Betrieb und das Grundstück schließlich übernommen und produzieren und vertreiben seitdem alles selbst. Die Trauben für ihre, teilweise preisgekrönten, Weine erwerben sie von Winzereien im County, da ihr Grundstück selbst sich nicht zum Anbau eignet. In den nächsten zwei Stunden probieren wir uns von einem weißen Arneis, über einen Rosé, einen Pinot Noir, einen Sangiovese, einen Syrah bishin zu einem Zinfandel. Alle Weine sind trocken und wirklich lecker, kommen aber nicht an die Schneider Weine unserer liebsten deutschen Winzerei heran. Am Ende kaufen wir vier Flaschen und köpfen sofort den Syrah, den wir den Abend über genießen. Rosie erzählt vom Einbruch des Erwerbs während Covid, wie sich letztes Jahr ein Bär über die Trauben des Sangiovese Weins hergemacht hat und davon, dass einer ihrer Weinbauer seine Weinreben nicht weiter bestellt, weil das Anbauen von Hanf in Kalifornien, dem Staat der über die ganzen USA dafür bekannt ist der größte Gras-Anbauer des Landes zu sein, lukrativer sei. Das erklärt, warum heute während der Fahrt immer wieder der Geruch von Joints Freddie durchzogen hat. Na, da lernt man immer wieder was dazu. Außerdem berichtet sie davon, dass ihre Nachbarn durchaus komisch seien und die Leute die hier wohnen nicht umsonst so abgeschieden lebten. Man könnte durchaus vom wilden Westen sprechen, damals hätte man selbst angebautes Hanf teilweise bis unter die Zähne bewaffnet vor Dieben verteidigen müssen. Sie gibt uns den Tipp an die Hand in Amerika Grundstücke niemals einfach so zu betreten und wenn man es täte, solle man das am besten lautstark einen „happy tune whistelned“ (ein fröhliches Lied pfeifend) tun, damit die Anwohner wissen, dass man nichts Böses möchte. Außerdem gibt sie uns recht, dass Amerika ganz schön vermüllt ist und erklärt es damit, dass die meisten einfach so erzogen wurden, dass es okay sei seinen Müll immer und überall aus der Hand fallen zu lassen, wo man auch geht und steht.

    Der späte Nachmittag verfliegt und ist super unterhaltsam. Wir gehen gegen sieben Uhr zurück zu Freddie und während Christian mit Bella noch eine Abendrunde dreht, mache ich mich daran eine Gemüsepfanne vorzubereiten. Nach dem Essen kündigt sich bei Christian leider eine Migräne an, so wird der Abend ein ruhiger und während Christian schon neben mir schlummert, versinke ich in meinem aktuellen Buch und höre dem Konzert der Frösche außerhalb von Freddie zu.
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