Kanada, wir sind gleich da
16–17 Mei 2024, Amerika Syarikat ⋅ ☀️ 16 °C
Wir werden in unserer kleinen Parzelle direkt am Fluss wach. Es ist fast komplett bewölkt, es kommen nur vereinzelt Strahlen durch. Daher wirkt der Wald auf der Morgenrunde mit Bella ziemlich mystisch. Das Plätschern des Flusses wird nur vereinzelt durch das Gezwitscher der Vögel unterbrochen, ansonsten herrscht absolute Stille.
Unterwegs habe ich ein wenig Empfang und kann so die Wettervorhersage überprüfen. An der Regenvorhersage hat sich nichts geändert und so ist die Entscheidung dann auch schnell gefallen und wir werden weiterfahren. Erstmal genießen wir die Ruhe aber noch beim Kaffee. Gespült wird mit dem Wasser vom Fluss, auch wenn dies sehr, sehr kalt ist.
Die Anfahrt zum Stellplatz war auf dem letzten Meter recht steil und kugelig, aber Freddie kämpft sich ohne Probleme nach oben. Wir atmen kurz durch, etwas angespannt sind wir in solchen Momenten dann schon. An solchen Plätzen spontan Unterstützung zu organisieren wäre vermutlich etwas aufwendiger. Nach ein paar Minuten sind wir dann auch schon wieder auf dem Highway und fahren Richtung Seattle. Da wir heute die USA verlassen, wollen wir noch einen Stopp bei „Panda Express“ machen. Das Orange Chicken wurde uns sehr ans Herz gelegt und das wollen wir dann selbst ausprobieren. Daher gibt es dann zum Frühstück für uns chinesisches Fast-Food. Wir sind beide sehr angetan vom Konzept und lassen es uns schmecken. Zum Glück haben wir es erst am letzten Tag ausprobiert – sonst hätten wir hier vermutlich in kurzer Zeit ziemlich viele Punkte mit der Kundenkarte gesammelt.
Bis zur berühmten Space Needle ist es dann nur noch gut eine Stunde und diese Fahren wir dann in dichter werdendem Verkehr entlang der Interstate. Die Skyline von Seattle wirkt im Vergleich zu den riesigen Städten der letzten Wochen irgendwie „winzig“. Das Wahrzeichen, die Space Needle, ist viel kleiner als wir es erwartet haben. Seattle wirkt sympathisch, nicht alleine wegen der Lage am Wasser, sondern auch wegen der vielen jungen Leute und Radfahrer die unterwegs sind. Hier spazieren wollen wir dann aber auch nicht: unser Drang heute nach Kanada zu kommen, führt uns wieder zurück auf die Interstate. Bis zu Grenze sind es nur noch knapp 150 Kilometer, vorher geht es nochmal kurz zu einem Amazon Locker – neue Vitamintabletten abholen.
Der Verkehr wird mit der Zeit dichter, wir sind gerade auch mitten in der Rush-Hour. Das ist anfangs noch kein Problem und als es dann noch dichter wird, fahren wir einfach auf die HOV-Spur. Hierbei handelt es sich um die Spur für Fahrgemeinschaften und diese darf man mit mindestens zwei Personen im Fahrzeug befahren. Obwohl es so gefühlt zügig weiter geht, verheißt die tiefrote Färbung der Interstate und auch die immer später werdende Ankunftszeit nichts Gutes. Es dauert gut 45 Minuten, bis wir an den Grund des Staus angekommen sind: Eine Vollsperrung, der Verkehr wird hier von fünf Spuren auf eine einzelne Ausfahrtsspur umgelenkt. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen bzw. Ausreißer läuft das Reisverschlussverfahren sehr gesittet ab (wenn man davon absieht, dass der Reisverschluss auf zwei der fünf Fahrbahnen viel zu früh endet).
Die Route führt uns dann durch Everett, von dort sollen wir dann auf den Highway. Dieser und die Interstate sind die einzigen beiden Straßen, mit derer man die Halbinsel über den Fluss im Norden verlassen kann. In Everett selbst dauert es dann keine 5 Minuten, bis es zum absoluten Stillstand kommt. Der Verkehrsinfarkt, auch Gridlock genannt, sorgt für eine komplette Blockade der Straßenzüge. Wir versuchen die Flucht in südliche Richtung nach hinten und sobald wir keinen Rückstau in östlicher Richtung sehen, fahren wir in genau diese Richtung. So schön dieser Plan auch klingt, wir sind nicht die einzigen mit dieser Idee. Nachdem wir zehn weitere Minuten vor einer Ampel im Stillstand verharren müssen, retten wir uns über die freie Spur auf den Parkplatz von Henry’s Donuts.
Der Amazon Locker ist für uns innerhalb der Geschäftszeiten nicht mehr erreichbar und so wollen wir erstmal in Freddie entspannen. Hanna organisiert leckeren Kaffee und Donuts, während ich mich über die Lage im Internet informiere: Am späten Nachmittag wurde ein mit einem Hammer bewaffneter Mann auf der Interstate erschossen, nachdem er mit diesem einen State Trooper attackieren wollte. Der Bewaffnete rammte zuvor angeblich ein Fahrzeug mit zwei Arbeitern einer Baustelle am Straßenrand. Die Informationen zeige ich Hanna kurze Zeit später in Form eines Videos des lokalen Nachrichtensenders. Im nächsten Video, dass automatisch abspielt, wird dann von einem Teenager berichtet, der an einer Internet-Challenge zum Essen von scharfen Chips mitgemacht hat und in Folge des Verzehrs verstorben ist.
Wir sitzen beide mit einem Donut bewaffnet daneben und können nur den Kopf schütteln. Auf den letzten Metern möchte sich die USA wohl nochmal von der allerbesten Seite zeigen.
Nachdem gegen 20:30 Uhr ein Update auf X veröffentlich wird, dass die Sperrung der Autobahn noch auf unbestimmte Zeit aufrechterhalten wird und der Verkehr in unmittelbarer Nähe zum Parkplatz in Schneckengeschwindigkeit fließt, verabschieden wir uns von unserer geplanten Einreise nach Kanada.
Wir finden mit Blick auf den lokalen Hafen einen Stellplatz am Straßenrand. Gegen Mitternacht nutzen wir die Gelegenheit der guten Internetverbindung und Zeitverschiebung und quatschen eine Runde mit Happerschoss. Als wir uns gegen halb zwei in Bett legen, hat sich der Verkehr fast gelichtet und es sind nur noch ein paar Autos auf der Straße unterwegs.Baca lagi







Pengembara
Guten Morgen. Das Wetter ähnelt dem Wetter bei uns hier 😊. Schauen wir mal wo die Sonne sich als erstes zeigt :-)
Pengembara
Traumhaftes Plätzchen 👌🙂
Pengembara
Ja das war ja mega Stau🙄