Leinen los
1–2 Jun 2024, Kanada ⋅ ☁️ 12 °C
Ein neuer Tag bricht an und heute ist unser Abschiedstag von Vancouver Island. Nachdem wir gestern ein paar Bierchen hatten, habe ich nicht ganz so gut geschlafen. Wir sind zwar recht früh eingeschlummert, aber wenn ich Bier getrunken habe, bin ich immer wie eine Wühlmaus und wache meist recht gerädert auf. Aber ich muss sagen, dass das Red Ale ganz schön lecker war, und wenn ich dann heute als Folge zwar gerädert bin, aber ziemlich früh aufwache, dann kann ich damit auch gut leben. Christian schaut mich allerdings aus großen Uhu-Augen an, als wäre ich von Sinnen und betont, dass es doch erst 8:20 Uhr ist und ich unmöglich ernsthaft jetzt schon angezogen sein kann, um mit Bella zu gehen. Nachdem er sich kurz seinem Schicksal ergibt, fragt er allerdings, ob wir nicht gemeinsam gehen wollen und ob ich kurz auf ihn warten würde. Gesagt, getan.
Wir stehen also kurze Zeit später mit heißen Sporen bereit, um am Morgen Port McNeill ein kleines Ründchen zu Fuß zu erkunden. Uns beiden ist aufgefallen, dass wir in letzter Zeit immer einzeln mit Bella gegangen sind, weil sich freiwillig keiner von uns beiden darum gerissen hat, vor die Schiebetür ins feuchte Nass zu hopsen. Es war eher ein „sich dem Gassigehen im Regen ergeben“ und die Verteilung Hanna am Morgen und Christian am Abend hat sich eingeschlichen. Demnach haben wir uns vorgenommen, ab jetzt zu zweit zu gehen, wenn es das Wetter erlaubt, und so stehen wir also da; ganz schön schön, gemeinsam mit einem Gassigang in den Tag zu starten. Freddie haben wir weitestgehend fertig gemacht, sodass wir nur noch die Spanngummis vor unsere Schränke spannen müssen, wenn wir wiederkommen, um dann weiterzurollen.
Wir gehen ein Ründchen am Meer entlang. Mit Freddie stehen wir sofort am Hafen. Unterwegs bewundern wir die Häuser, die jeweils mit Meereszugang direkt am Wasser liegen. Außerdem sitzt ein Weißkopfseeadler in einem Nadelbaum eines Gartens und unterhält mit seinem Gesang die Umgebung. Ganz schön nett. Es ist noch super ruhig, die nicht vorhandenen Bordsteine sind in der Sackgasse noch hochgeklappt. Wir nehmen eine Treppe in die Straße, die eine Etage weiter oben liegt. Insgesamt ist das Nestchen klein und verschlafen, aber wirklich gemütlich. Als wir wieder zur Brauerei von gestern abbiegen, lacht uns ein kleines Café auf der gegenüberliegenden Straßenseite an. Kurz entschlossen setzen wir uns draußen in den kleinen Außenbereich auf die Palettenmöbel und Christian besorgt drinnen eine Kaffeesause. Bella flirtet währenddessen mit einer Gruppe, die auf ihre Whalewatching-Tour wartet und sich mit dem Dorfpolizisten unterhält. Nachdem keiner auf sie eingeht, ergibt sie sich ihrem Schicksal und macht es sich gemütlich. Christian bringt gemeinsam mit dem Kaffee auch ein Zimtschnecken-Croissant und einen Schoko-Käsekuchen-Blaubeer-Muffin mit. Wenn das hier mal kein gelungener Einstieg in den Tag ist, weiß ich ja auch nicht.
Nachdem die Köstlichkeiten verspeist sind, spazieren wir mit dem Rest unseres Kaffees noch an ein paar Marktständen vorbei, die gerade unten am Hafen aufgebaut werden. Wieder an Freddie angekommen, machen wir uns auf in Richtung Port Hardy, von wo aus heute Abend unsere Fährfahrt starten wird. Wir müssen nur eine halbe Stunde fahren, machen aber auf dem Weg noch ein paar Pausen. Wir tanken nochmal auf, füllen unseren Wassertank und fahren dann weiter zu einer Dumpingstation. Nachdem der Abwassertank leer ist, bekommt er noch eine extra Reinigung, indem wir ihn ein paar Mal durchspülen, damit er nicht anfängt zu stinken (hatten wir im Sabbatical schonmal – war eklig ;) ). Dann geht es schließlich zum Save-on-Foods in Port Hardy selbst und wir stocken unsere Einkäufe nochmal auf.
Nun haben wir alles erledigt, was wir vor der Abfahrt organisieren wollten. All das haben wir ganz schön pünktlich geschafft, um noch zum Champions-League-Finale zuschalten zu können. Christian bereitet alles so vor, dass er das Spiel verfolgen kann. Einige Zeit hat er keine Spiele vom BVB mehr geschaut, aber auch wenn die Gewinnchancen nicht als die besten gehandelt werden, so möchte er sich dieses Spiel als alter BVB-Fan nicht entgehen lassen. Parallel zur ersten Halbzeit verstauen wir Einkäufe und schneiden Erdbeeren und Brokkoli schonmal in verzehrfertige Portionen zurecht, die besser in unserem Mini-Kühlschrank verstaubar sind. Nach der ernüchternden zweiten Halbzeit wollen wir noch eine Kleinigkeit zu essen erstiefeln und nehmen Bella gleich mit, damit die Gute vor der langen Fährfahrt noch ordentlich Bewegung abbekommt.
Wir haben ganz schön Glück mit dem Wetter, auch wenn es noch fisselt, als wir starten, hört das Tröpfeln kurze Zeit später auf. Wir holen uns unten am Wasser eine Portion Fish’n’Chips und genießen diese sofort am Wasser auf einer Parkbank. Danach spazieren wir noch ein wenig herum und beobachten bei Ebbe auf einer kleinen bealgten Plattform eine ganze Kolonie von Adlern, die sich teilweise lautstark und mit vollem Körpereinsatz um einen Fisch streiten. Wir saugen all das in uns auf, es ist ein bisschen eigenartig, dass solche Eindrücke für uns aktuell alltäglich sind. Dennoch wissen wir, dass wir uns in ein paar Monaten genau zu solchen Momenten zurückträumen werden. Tierarten, die uns daheim nie über den Weg laufen, Regenwälder in unberührtester Form, reißende und gleichzeitig glasklare Flüsse, Wasserfälle, atemberaubende Ausblicke auf den Pazifik, Berge und Ruhe… was sind wir doch für Glückskinder.
Richtiggehend beseelt und dankbar, die letzten Tage auf Vancouver Island mit ein paar Regenlücken zum Entdecken beschenkt gewesen zu sein, machen wir uns langsam auf den Rückweg zu Freddie. Um 18 Uhr geht unsere erste Fähre nach „Bella Bella“ und wir sollen zwei Stündchen vorher da sein. Gesagt, getan, wir rollen um 16 Uhr auf das Fährterminal zu und stellen uns in die noch recht kurze Schlange. Nach einiger Zeit merken wir, dass irgendwie alles seeeeeeeehr langsam vonstattengeht. Innerhalb von zwei Stunden schaffen wir es am Terminal-Häuschen vorbei in die uns zugewiesene Lane 02. Moment, zwei Stunden später?
Ja, eigentlich sollten wir bereits auf der Fähre sein, aber das Boarding hat noch nicht mal begonnen. Kein Problem, wir haben in Bella Bella ja drei Stunden Aufenthalt. Christian geht nochmal ein Ründchen mit Bella, ich packe unseren Kram zusammen: Sachen zum Duschen, Kindle, Switch, Wasser, Tee und sonst noch ein bisschen Kleinkram. Es vergehen weitere zwei Stunden, bis wir von den wirklich netten Mitarbeitern gebeten werden, rückwärts auf die Fähre zu fahren. Der Mitarbeiter entschuldigt sich für die Verspätung und sagt uns, dass dies schon wirklich abnormal lange Wartezeiten sind. Auf der Fähre dauert es tatsächlich nochmal eine Stunde, bis wir lostuckern. Als wir Freddie abgestellt und Bella mit Fressen und Wasser versorgt haben, gehen wir vorbei an Käfigen, in denen auch ein paar Hunde von zu Fuß-Reisenden untergebracht sind. Da hat es Bella auf jeden Fall um einiges bequemer.
Wer bis hierher mitgerechnet hat, versteht vielleicht, dass wir uns langsam fragen, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass wir die Anschlussfähre bekommen. Christian schaut auf seinem Handy nach, solange wir noch Empfang haben. Kein Problem, wenn wir die Fähre verpassen, fährt in nur vier Tagen die nächste … Naja, wir wissen ja, dass sich alles schon irgendwie finden wird. Alles gut, im Notfall bleiben wir auf dieser Fähre einfach bis hoch nach Alaska ;). Wir holen uns unseren heiß ersehnten Kabinenschlüssel und machen uns, nachdem wir unseren Kram abgeladen haben, auf eine kleine Erkundungstour. Ich bin soooo froh über die Kabine; gerade mit der Verspätung und nach dem Warten freue ich mich tierisch auf eine Dusche und ein bisschen Augen-zumachen. Erst schnappen wir uns aber noch ein Salätchen, ein Sandwich und ein Eis als Nachtisch und setzen uns an Deck, um dies als Abendessen mit Blick auf den Hafen zu schnabulieren. Wir bewegen uns immer noch nicht und entscheiden uns trotzdem erstmal für die Kabine.
Hier lese ich erstmal ein Kapitel und gehe dann eine Runde duschen. Christian schaut einen Film auf seinem Handy, den er in der Warteschlange am Hafen angefangen hat. Als ich fertig bin mit einer ordentlichsten Duschorgie, bewegen wir uns endlich. Es gibt sogar einen Föhn, ich fühle mich fast wie in einem Hotel ;). Eine Durchsage hat während des Duschens verkündet, dass wir in „Bella Bella“ voraussichtlich um 3 Uhr morgens ankommen. 55 Minuten, um mit Freddie von dieser Fähre zu kommen, für die nächste einzuchecken und auf diese zu gelangen, ist eine mehr als sportliche Aufgabe. Frisch eingekleidet und aufgewärmt machen wir uns nochmal auf zu einer Runde übers Schiff. Wir stoppen beim Info-Bereich und fragen vorsichtig, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass wir unsere Anschlussfähre bekommen. Der nette Mitarbeiter versichert uns, dass wir nicht die einzigen sind, die auf diesen Anschluss hoffen, und alles getan wird, damit die Fähre wartet.
Zurück in der Kabine geht Christian noch duschen, ich lese noch ein wenig und mache dann das Licht aus und döse das erste Mal ein. Kurz werde ich nochmal wach, als Christian sich bettfertig macht. Scheinbar war er nochmal eine Runde an Deck unterwegs, nachdem er geduscht hatte. Ich war wohl schon tiefer eingeschlafen als gedacht. Mit dem Gedanken daran, dass wir uns einfach mal selbst die Daumen für einen entspannten Anschluss drücken, schlummere ich ein.Baca lagi

















Pengembara
Das scheint ja zu schmecken🙂
Pengembara
Bei euch sieht es wieder gemütlich aus😄