Ruhe
4–5 Jun 2024, Kanada ⋅ ☁️ 7 °C
Gestern haben wir noch entschieden, heute für eine weitere Nacht hier zu bleiben. Auch heute ist das Wetter noch schlecht angesagt und mit Regen weiter zu düsen macht recht wenig Sinn. Bald steht für uns der Heckman Pass an, eine Schotterstraße mit ordentlichen serpentinenartigen Steigungen und ohne Leitplanken. Das müssen wir uns in matschigem, nassen Wetter nicht geben. Also wird dieser Traumplatz nochmal um eine Nacht verlängert und der Tag steht unter dem Stern „Seele baumeln lassen“. Wie schön und besonders es einfach ist sich die Tage so gestalten zu können, wie man es mag. Immer dann, wenn man Lust hat, mal Garnichts zu machen einfach sagen „Jut, machen wir heut nichts und bleiben einfach, wo wir sind“, das werden wir nach dem Sabbatical so nicht mehr machen können. Also genießen wir es, solange das geht.
Wir gehen unsere altbekannte Runde mit Bella und hopsen natürlich, wie jedes Mal, wenn wir dort vorbeikommen, auf die Aussichtsplattform. Hier saugen wir den Anblick in uns auf und machen uns dann aber recht schnell wieder auf zu Freddie. Nass und kalt ist es heute und so werden wir, anders als gestern, den meisten Teil des Tages in Freddie verbringen. Seit wir die USA verlassen und mittlerweile um einiges weiter im Norden sind, sind die Temperaturen meist so im Bereich zwischen 8 und 13° Celsius. Da braucht es dann schon ein wenig Sonne, damit ich Freddies Tür auflassen und mich die meiste Zeit draußen aufhalten würde. Auch Christian kommt hier mit seiner „kurze-Hosen-Philosophie“ zeitweise an seine Grenzen. Sein Plan ist ja, so wenige Tage wie möglich eine lange Hose anzuziehen. Heute Morgen beim Gassi Gang sind seine Hände zwischendurch leicht bläulich verfärbt 😂.
Zurück in Freddie daddelt Christian ein bisschen Zelda und ich lese die Silo Trilogie zu Ende. Zwischendurch schnacken wir mit Jenny, die ganz verwirrt ist, dass wir im Bett liegen, dafür sei doch gar nicht die Tageszeit. Wenn es draußen regnet und wir keinen Fahrtag einlegen, ist unser Bett unser Sofa. Ich würde gern wissen, wie viel Zeit wir am Ende der Reise hier verbracht haben werden. Der Tag zieht vorbei, zum Mittag gibt es ein Sandwichtoast und immer wieder zwischendurch wagen wir uns ins kalte Nass, um zum Plumpsklo zu laufen. Eigentlich ganz praktisch, wenn man zur Toilette einige Meter laufen muss, so kommt man auch an so faulen Tagen wie heute auf seine Schritte. Auch wenn die Überwindung jedes Mal ganz schön groß ist und ich mehrmals heute abwäge, dass es schon verlockend wäre einfach weniger zu trinken, um von meiner Mädchenblase nicht immer in die Kälte getrieben zu werden. Aber dann würde ich wahrscheinlich Kopfschmerzen bekommen, also beiße ich in den sauren Apfel und folge dem Ruf meiner Blase halt so oft es sein muss.
Christian macht am Nachmittag noch einiges am Laptop, sogar ein bisschen was für die Arbeit und ich suche mir eine neues Buch heraus. Ich habe noch einige runtergeladen auf meinem Kindle und entscheide mich für ein Buch von Ellin Carsta, die historische Romane schreibt. Ein bisschen leichte Kost nach dieser spannenden, aber auch in wenig deprimierenden Trilogie von Hugh Howey.
Abends gibt’s nochmal eine Gassi Runde und ich koche eine große Portion Ramen, der schön wärmt. Dazu gibt es einen Film und dann geht’s auch schon bald ins Bett. Ein herrlich unspannender Tag geht zu Ende.
P.S.: Wir sind hier viel abseits in der Natur unterwegs und der Empfang ist zum Großteil nicht vorhanden. Also nicht wundern, wenn Berichte später kommen.Baca lagi
