• Vom stehenden zum fließenden Gewässer

    7.–8. jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 19 °C

    Wir werden in aller Einsamkeit am See wach und starten in aller Ruhe in den Tag. Das Wetter verspricht nur Gutes, und so verbringen wir den Großteil des Morgens direkt vor unserer „Haustür“. Zwischendurch bekommen wir am Platz kurz Besuch: Die Toiletten werden gereinigt und mit Toilettenpapier versorgt. Auch wenn das Fleckchen am See ein offizieller, kostenloser Platz ist, kümmern sich Freiwillige um solche Aufgaben.

    Bewaffnet mit einer Tasse Kaffee spazieren wir erstmal zum „Strand“ und genießen den Ausblick auf den See, der vollkommen ruhig vor uns liegt. Eingefasst vom Wald direkt vor dem Zug des Mount Kappan ist dies wirklich ein wunderschöner Platz. Jetzt, drei Tage später, trauern wir diesem Platz etwas nach. Wir haben gestern Abend noch ein wenig hin und her überlegt, uns dann aber doch für die Weiterfahrt entschieden. Mitte Juli wollen wir in Toronto zum Konzert sein, und wir haben bis dahin noch einige „große“ Stopps in Nationalparks vor uns. Bevor wir uns jetzt abhetzen, können wir es dann lieber nach den Stopps ruhiger angehen lassen.

    Zurück an Freddie gibt es eine Premiere in unserem Urlaub: das erste Sandwich mit Erdnussbutter und Marmelade. Warum wir es bislang noch nicht gemacht haben? Selbstschutz, es ist einfach unverschämt lecker.

    Die Zufahrt zum Platz war gestern etwas abenteuerlich, und nachdem wir angekommen sind, haben wir in der Beschreibung auch gelesen, dass ein Vierradantrieb empfohlen wird. Zum Glück ist der Boden trocken und Freddie kurz und wendig genug, sodass die knapp zwei Kilometer lange Rückkehr „bergauf“ zur Forststraße ganz gemütlich nach 15 Minuten erfolgreich erledigt ist. In weiser Voraussicht haben wir diesmal auch die Äpfel aus dem Obstnetz entfernt, sodass diese nicht mahnend gegen die Wand schlagen konnten. Die Strecke bis nach Williams Lake wollen wir heute nicht komplett zurücklegen, und so haben wir uns zwei Plätze entlang des Highways rausgesucht.

    Zunächst wird Freddie aber erstmal an einer kleinen Tankstelle vollgetankt, auch wenn es hier aufgrund der Lage etwas teurer ist. Mit umgerechnet 1,40 € pro Liter ist es immer noch günstiger als zuhause.

    Wir folgen dem Highway, der sich durch die Wildnis windet, passieren immer wieder kleine Gehöfte und haben neben Gebirgszügen auch grüne Weidelandschaft vor Augen. Aber auch immer eines im Blick: schwarze, verkohlte Baumstümpfe, die den Waldbränden zum Opfer gefallen sein müssen. Auch wenn es hier unglaublich viele Flüsse und Seen gibt und wir auch die ein oder andere Portion Regen mitgenommen haben, wirkt es hier in der Ecke ziemlich trocken.

    An einem See direkt neben dem Highway halten wir kurz an. Auch hier gibt es Plätze für die Nacht, direkt neben einem See, der uns türkisgrün anlacht. Dazu scheint die Sonne und wir haben fast komplett blauen Himmel. Wäre die Orange, die hier auf dem Boden liegt, der einzige Abfall, wären wir vermutlich hier über Nacht geblieben. Aber leider sieht es an einigen Stellen aus wie auf einer improvisierten Müllkippe. Unser „Aufräumdrang“ hält sich bei diesem Anblick heute dann ziemlich in Grenzen.

    Der zweite Stellplatz ist dann auch nur noch eine halbe Stunde entfernt, und hier sieht es auch viel sauberer aus. Ob es daran liegt, dass er ein paar Meter weiter vom Highway entfernt liegt, es Mülltonnen gibt und für den Platz gezahlt werden muss? Wir rätseln darüber ein wenig, während wir in unserer Nische parken. Heute stehen wir also an einem hellblauen Fluss. Auch wenn uns eine Holzabsperrung und ein Abhang vom Fluss trennen, stehen wir keine drei Meter entfernt von diesem und können einen wunderbaren Blick auf die reißenden Fluten werfen.

    Nachdem wir angekommen sind und die üblichen Handgriffe erledigt haben, packen wir das erste Mal seit Ewigkeiten wieder unsere Decke mit den Druckknöpfen aus und befestigen diese an den hinteren Türen. Die Sonne knallt erbarmungslos, und um uns herum sind es über 20 °C, in Freddie mal wieder etwas mehr. Ein Kontrast, mit dem wir gestern Abend, als wir das Lagerfeuer bei Temperaturen, die langsam in Richtung Gefrierpunkt gingen, nicht wirklich gerechnet haben. Wir genießen das Ganze aber sehr, schließlich sind Sonnenschein und warme Temperaturen die letzten Bausteine, die uns in Kanada noch gefehlt haben.

    Wir genießen also den späten Nachmittag in der Sonne, schlürfen nochmal einen leckeren Kaffee und lassen die Seele baumeln. In der langsam untergehenden Sonne spazieren wir mit Bella einen kleinen Wanderweg entlang, der parallel zum Fluss verläuft. Das Ende des Weges taucht abrupt vor uns auf und holt uns aus unserer verträumten Wanderei zurück in die Realität.

    Bevor wir uns auf den Weg gemacht haben, hat Hanna noch einen leckeren Salat mit Thunfisch vorbereitet, der jetzt so richtig schön durchgezogen ist. Am Picknicktisch setzen wir uns nach draußen, schlagen uns den Bauch voll und genießen den Blick auf den Garten des heutigen Tages.
    Læs mere