Schöner Döner
8.–9. jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 22 °C
Na, was passiert heute Morgen wohl? Richtig! Bett umbauen, Kaffee kochen und diesen dann bei perfektem Wetter draußen genießen. Für mich gibt es dazu heute Morgen ein schnelles Müsli, während Hanna glücklich die Reste vom gestrigen Salat verspeist. Danach geht es für unsere 3er-Reisegruppe nochmal entlang des Weges am Fluss, und wir sind natürlich nicht minder begeistert von der Aussicht. Gewässer ziehen uns beide an und haben eine ziemlich beruhigende Wirkung auf uns. Aber wie kann das auch anders sein? Hanna als Kind der Sieg und des Rheins und ich, der zwischen Köttelbecke, Emscher und Rhein-Herne-Kanal im Ruhrgebiet groß geworden ist.
Wir machen uns recht zeitig auf in Richtung Williams Lake, der großen Stadt am Ende des Highways, halten aber zunächst an einer Entsorgungsstation in Alexis Creek, einer kleinen Gemeinde am Rand des Highways, und entleeren das Abwasser bzw. füllen das Frischwasser auf. Hanna kümmert sich unterdessen um das Freischalten des Berichtes von gestern und das Hinzufügen von Fotos. Zum Glück gibt es hier ein Gäste-WLAN, und so können wir nach knapp 24 Stunden ohne jeglichen Empfang auch kurze Entwarnung in der Heimat geben.
Weiter geht es entlang des Highways, und wir sehen ein ähnliches Bild wie am gestrigen Tag und können uns daran natürlich auch heute nicht wirklich satt sehen. Kanada hat es uns angetan, und wir sind schwer verliebt in die Natur und das Land. Es wirkt bisweilen wie eine weitläufigere Mischung aus Irland, Schottland und Schweden. Es wäre gelacht, wenn wir in den nächsten Wochen hier nicht auch noch einen urigen Pub finden würden.
In Williams Lake angekommen, sind wir erstmal überfordert. Hier leben zwar nur knapp zehntausend Einwohner und damit ist es eine der kleinsten Großstädte unserer Reise, aber nach über drei Wochen im Hinterland ist es doch erstmal ein kleiner Kulturschock. Wir flüchten uns erstmal in den Walmart, nutzen das große Sortiment und machen einen richtig großen Großeinkauf. Zurück am Parkplatz schaffen wir es irgendwie, alles unterzubekommen: Wir sind wieder bereit, in der Wildnis zu verschwinden.
Lust haben wir beide aber erstmal auf etwas zu futtern, und nach kurzer Recherche entscheiden wir uns für Karamias Donair: einen Dönerladen. Wir finden einen Parkplatz direkt vor dem Laden, dahinter ist die Straße gesperrt. Hier findet später eine Parade für die Abschlussjahrgänge der hiesigen Schulen statt. Wir spazieren aber erstmal in das Restaurant, und der Anblick des orientalisch angehauchten Eingangsbereiches steht absolut im Kontrast zum knödeligen Akzent, mit dem wir von zwei drahtigen Frauen jenseits der 50 begrüßt werden. Unsere überforderten Blicke zeigen wohl, dass wir hier neue Gäste sind, und so bekommen wir persönlich die besten Gerichte der Karte vorgetragen. Während es für Hanna ein reiner Lamm-Döner mit Pilzen wird, entscheide ich mich für eine gemischte Variante mit scharfer Soße und Ananasstücken.
Knapp 30 € ärmer und mit zwei in Alufolie gewickelten, dicken Dönerwraps sitzen wir ein paar Minuten später wieder in Freddie. Die Idee, beim Fahren zu futtern, verwerfe ich recht schnell; dafür ist das Ding dann doch zu „komisch“ gewickelt, und sobald etwas von der Alufolie abgewickelt wird, muss sofort hinterhergebissen werden. Nachdem wir beide den Dreh raushaben, mampfen und grunzen wir beide selig vor uns hin. Schlonzig, scharf und mit einer guten Note von Knoblauch versehen: Es ist genau das, worauf wir gerade Lust hatten!
Während wir futtern, haben wir auch ein wenig Unterhaltung auf der Straße. Schräg vor uns hat es sich eine Obdachlose auf den Stufen zu einem Tattoostudio bequem gemacht, sich eine dicke Jacke über den Kopf gezogen und versucht zu schlafen. Der Besitzer des Studios kommt wenig später angefahren, um scheinbar etwas aus seinem Laden abzuholen, und macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der Belagerung seines Eingangsbereichs. Er fordert die Dame deutlich und sichtlich gereizt auf, zu verschwinden. Um das Ganze zu unterstreichen, stößt er den Einkaufswagen mit ihren Siebensachen den Bürgersteig entlang. Dieser ist leicht abschüssig und befindet sich schnell wieder auf der Straße, rollt bergab. Der Besitzer erkennt dies dann aber sehr schnell, hastet dem Wagen hinterher und parkt ihn wieder auf dem Bürgersteig. Die Obdachlose ist sichtlich überfordert mit dem Schnüren der High-Heels, und Hanna und ich überlegen, ob die Schuhe (zusammen mit der Kleidung) ein Indiz für Tätigkeiten sind, denen sie nachgeht. Hätte man uns beim Beobachten beobachtet: Es wäre vermutlich ein Bild für die Götter gewesen.
Auch ohne dieses Paradebeispiel unsympathischer zwischenmenschlicher, städtischer Interaktion freuen wir uns auf den Stellplatz für die Nacht. Es geht gut 20 Kilometer in Richtung Norden, am längsten Fluss von British Columbia, dem Fraser River, entlang. Über eine kleine Holzbrücke auf der anderen Seite angekommen, geht es wieder ein paar Kilometer zurück in den Süden. Nach gut zwei Kilometern befinden wir uns in einem Provinzpark und fahren auf der Schotterpiste Slalom. Alle paar Meter stehen Kühe auf oder an der Straße, verputzen gemütlich das Gras und reagieren ganz unterschiedlich auf Freddie. Die älteren Exemplare scheint unsere Anwesenheit gar nicht zu interessieren, die Kälber mit ihren Müttern nehmen in alle möglichen Richtungen Reißaus. Ohne Zwischenfälle erreichen wir unseren Stellplatz. Wir stehen über dem Fluss an einem begrünten Steilhang und können einen weiten Blick über den Fluss werfen. Farblich überzeugt uns dieser mit seinen Braun- und Grautönen nicht, aber auch dieser Platz ist wie bislang alle in Kanada: wunderschön!
Nach einer ausführlichen Runde mit Bella, bei der wir uns vorsichtig an den zum Teil „flüchtenden“ Kühen vorbeibewegen, lassen wir mal wieder einen tollen Tag in Freddie ausklingen. Wieder einmal kommen wir beide zum gleichen Ergebnis: Wenn es ginge, könnten wir dauerhaft in Freddie leben, die Welt erkunden und wären dabei verdammt glücklich!Læs mere






Rejsende
Weites Land :-)
RejsendeEs ist 0:09 Uhr ich geh ins Bett gute N8 und Euch einen schönen Tag Gruß Mickey Mouse 😉
RejsendeDer frühest gelesene footprint um 03:58 für mich