Schaumparty
12.–13. jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 7 °C
Die ganze Nacht hindurch haben wir immer wieder den Regen auf den Dachluken tanzen gehört, aber am frühen Morgen ist Ruhe eingekehrt. Aus den leicht beschlagenen Heckfenstern sehen wir den Crooked River, der in aller Seelenruhe vor sich hinfließt, und immer wieder ein paar Enten und andere Wasservögel, die gemütlich auf und ab schwimmen.
Es wird erstmal Tee und Kaffee gekocht und der übliche Umbautanz in Freddie abgehalten. Während Hanna den Morgen mit Kaffee und Zigarette an der frischen Luft begrüßt, lasse ich es etwas ruhiger angehen: ein Quest bei Zelda fordert meine ganze Aufmerksamkeit. Nachdem diese dann aber geschafft ist, geselle ich mich zu den beiden und wir machen uns wenig später auf den Weg zur Runde mit Bella. Als wir die Stelle mit dem großen Bärenhaufen passieren, nutze ich schnell die Bildersuche und die Ergebnisse deuten alle darauf hin, dass sich hier ein Braunbär erleichtert hat. Wie wir gelernt haben, sind alle Braunbären in Kanada Grizzlys! Wir halten Ausschau, aber von dem Bären ist während des Spazierganges nichts zu entdecken – unterbewusst sind wir dann auch ein wenig froh darüber.
Als dann alle Siebensachen verstaut sind, machen wir uns auf den Weg. Wir waren uns gestern nicht ganz sicher, ob wir die komplett nördliche Route in Richtung des Jasper Nationalparks fahren oder den direkteren, östlichen Weg. Beim Spaziergang haben wir uns dann für den kürzeren Weg entschieden und so fahren wir mit Freddie wieder zurück in Richtung Prince George. Auf dem Weg dorthin entdeckt Hanna beim Vorbeifahren einen Bären, aber wegen des dichten Verkehrs fahren wir weiter.
An einer Tankstelle am Ortseingang machen wir Halt und nutzen dort die SB-Waschstraße, um Freddie vom Dreck der letzten Wochen zu befreien. Die Waschstraße ist richtig, richtig gut und so ist der Wagen in kürzester Zeit hinter einer dicken Schaumschicht verschwunden. Das Ganze ist zwar ein Kampf gegen Windmühlen, denn für die nächsten Tage ist wieder ordentlich Regen angesagt und es wird über die ein oder andere Waldstraße gehen, aber zumindest in den Stunden nach der Wäsche erstrahlt Freddie wieder nur in mattem Schwarz.
Hungrig machen wir Halt an einem ziemlich gut bewerteten Diner-Restaurant. Für mich gibt es eine überbackene Lasagne und für Hanna Kartoffelstampf mit panierten Kalbshackfleischschnitzeln. Der Service war super, der Kaffee heiß und lecker, das Essen: reden wir nicht drüber, aber zumindest sind wir erstmal satt. Wir machen uns auf den Weg und vergessen den kulinarischen Reinfall bald, während wir einem besonders spannenden Abschnitt bei Outlander lauschen. Für einen vermutlich halb ausgewachsenen Bären verlassen wir die Fantasiewelt kurz und machen kehrt, um uns für Fotos auf den Standstreifen zu stellen. Das hinter uns ankommende Fahrzeug erkennt wohl unsere Absicht und wird auch langsamer. Zum Glück, denn das Jungtier hatte wohl die Absicht, die Straße zu überqueren. Auch ohne das Abbremsen wäre mit Sicherheit alles gut gegangen, aber jeder kennt ja diesen Schreckmoment, wenn sich ein Wildtier – egal welcher Größe – vor einem auf die Straße stellt.
Der Trubel auf der Straße ist dann für den Bären wohl auch etwas viel und er dreht um und verschwindet hinter den Bäumen. Schade, denn er hat wirklich sehr süß und flauschig ausgesehen.
Ein paar Kilometer weiter den Highway runter machen wir Halt an einem Wald. Hier haben Einwohner aus Prince George in jahrelanger Arbeit einen Bretterpfad durch den alten Wald gebaut. Das Wetter passt, die Stimmung nach den ersten Metern auch, und so erkunden wir dieses kleine Fleckchen Erde. Es erinnert uns an den Rundweg im Pacific Rim Nationalpark (wo war der nochmal?), nur dass hier die Sonne zwischendurch deutlich durch die Bäume scheint und wir in weiter Ferne einige schneebedeckte Berge entdecken können. Das Highlight des Waldes ist ein Wasserfall, der aus einiger Höhe in die Tiefe stürzt und einen kleinen Bach mit kristallklarem Wasser nährt.
Wieder auf dem Highway überlegen wir, welchen Platz für die Nacht wir ansteuern. Zur Auswahl stehen ein Campingplatz in unmittelbarer Nähe zum Highway, eine kleine Nische an einem Bach in fünf Kilometern Entfernung von der Straße oder einer von zwei Plätzen am McGregor River. Die Satellitenaufnahmen versprechen türkises Wasser und das Ganze wird auch nochmal von Aufnahmen in der Stellplatzapp bestätigt. Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns für diesen Platz – auch wenn wir hier knapp 40 Kilometer entlang einer Schotterpiste fahren müssen. Es ist noch „einigermaßen“ früh, so dass wir es notfalls noch in der Dämmerung zurück zum Highway schaffen würden.
Die Schotterpiste ist dann bis auf wenige kurze Abschnitte mit Schlaglöchern sehr gut zu befahren, auch wenn stellenweise die Straße auf bis zu 15 Metern geflutet ist. Da der Untergrund trotzdem gut zu erkennen ist, passieren wir diese Stelle in Schrittgeschwindigkeit. Belohnt wird unsere Fahrt ins Hinterland dann mit einem Stellplatz direkt an einem Arm des McGregor River, der vermutlich in den Sommermonaten kein Wasser führt. Dieser ist nicht so matschig braun wie die anderen Flüsse, aber auch nicht so kristallklar, wie wir es schon gesehen haben. Dafür haben wir eine fantastische Aussicht auf einige Berge, die zum Teil immer noch schneebedeckt sind. Am schönsten ist aber der Anblick auf den grünen Steilhang, der von einem vom Schnee genährten Fluss geteilt wird. Links und rechts wachsen Bäume und zaubern so ein wirklich wunderschönes Bild. Wir fühlen uns hier beide richtig wohl. Nachdem wir eine Runde mit Bella die Ecke erkundet und noch Spuren anderer Camper gefunden haben (unter anderem ein selbst gezimmertes Freiluftplumpsklo mit Plastikbrille), entdecken wir auf der anderen Seite von Freddie im Wasser ein Stück Holz, das sich entgegen der Fließrichtung bewegt.
Das Stück Holz entpuppt sich als Biber, den wir in aller Ruhe bei seinen Tätigkeiten beobachten können. Mehr als einmal zucken wir zusammen, als der Biber mit seinem Schwanz beim Abtauchen laut auf die Wasseroberfläche haut. Sowohl das geschäftige Treiben im Wasser als auch die zum Teil tollpatschigen Versuche, das Wasser am Hang zu verlassen, sind unglaublich putzig anzusehen.
Wir setzen die Beobachtung beim Abendessen fort – Gurkensalat für Hanna und Müsli für mich – und entdecken kurz bevor es zu dunkel zum Beobachten wird, einen zweiten Biber.
Den Abend lassen wir mit dem Film „Schlaflos in Seattle“ ausklingen (leider gab es hier auf Amazon nur die Version mit der deutschen Tonspur). Vor kurzem haben wir Tom Hanks in einem aktuellen Interview zu den Feierlichkeiten zum D-Day gesehen und wir gewöhnen uns nur langsam an seine junge Version auf dem Bildschirm. Müde und zufrieden schlafen wir beide ein.Læs mere























Rejsende
Die Reporterin ist Gott sei Dank immer unterwegs👍❤️
Rejsende
Immer wieder toll, toll, toll👍🙂
Rejsende
Ist fast mit der Langkofelcharte in Tirol vergleichbar 😊