Einmal die Straße entlang
18.–19. jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 10 °C
Ein wenig schade ist es schon, aber wir sind ehrlich gesagt mehr dankbar, dass am Dienstagmorgen vom Schnee um uns herum auf dem Campingplatz nichts mehr zu sehen ist. In der Nacht ist es kühl geworden, aber Freddie hat die Temperatur gut gehalten, so dass wir bei knapp 17 °C auf die Standheizung verzichten können. Schon verrückt, dass es uns an manchen Tagen in der Früh in unserer gefühlt ewig weit entfernten Wohnung im Bad frisch ist und das, obwohl dort die Fußbodenheizung schon für angenehme Wärme sorgt. Wir hoffen beide sehr, dass uns der Luxus des Alltages, der irgendwann wieder einsetzen wird, noch lange, lange Zeit als etwas besonderes vorkommen wird und nicht wie eine Selbstverständlichkeit.
Den Luxus des Campingplatzes nehmen wir dann aber noch in Anspruch, als zuerst Hanna und anschließend ich unter die warme Dusche verschwinden. Während ich danach Freddie für die Fahrt des heutigen Tages bereit mache, spaziert Hanna eine Runde mit Bella. Nach ein paar letzten Trödeleien und einem gefühlt ewig Orgeln von Freddie rollen wir in Richtung der Ausfahrt und entleeren dort erstmal das Abwasser und füllen unseren Wassertank. Dabei kommen wir schnell mit einer kanadischen Familie ins Gespräch – hier sind die Eltern mit ihrem Sohn (geschätzt Mitte 20) im von ihm ausgebauten Camper unterwegs. Während sich die beiden Männer dort um das Auffüllen des Wassers kümmern, erzählt uns die Mutter von ihren Plänen und fragt ein wenig nach unserer Reise.
Die drei Kanadier sind scheinbar schon in großen Teilen Nordamerikas unterwegs gewesen und finden unseren bisherigen Reiseverlauf fantastisch und bewunderen insbesondere unseren Weg von Vancouver Island über Bella Coola in die Rocky Mountains. Es ist wirklich schön, dass wir mit unseren zum Teil “spontan” gemachten Plänen und Entdeckungen vieles richtig machen und finden unsere Art des Reisens mal wieder bestätigt!
Vom Campingplatz geht es dann schnell auf den Highway in westlicher Richtung. Wir passieren dabei die Ausfahrt zum Lake Louise, haben uns aber auch heute ganz bewusst gegen einen Besuch dort entschieden. Im Vorfeld hatte ich dort zwar ein paar Wanderungen herausgesucht, aber wir hatten beide nicht auf dem Schirm, wie stark frequentiert dieser tiefblaue See mitten im Gebirge ist. Der dortige Besucherparkplatz füllt sich trotz des Preies von 38 C$ im Sommer zumeist schon vor dem Sonnenaufgang, dafür gibt es aber wie auch in anderen Nationalparks Shuttle-Busse, die einen kostenlos von einem weiter entferntem Parkplatz zum See bringen. Hunde sind in den Bussen auch erlaubt, solange der Hund in einer Transporttasche auf dem Schoss von Frauchen bzw. Herrchen untergebracht wird bzw. werden kann. Ab einer gewissen Größe durchaus schwierig, sofern die eigenen Abmessungen nicht zu den Proportionen des Hundes passen. Wir wissen die Option mit dem Bus sehr zu schätzen, aber wer uns kennt bzw. die bisherigen Berichte gelesen hat, weiß wie sehr wir Touristenmassen lieben und so fahren wir dann am Lake Louise vorbei.
Wenn gestern auch vieles in den Wolken versteckt war, haben wir zwischendurch den ein oder anderen See am Icefields Parkway vor einem Berg hervorblitzen sehen und wollen dann dort auf dem Rückweg stoppen, um in ähnlicher Kulisse spazieren zu gehen.
Für uns geht es heute aber zurück in Richtung Westen, wenn auch knapp 350 Kilometer weiter südlich. Auf dem Weg in Richtung des Örtchen Radium Hot Springs, passieren die kontinentale Wasserscheide. Westlich von diesem Punkt fließt alles Wasser in den pazifischen Ozean, östlich davon endet das Wasser im atlantischen Ozean und das, obwohl dieser Punkt ziemlich im Westen von Kanada liegt. Mit dem Passieren dieser Steller befinden wir uns dann auch nicht mehr im Banff Nationalpark, sondern bereits im Kootenay Nationalpark. Auf dem weiteren Weg fahren wir an einigen Aussichtspunkten und Einstiegen für Wanderungen vorbei. Hier machen wir heute auf Grund des immer noch durchwachsenen Wetters keinen Halt und nehmen uns auch hier vor, auf dem Rückweg zu Halten. So genießen wir die Aussicht auf Gebirge und Flüsse während der knapp 100 Kilometer nur und kommen gegen halb eins in Radium Hot Springs an.
Wir haben auf der Fahrt Alberta verlassen und sind wieder in British Columbia angekommen und dies merken wir auch direkt an der Tankstelle, der Diesel ist hier wieder um 30 Cent teurer. Freudig überrascht sind wir beide vom Verbrauch, der trotz der ein oder anderen Stunde Standheizung bei ziemlich genau 9 Litern auf 100 Kilometer liegt.
Bevor wir uns wie geplant auf zum Stellplatz machen, gibt es aber nochmal ein “gesundes” Frühstück für uns beide vom am besten bewerteten lokalen Schnellimbiss. Während es für mich ein Sandwich mit Pommes wird, bekommt Hanna eine gefühlt riesige Portion “Breaky Poutine”. Hier gibt es neben Käsebruch und Soße Hollandaise anstelle von Bratensoße zusätzlich noch Hackfleisch, Spiegelei, Bacon und - vermutlich nur damit es halbwegs gesund aussieht - Frühlingszwiebeln. Ich bin mit meiner Wahl nicht ganz zufrieden, was aber nicht an der Qualität des Gerichtes liegt. Hanna schwebt dafür aber kulinarisch auf Wolke 7, muss aber aufgrund der Größe der Portion schon nach gut der Hälfte aufgeben. So ist dann zumindest das halbe Abendessen gesichert.
Nach der Stärkung und dem Kauf von vier Dosen Bier im hiesigen Alkoholgeschäft, geht es dann nochmal etwas über 15 Kilometer zurück in westlicher Richtung zur Settlers Road. Kurz bevor wir aus dem Gebiet mit dem Empfang fahren, bekommen noch kurz die Familien Bescheid, dass wir vermutlich für die nächsten paar Tage kein Internet haben werden. Unser Ziel für heute ist eine offizieller, aber nur von den Nutzern gepflegter, Stellplatz am Kootenay River. Der Weg über die Forststraße ist recht kurz und der Weg frei von Schlaglöchern und Wellblechmustern. Kurz bevor uns das Navi über den Fluss führt, bemerke ich, dass der Stellplatz nicht auf der anderen Seite des Flusses liegen soll. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt, dass es zwei Stellplätze zu beiden Seiten des Flusses mit gleichem Namen gibt.
Die Zufahrt zum Stellplatz erreichen wir dann nach ein paar weiteren Kilometern und schaffen schaukelnd auch die grobe, steinige Zufahrt unter dem mahnenden Knallen der Äpfel in der Obsthängematte. Am Platz angekommen bin ich zunächst erstmal etwas zurückhaltend, da der Platz auf den ersten Blick sehr einsichtig ist. Aber damit dies dann überhaupt ein wirklich störender Faktor wäre, müssten sich hier erstmal anderen Menschen befinden. Es braucht ein paar Dutzend Versuche – ich bin kurz vor dem Aufgeben – und am Ende einen Keil, der von zwei großen Steinen von Hanna unterfüttert wird, bis wir fast perfekt in Waage stehen.
Wir lassen den späten Nachmittag gemütlich ausklingen, gehen am Abend eine große Runde mit Bella in Richtung der Straße und halten dabei erfolglos nach Bären und anderem Getier aus. Ein wenig froh darüber sind wir, immerhin haben wir, auf dem Weg hierhin, keine drei Kilometer vorher noch zwei recht junge Schwarzbären aus Freddie heraus beobachten können.
Nachdem wir die restliche Poutine in Freddie verputzt haben, setzen wir uns noch etwas nach draußen und nach kurzem Zögern gönnen wir uns dazu auch das am Mittag gekaufte Bier. Während ich ein helles Kozel trinke, wird es für Hanna die dunkle, malzige Variante. Neben Käse und Brot gehört definitiv auch Bier aus der “alten Welt” zu den Dingen, die wir vermissen.
Mit den letzten beiden Folgen Eric auf Netflix lassen wir den Tag ausklingen.Læs mere











RejsendeGuten Morgen, Ich wollte Euren Bericht wie immer schon beim ersten wach werden lesen. Blöderweise sprang aus mir unerklärlichen Gründen der Ton des Videos an sodaß ich damit Regine aus Ihrem Schlaf geholt habe. Zwei Stunden Später passierte das gleiche. OHA! 😳 Dennoch schöner Bericht. Das Video schau ich vorsichtshalber xpäter! 😊
Rejsende
Das ist ein Bild für eine Fototapete👍
Rejsende
Schön sowas zu sehen, dank euch! 🙂