• Berge, so weit das Auge reicht

    25.–26. jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 13 °C

    Auch wenn die Geräuschkulisse in der Nacht eine ganz andere war als in den Tagen zuvor am Fluss, haben wir beide prächtig geschlafen. Hanna kümmert sich um Tee und Kaffee, während ich das Bett umbaue. Mit nur noch acht Stunden Zeitverschiebung und gutem Empfang rufen wir dann mal wieder bei Oma Ida an und halten einen kurzen Schnack.

    Da der Empfang gut genug ist, um endlich unseren Flug umzubuchen, suche ich die passende Nummer der Hotline heraus und rufe dort an. Aus meiner Zeit in Schweden habe ich noch einen Account bei einem Service, der Telefonate über das Internet anbietet – so kosten die Anrufe nur 0,8 Cent pro Minute anstelle der 1,49 € unseres Anbieters. Die motivierte Mitarbeiterin hat Schwierigkeiten mit dem System und kann das Ticket nicht selbst umbuchen, sondern muss die „Ticket-Abteilung“ anrufen. Nach knapp 20 Minuten Wartezeit teilt sie mir freudig mit, dass sie unseren Flug erfolgreich auf den 12. Oktober umbuchen konnte. Das größte Problem mit dieser Umbuchung hätten wohl unsere Arbeitgeber, aber ich bestehe darauf, dass der Flug auf den 12. August umgebucht werden soll. Diesmal geht es etwas schneller, bis zur erfolgreichen und korrekten Umbuchung. Obwohl ich dies eingangs des Gesprächs mehrfach erwähnt habe, frage ich nochmal nach: die Reservierung für die Tiermitnahme wurde vergessen. Nachdem ich schon einige Fragen zur Tiermitnahme bzw. zu Bella beantwortet habe, erfahre ich im Nebensatz, dass die Mitarbeiterin gerade den Vorgang zur Mitnahme von Tieren in der Kabine angestoßen hat. Da ohnehin keine Chance besteht, Bella in die Kabine zu bekommen, und wir am Flughafen das Nachsehen hätten, bestehe ich noch auf die Korrektur dieses Fehlers. Insgesamt dauert es eine Stunde, bis alles unter Dach und Fach ist. Etwas entnervt von der Bearbeitungskompetenz, aber froh darüber, dass ich den Anruf über die Internetverbindung durchgeführt habe, klettere ich um kurz vor zehn aus dem Bus. Bis der Kaffee ausgetrunken und Freddie abfahrbereit ist, dauert es dann noch bis kurz vor elf.

    Wir fahren zuerst bis an das Ende der Yoho Valley Road und lassen uns von der wundervollen Gebirgslandschaft und einem strahlend blauen Himmel verzaubern. Es ist einfach traumhaft schön. Bereits kurz bevor wir den Parkplatz am Ende der Straße erreichen, können wir den Takakkaw Wasserfall beobachten – den immerhin zweithöchsten Wasserfall im Westen Kanadas. So gut es geht, ignorieren wir den Großteil des touristischen Treibens um uns herum und folgen mit Bella dem Wanderweg in Richtung des Aussichtspunktes. Bereits kurz davor können wir die kühlende Gischt auf der Haut fühlen und spazieren dann auch nicht weiter. Die Menschendichte vor uns nimmt nur weiter zu, und mehr vom Wasserfall ist auch nicht zu erkennen, wenn wir näher kämen – weniger wäre der (Wasser-)Fall.

    Auf dem Weg zurück ins Tal bemerken wir ein Schild vor der Abfolge von zwei Haarnadelkurven mit einer Anweisung für lange Fahrzeuge und können dann auch sofort ein Fahrzeug in Aktion beobachten. Die Zufahrt bis zur ersten Kurve erfolgt geradeaus, die Fahrt bis zur zweiten Kurve dann rückwärts, sodass man von der zweiten Kurve aus direkt in der richtigen Fahrtrichtung steht. Mit seinen knapp sechs Metern und dem noch gefälligen Wenderadius können wir auf solche Spielchen verzichten und rollen nach den beiden Kurven ganz entspannt weiter. Am Campingplatz machen wir dann noch einmal Stopp und füllen unseren Wassertank auf. In Erwartung der steilen Auf- und Abfahrt zu den Wasserfällen hatten wir vor der Abfahrt auf die Füllung verzichtet.

    Den Yoho Nationalpark und die traumhafte Kulisse haben wir dann schnell hinter uns gelassen. Leider entdecken wir entlang des Highways keine Bären – wahrscheinlich haben die Tiere gelernt, dass der sehr dicht und schnell befahrene Weg kein Futter bereithält. Gegen 13 Uhr erreichen wir dann die Zufahrt zum Icefields Parkway, und auch hier, zwischen den Bergen, ist das Wetter traumhaft. Ob es nur am Wetter liegt oder daran, dass wir uns mittlerweile etwas näher an der Hauptsaison befinden, wissen wir nicht, aber der malerische Weg durch die Rocky Mountains ist sehr voll. Die Parkplätze an den Aussichtspunkten, insbesondere am Herbert und Bow Lake, sind vollkommen überfüllt und die Fahrzeuge stauen sich und parken zum Teil schon auf den Zufahrtsstraßen zu diesen Punkten. Unser Drang, das nächste Fahrzeug in einer solchen Blechkolonne zu sein, hält sich in Grenzen, und so genießen wir die Aussicht entlang des Weges. Wie gut, dass wir das Aufsaugen von Eindrücken in Bewegung schon fast zur Perfektion gebracht haben.

    Die leckere Pizza in Jasper lockt uns beide, aber wir entscheiden uns dann doch für einen Stopp an einem der Campingplätze entlang des Icefields Parkway. Wir finden den fast letzten Stellplatz auf dem Waterfowl Lake Campground, der einen Blick auf einen türkis-klaren Fluss zwischen ein paar Bäumen hindurch bietet. Anders als bei den Campingplätzen, die noch vor Jasper liegen, gibt es hier ein paar Rundwege, die zum Spazieren und Verweilen mit Bella einladen, und wir nutzen diese Möglichkeiten, während wir hier gemütlich den Nachmittag und Abend verbringen.
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