• Zurück in die Zivilisation

    24.–25. jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 11 °C

    Heute ist es soweit, wir haben uns fest vorgenommen und heute von diesem Traum Ort loszueisen. Gestern Abend hat es geregnet und in den letzten zwei Tagen ist der Flusspegel ordentlich gestiegen. Dies liegt allerdings wahrscheinlich hauptsächlich am guten Wetter der letzten Tage und der Schneeschmelze. Tatsächlich hat der Fluss an Breite bestimmt zwei Meter auf beiden Seiten zugelegt.

    Wir genießen am Platz noch einen Kaffee, und Christian beginnt aus Selbstschutz, Freddie schon mal für die Abfahrt vorzubereiten, bevor wir es uns doch noch ein sechstes Mal anders überlegen. Dieser Ort ist der erste, an dem wir so lange am Stück standen, und es fühlt sich wirklich fast schon heimelig an. Verrückt sich vorzustellen, dass dies wahrscheinlich auch die längste Zeit ohne Internet und Handyempfang war, seit wir beide Handys und Internetzugang besitzen. Noch mehr verwundert uns, dass es uns für die Zeit überhaupt nicht schwergefallen ist, nicht zum Handy zu greifen. Während wir bisher auf der Reise an Plätzen mit wenig Empfang teilweise über eine Stunde lang versucht haben, Berichte hochzuladen oder unbewusst beim Entsperren des Handys automatisch Messenger, Mails oder Instagram geöffnet haben, war dies hier von Anfang an überhaupt kein Problem. Wenn man weiß, dass es so absolut gar keinen Empfang gibt, greift man höchstens zum Fotografieren zum Handy.

    Nun aber packen wir unsere sieben Sachen wieder zusammen und rollen nach einem kurzen Gespräch mit einem Anwohner, der mit seinem Auto zum Platz gefahren ist, einfach um die Aussicht zu genießen, los. Eine holprige Schotterpiste später rollen wir wieder in den Kootenay National Park und finden uns kurze Zeit später in Radium Hot Springs wieder. Hier wird den Familien erstmal wieder ein Lebenszeichen geschickt und Bescheid gegeben, dass alles feinstens ist. Wir parken eine Weile am Straßenrand und während ich mich um die Besorgung eines gesunden Frühstücks kümmere (natürlich gibt es Poutine), organisiert Christian das Hochladen der getippten Berichte, das Herunterladen von weiteren Folgen unserer aktuellen Serien, das Zusammenstellen einer Amazon-Bestellung und viele kleine andere Dinge. Ich verliere mich auch in den aktuellsten Mails und ein wenig Organisation. Nach einer guten Stunde Straßenrand-Internetterei geht es weiter in Richtung Yoho National Park. Die Landschaft ist ein Traum, weite, saftiggrüne Wiesen, alleinstehende Blockhütten, tiefgrüne Wälder, riesige schneebedeckte Berge und unglaubliche Weite begleiten uns den ganzen Tag. Wir stoppen auf Emilies heißem Tipp beim „Beehive“ und gönnen uns neben Zimt-Alfalfa-Honig, Rhabarber- und Ingwermet und Bison-Salami einen Kaffee und ein Eis für den Weg. Wenn ich das hier so schreibe, ein ganz schön bunter Mix. Wir rollen weiter und entscheiden uns in der Kleinstadt Golden dafür, unsere doch sehr abgegrasten Vorräte wenigstens basal aufzufüllen, bevor wir dies im wahrscheinlich mittlerweile um einiges touristischeren Jasper machen müssen. Wir stehen nur noch wenige Tage vor Beginn der Hochsaison und dem Start der Sommerferien in Kanada und stellen uns darauf ein, dass im kleinen beschaulichen Jasper wahrscheinlich beim zweiten Durchfahren die nächsten Tage um einiges mehr los sein dürften.

    Wir fahren kurz vor dem Yoho National Park ein paar Wildcampingplätze an, die allerdings ordentlich überfüllt sind. Da wir uns dort nirgendwo dazu quetschen wollen, entscheiden wir uns dazu, bereits heute in den Yoho hineinzufahren und dort einen der kostenpflichtigen Campingplätze anzufahren, auch wenn dies noch ordentlich Strecke bedeutet. Gesagt, getan. Es ist zwar einerseits eigenartig, wieder „on the road“ zu sein, aber irgendwie sind wir wieder voller ordentlicher Entdeckerlust und bestaunen gerne die Szenerie, die begleitet von unserem Hörbuch an uns vorbeizieht. Nachdem uns der erste Nationalpark-Platz ebenfalls nicht anspricht, fahren wir noch etwas weiter bis zum nächsten und erreichen diesen dann mit ordentlich steifen Gliedern und sind zufrieden, hier für eine Nacht ein Plätzchen gefunden zu haben.

    Wir drehen noch eine Runde mit Bella und verkriechen uns dann wieder in Freddie. Hier bearbeite ich noch ein paar der Bilder der letzten Tage, während Christian die gekauften Erdbeeren verarbeitet und den Teil der Eier, der nicht in den Kühlschrank passt, abkocht. Später gibt es eine Brotzeit und zwei Folgen Dexter, bevor wir einschlummern.
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