Pizza zum Abschied
26.–27. jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 20 °C
Wir wachen bei sonnigem Wetter auf und werfen einen Blick auf unseren aktuellen Hinterhof. Langsam stellt sich ein wenig Wehmut ein, denn wir wissen, dass sich unsere Zeit in den Rocky Mountains dem Ende zuneigt. Diese türkisfarbenen Flüsse, die riesigen Berge und die atemberaubenden Kulissen werden uns wirklich fehlen. Christian geht heute Morgen eine Runde mit Bella, während ich Freddie für die Fahrt vorbereite. Natürlich genießen wir noch unser Morgenkäffchen am Platz, aber dann geht es auch schon zur Abwasserstation, bevor der Parkway nach uns ruft.
Hier werden wir von einem Deutschen angesprochen. Wir verquatschen uns mit ihm und seiner Frau, die aktuell einen Camper von der Ostküste der USA nach Anchorage in Alaska überführen. Eine recht günstige Möglichkeit Urlaub zu machen, wenn auch zeitlich eng getaktet. Christian und ich hatten uns vor Jahren schon mal damit beschäftigt, da dies eine günstige Alternative zum Mieten eines Campers ist. Die beiden müssen lediglich den Sprit zahlen und nutzen die Vorzüge des Wohnmobils, während sie es für die Besitzer an den Zielort bringen. Die beiden kommen aus Bonn und interessieren sich besonders für unsere Bereifung, die sie selbst auch schon länger für ihren Sprinter ins Auge gefasst haben. Da sie praktischerweise recht nah bei uns in Deutschland wohnen, geben wir ihnen kurzerhand die Nummer unseres Reifenhändlers in Neuss, der uns die Reifen aufgezogen, den Tacho angepasst und alles für die Eintragung in den Fahrzeugschein vorbereitet hat. Die beiden sind so begeistert von den Reifen, da sie vor einiger Zeit mit einem im Sudan gekauften Jeep mit Dachzelt und eben dieser Bereifung durch Afrika bis nach Kapstadt gereist sind. Nach einer guten halben Stunde verabschieden wir uns, leeren noch unseren Pipitank und machen uns auf den Weg.
Heute zeigt sich der Icefields Parkway von seiner besten Seite. Besonders die vereinzelten Gletscher, die die Straße säumen, faszinieren uns. Wir kommen nicht umhin, darüber zu sinnieren, wie das wohl vor ein paar Jahren ausgesehen haben mag. Auch verrückt, dass wir vor einigen Tagen, als wir hier entlang gefahren sind, von all dem wirklich nichts gesehen haben. Das Columbia Icefield, der größte Gletscher der Rocky Mountains, liegt direkt an der Straße, in perfektem Sichtfeld, und während unserer letzten Tour war er nicht einmal zu erahnen. Wie gut, dass wir die Strecke nochmal fahren. Auch wenn es über 270 km die gleiche Strecke sind, die Ausblicke sind fantastisch und man fühlt sich, als würde man nonstop an einem wunderschönen, AI-generierten Naturspektakel vorbeifahren.
Wir tanken zwischendurch auf, halten hier und dort und kommen am frühen Nachmittag in Jasper an. Heute ist zwar mehr los, aber auch jetzt ist es nicht unangenehm voll. Wir haben uns vorgenommen, nochmal die leckerste Pizza unserer bisherigen Reise zu genießen und uns so quasi von den Rockies zu verabschieden. Da das Wetter heute angenehm warm ist, schnappen wir uns Bella und setzen uns auf die Außenterrasse. Wir sind im Nachhinein immer noch so in den Geschmack der letzten Pizzas verliebt, dass wir es nicht schaffen, eine andere Sorte zu bestellen. Wir bereuen es nicht. Allerdings genießen wir zur Vorspeise diesmal keine Knoblauch-Knoten, sondern crunchy Blumenkohl, der scharf mariniert ist. Auch sehr lecker.
Beim Bezahlen kommen wir mit dem Kellner ins Gespräch, der wohl auch viel und gern die Welt entdeckt. Er ist der Ansicht, dass vier Monate die beste Zeit zum Reisen sind, und er versteht nicht, wie manche Leute über Jahre in ihrem Camper leben und herumreisen können. Da bin ich und ich glaube auch Christian nicht ganz seiner Meinung. Wir beide könnten uns wirklich gut vorstellen, einfach auf unbestimmte Zeit mit Freddie und Bella weiter die Welt zu entdecken und zwischendurch unsere Liebsten zu besuchen. Irgendwann, wenn wir genug davon hätten, würden wir dann irgendwo ein kleines Hexenhäuschen im Grünen oder am Meer kaufen und dort alt und noch grauer werden. Schöne Vorstellung.
Nach der Pizza gibt es einen Gassigang durch das Städtchen und einen kleinen Powernap in Freddie auf dem Parkplatz, bevor wir noch ein Stückchen weiterfahren. Wir hatten vorher bereits überlegt, ob wir uns nochmal auf dem Whistlers Campground im Nationalpark einbuchen oder ob wir heute noch aus Jasper herausfahren. Da es noch nicht allzu spät ist und wir noch ein bisschen „Fahren“ fühlen, geht es also weiter gen Osten durch Alberta. Die Landschaft verändert sich recht schnell, der Blick geht weiter in die Ferne und die Bergriesen mit Schneespitzen sind schneller als uns lieb ist hauptsächlich durch den Rückspiegel auszumachen. Unsere Wehmut wächst, als sich der Himmel immer weiter zuzieht und die Berge schnell gar nicht mehr zu sehen sind.
Abends kommen wir am „La Biche River“ an, einem netten Plätzchen im Nichts mit einem theoretisch zauberhaften Ausblick auf die Rockies. Aber heute nicht; leider nein, leider gar nicht. Wir haben unser Ankommen unbewusst gut zeitlich abgepasst. Als wir uns gerade ausgerichtet haben, öffnet der Himmel alle Schleusen und ein Gewitter zieht ziemlich genau über uns auf. Ich glaube, ich habe heute den lautesten Donner meines Lebens gehört. Gemütlich ist es dennoch in Freddie, ich bin ja immer sehr froh um den Faradayschen Käfig, der durch unsere Blechhütte um uns gebildet wird. Das Gewitter zieht recht schnell weiter. Zum Abendessen gibt es nur einen kleinen Salat, weil wir immer noch gut gefüllt von der Pizza sind. Später kuscheln wir uns ein, schauen Dexter und Bella kommt noch in den Genuss einer kleinen Gassirunde, als es von oben wieder trockener ist.Læs mere







Rejsende
Jep, aber es dauert noch was bis Du es Dir holen kannst 😊
Rejsende
Ja das kann man gut verstehen.
RejsendeWirklich unbeschreiblich