Roadtrip, die Zweite
2.–3. jul. 2024, Canada ⋅ 🌧 15 °C
Heute heißt es mal wieder „Aufbruch und weiter geht’s“. Nach dem entspannten Tag des Nichtstuns gestern ist unser nächstes Ziel der Quetico National Park, mal wieder gut 1600 km entfernt. Dazwischen haben wir keine fixen „Must-sees“ und so wollen wir recht planlos um kurz nach 11 vom Platz in Richtung Ontario aufbrechen. Der Prince Albert National Park liegt noch in Saskatchewan. Bis zum nächsten Stopp in Ontario müssen wir also noch Manitoba, einen weiteren Staat, der flächenmäßig mal eben dreimal so groß wie Deutschland ist, durchqueren. Los geht’s also, mal schauen, ob und wie sich die Landschaft auf den nächsten hunderten Kilometern so entwickeln wird. Bis zum National Park zeigte sich Saskatchewan mit absoluter Weite, Felder über Felder sind an Freddies Scheiben vorbeigeflogen und es war der absolute Kontrast zu British Columbia und dem Westen Albertas.
Wir fahren eine nördliche Route und halten von Norden aus auf zwei riesige Seen Manitobas zu, den Lake Winnipeg und den Lake Winnipegosis. Mit Einfahrt nach Manitoba erreichen wir mal wieder eine neue Zeitzone. Mittlerweile trennen uns zeitlich nur noch sieben Stunden von zu Hause.
Manitoba zeigt sich recht ähnlich wie Saskatchewan, abgesehen davon, dass wir durch die Seenlandschaft mehr Wasser zu Gesicht bekommen. Wir machen wenige Pausen, Christian bereitet zum „Frühstück on the road“ einen Snackteller vor, während ich eine Pippi-Pause einlege. Mit Crackern, Salzbrezeln, Käsewürfeln, Würstchen, Gurke und Möhre fahren wir zufrieden mümmelnd weiter, immer der Nase nach. Wir merken, dass wir es heute besonders genießen, die Welt an uns vorbeiziehen zu sehen und unserem Hörbuch zu lauschen, sodass wir uns entscheiden, einfach ordentlich Strecke zu machen, bis wir keine Lust mehr haben. Die Straßen gewähren uns endlose Blicke bis zum Horizont, es gibt wenige Kurven und mit uns sind noch weniger Autos auf der Straße als sonst sowieso schon.
Der Tag verfliegt, wir rollen und rollen, machen wenige Pausen, lediglich um zur Toilette zu gehen oder zu tanken, und thronen den Rest der Zeit selig im Fahrerhaus und genießen die Aussichten. Es sind in unserer täglich genutzten App nicht ganz so viele Stellplätze ausgeschildert. Wir gehen allerdings davon aus, dass dies weniger daran liegt, dass es keine gibt, sondern wahrscheinlich viel eher den Grund hat, dass sich wirklich wenige Touristen nach Manitoba verirren. Versteht uns nicht falsch, die Landschaft ist ebenfalls wunderschön, Natur pur umgibt uns, wir passieren lediglich kleine Dörfchen bzw. eher kleine Hausansammlungen und sehen den ganzen Tag über nur zwei Camper, die uns entgegenkommen.
Wir fahren einen Platz an, der direkt am Lake Winnipegosis gelegen ist. Es ist mittlerweile bereits kurz nach 20 Uhr und wir haben heute 588 Kilometer gemacht. Zeit anzukommen, wir haben Appetit und unsere Körper freuen sich darauf, andere Positionen als die Sitzende einnehmen zu dürfen. Der Platz sieht einladend und schön verwildert aus. Nach der Ankunft drehe ich mir ein Willkommens-Zigarettchen und will dieses draußen genießen, bevor ich mich ans Kochen mache. Ich mache also die Tür auf, nehme Bella mit raus und will mich gemütlich in die Pampa setzen – doooch: weit gefehlt, denn der Plan stellt sich als unmöglich umsetzbar heraus. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Mücken auf einen Haufen gesehen. Okay, vielleicht in Schottland, aber da handelt es sich um Mini-Mücken – Midges, klein und nervig, aber das hier… das sind einfach riesige Tigermücken, die im Pulk und in einer Lautstärke um einen herum summen, dass man sich auf nichts anderes konzentrieren kann. Innerhalb eines Augenschlags sitzen fünf Mücken auf meinem Bein und pieksen ihre Rüssel fleißig durch meine Leggings in mein Fleisch – die Viecher sind so groß, dass man sogar den Stich merkt.
Ich bleibe also natürlich nicht sitzen, sondern stehe schnell auf und führe einen Ganzkörper-Schublattler auf. Jut, Bella muss aber bewegt werden und ich habe die Hoffnung, dass die Viecher einen im Laufen vielleicht eher in Ruhe lassen. Wir halten es eine kurze Strecke aus, bis Bella dreimal gepieselt hat und ich gefühlt 30 Mücken von Ohr, Gesicht, Händen und Beinen geklatscht habe. In Freddie angekommen, muss ich Christian leider eröffnen, dass Bella noch kein großes Geschäft erledigt hat und er später nochmal ein Ründchen raus muss. Ich kümmere mich erst mal ums Essen, da es bereits so spät ist. Schnell ist Reis mit einer Gemüse-Erdnusssoße gezaubert, während Christian den Gassigang sofort hinter sich bringen wollte. Als er zurückkommt, ist auch er vollkommen entsetzt von der Mückensituation und plant nach dem Essen noch weiterzufahren. Dadurch, dass wir uns allerdings auf halber Strecke zwischen den Seen befinden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es an einem anderen, recht schnell erreichbaren Platz, besser sein würde, gering. So schnabulieren wir also das Abendessen, entscheiden uns zu bleiben und beschäftigen uns den Rest des Abends neben dem Serien-Schauen noch mit der Mückenjagd in Freddie. Zwar sind nicht viele mit in Freddie gelangt, als wir unter die Decke kriechen, aber 20 Mücken haben wir bestimmt noch eliminiert. Mit stetigem Surren in den Ohren, das durch unsere mit Mückenschutz bezogenen Dachfenster klingt, schlummern wir ein.Læs mere





Rejsende
Wow ein Poet in Kanada :-) Was Mūckengift doch alles bewirkt. Es juckt mich ja schon
Rejsende
Ja das sieht schon extrem aus bei euch, aber bei uns sind Sie im Moment auch gut vertreten😭
Rejsende
Geilomat