• Wasserfälle

    6.–7. jul. 2024, Canada ⋅ ☀️ 27 °C

    Wir wachen in unserer kleinen gemütlichen Höhle auf. Wie schon die letzten paar Tage, kostet es mich ganz schön Überwindung, den ersten Schritt vor die Tür zu wagen, um die Moskitolage zu checken. Die Morgenroutine besteht mittlerweile darin, lange Klamotten anzuziehen, alle freiliegenden Körperstellen mit Stinke-Antimückencreme einzureiben und dann "Augen zu und durch" vor die Tür zu springen, um das Mückennetz schnell hinter mir zu schließen. Danach verharre ich kurz und warte ab, was passiert. Heute - nach ein paar bangen Atemzügen - richte ich mich auf und atme durch. Es ist der erste Morgen der letzten Tage, an dem nicht nach kürzester Zeit blutsaugende Ekelviecher gegen meinen Kopf fliegen und mir laut in den Ohren summen. Um mich herum sammeln sich lediglich 3-4 geflügelte Rüsselkumpanen, die sofort weiter surren, sobald sie merken, dass ich Chemiekeule im Gesicht kleben habe. Damit lässt sich doch arbeiten.

    Nachdem ich Christians bange Frage nach der Mückenvorhersage außerhalb des Vorhangs beantwortet habe, hole ich Bella an die frische Luft, und wir machen uns auf zur üblichen Morgenrunde. Christian kümmert sich derweil wie auch schon die letzten Tage um die Kaffee- und Teeversorgung.

    Heute genieße ich den Kaffee sogar draußen, natürlich im Schutz von Thermacell, aber immerhin - so lässt es sich aushalten. Ich halte einen kurzen Videochat mit Oberauel, während Christian sich derweil zum Duschen begibt. Als er wieder da ist, packe auch ich meine sieben Sachen und genieße die kühle Brause. Die Duschen sind zwar nur lauwarm, aber dafür umso erfrischender. Heute sind die Temperaturen auch ordentlich sommerlich, sodass das kühle Nass angenehm erfrischend ist. Hier müssen wir den Platz erst um 14 Uhr freimachen, das entzerrt die Aufbruchsstimmung sehr und man hat auch am Abreisetag noch etwas vom Stellplatz.

    Zurück bei Freddie bereiten wir uns auf die Abfahrt vor und nehmen als kleinen Snack etwas Obst mit nach vorne. Heute geht es weiter zu den Kakabeka Falls, einen Platz hat Christian dort schon reserviert. Nach einem Stopp an der Abwasser-, Müll- und Frischwasserstation sind wir wieder bestens vorbereitet und machen uns auf den Weg. Die Strecke ist nicht allzu weit, wir haben nur knappe zwei Stunden Fahrt vor uns, die recht unspektakulär mit unserem Hörbuch in den Ohren an uns vorbeiziehen.

    Kurz vor den Kakabeka Falls überkommt uns die Lust auf Eis, und wir steuern einen Eisladen im Dörfchen an, den uns Google Maps empfohlen hat. Ein Eis ähnlich wie ein McFlurry und zwei normale Eiskugeln später, erreichen wir unseren Stellplatz für den Tag. Wir haben einen kleinen Nischenplatz in der Nähe der Toiletten und sind erstmal zufrieden, da sich hier die Mücken- und Fliegenpopulation im Vergleich zu den letzten Tagen ordentlich in Grenzen zu halten scheint. Gerade als ich von der Toilette zurück zu Freddie gehe, spüre ich unter meinem Oberteil einen heftigen Stich, sodass ich mich unkontrolliert versuche auf den Rücken zu schlagen. Offensichtlich hat sich auf der Toilette eine Biene oder etwas ähnliches unbemerkt unter mein Oberteil verirrt. Christian ist sichtlich verwirrt, als ich an ihm vorbeirasen, in Freddie springen und meine Kleidung von mir werfen, in der Hoffnung, dass das Stechen aufhört. Auf meinem Rücken ist ein ordentlicher Stich zu sehen, und innerlich bin ich resigniert. Kaum habe ich keine Mückenstiche mehr, gesellt sich ein anderer Stich zu den anderen. Vor lauter Frust verkrieche ich mich mit meinem Buch aufs Bett, lese etwas und mache dann ein Nachmittagsschläfchen, während Christian ebenfalls eine Pause einlegt.

    Gegen frühen Abend beschließen wir, mit Bella ein Ründchen zu drehen und uns die Kakabeka Falls anzuschauen, immerhin die zweithöchsten Wasserfälle in Ontario. Hier im Provincial Park sind viele schöne kleine und größere Wanderungen angelegt, und wir sind froh, am Ende einen wunderschönen 5 km langen Spaziergang mit Bella gemacht zu haben. Der Wasserfall ist beeindruckend, und die Route führt schön durch den Wald und entlang des Flusses. Solche Erlebnisse haben wir die letzten Tage vermisst, und wir sind super dankbar dafür, dass man auch in einem ungewöhnlich mückenreichen Sommer in Ontario Orte finden kann, die weniger von den kleinen Quälgeistern geplagt sind.

    Zurück bei Freddie zaubere ich uns eine riesige Portion Salat, die wir auf dem Bett genießen, während wir ein paar Folgen Dexter schauen. Danach klingt der Abend entspannt aus, und wir schlummern glücklich über diesen Tag ein.
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