• La dolce far niente

    8.–10. jul. 2024, Canada ⋅ ☀️ 16 °C

    Wir wachen auf an diesem wunderschönen Ort und nach dem ersten Öffnen der Tür sind wir mehr als selig, als wir merken, dass sich hier die Moskitos scheinbar tatsächlich nicht so wohl fühlen wie an all den anderen Orten der letzten Tage. Es surrt und summt zwar hier und da, aber es ist kein Vergleich zu den Moskitowolken der letzten Tage. Ich schnappe mir Bella und wir drehen eine zwei-Kilometer-Runde um den Campground und bestaunen die Zelt- und Campervan-Forts, die hier zum Teil mit Lichterketten und allerhand Equipment dekoriert wurden. Das seichte Schwappen des Wassers dieses größten Sees der Welt an den Sandstrand wirkt beruhigend, und ich freue mich jetzt schon auf die entschleunigten Tage, die hier vor uns liegen. Zurück an Freddie hat Christian bereits Kaffee und Tee aufgesetzt. Ich schnappe mir unsere wuchtigen Campingstühle aus dem Kofferraum, die wir nur super selten aus Freddie herausmanövrieren, weil wir meist zu faul sind, sie am Ende eines kurzen Halts wieder in den Kofferraum hinein zu basteln.

    Mit Kaffee und Kindle bewaffnet vergehen die Stunden. Auch Christian hat sich ein kleines Sonnenfleckchen an unserem hauptsächlich schattigen Plätzchen auserkoren und versinkt in der Silo-Reihe, die ich noch vor kurzer Zeit auf seine Empfehlung hin gelesen habe. So verstreicht der Vormittag und auch der frühe Nachmittag. Christian verkriecht sich zwischendurch in Freddie und daddelt ein wenig Zelda, während ich uns einen Porridge zum Frühstück zaubere. Durch den Schatten und den angenehmen Wind, der hier weht, wird es zwischenzeitlich draußen sogar ordentlich zugig, sodass wir einen guten Teil des Nachmittags in Freddie eingekuschelt auf dem Bett lesend, daddelnd und Serie schauend verbringen. Zwischendurch gibt es noch ein Schläfchen und gegen Abend eine ordentliche Portion Nudeln mit Aglio e Olio und frischem Gemüse, die wir draußen an der frischen Luft genießen. Es ist so ein ganz anderes Gefühl, wenn man jederzeit unbedacht nach draußen hüpfen kann, einen Großteil des Tages draußen verbringen kann, ohne sich mit irgendeiner Mückenabwehr einschmieren zu müssen.

    Nachdem Christian an der frischen Luft gespült hat und sich zu einer Runde mit Bella aufmacht, kuschle ich mich bei frischen 17°C in Freddie unter unsere Wolldecke, habe drei Kerzen an und versinke wieder in meinem Buch. Christian und Bella sind eineinhalb Stunden unterwegs und sind alle Campingplatzschlaufen einmal abgelaufen. Die Schlaufe, die etwas abseits an einem Flusszulauf liegt, zeigt sich Ungeziefer-technisch wohl in einem ganz anderen Licht. War ich zu Beginn noch unsicher, ob es klug ist, einen Platz sofort am Wasser zu wählen, bin ich nun doppelt froh, auf Christians Bauchgefühl gehört zu haben. Wir schauen gemeinsam noch ein bis drei Folgen Dexter und schlummern dann in Vorfreude auf den nächsten Bummeltag ein.

    Auch am nächsten Morgen ist der Ablauf der gleiche. Wir starten vollkommen entspannt und entschleunigt in den Tag, und Bella und ich nehmen auf dem Rückweg der Gassirunde den Strand mit. Barfuß durch den Sand bei einer leichten Brise und frischer Luft. Und dann nur ein paar Meter durch den Wald zu unserem Vorgarten für drei Tage und hin zum himmlischen Kaffeeduft. Wieder besteht unser Tag, wie schon gestern, aus lesen, daddeln, frischer Luft, leckerem Essen (Ramen und Kartoffelpüree mit Gemüse), Weinchen, Quatschen, dösen und einfach nur Seele baumeln lassen. Hier fühlen wir uns pudelwohl und können uns vorstellen, eventuell sogar zu verlängern.
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