• Umzug, Sommer, Sonne und Sonnenschein!

    Jul 10–12, 2024 in Canada ⋅ ☀️ 20 °C

    Nach zwei Tagen des süßen Nichtstuns, werden wir gut erholt am Mittwochmorgen wach. Unser Tag beginnt fast so wie die letzten beiden. Nachdem wir Geburtstagsgrüße an Tim senden (alles so viel leichter, wenn es nur noch sechs Stunden Zeitunterschied hat), kommt gegen 13 Uhr etwas Leben in die „Blechbude“. Gestern am späten Nachmittag ist der Würfel gefallen und wir haben uns dafür entschieden zwei weitere Nächte an diesem wunderschönen Flecken zu bleiben.
    Dafür müssen wir dann aber auch mit Freddie einmal umziehen: wir haben noch einen Platz im ersten Bereich bekommen. Dazu ist das Wetter ab heute auch noch besser geworden: perfekt!

    Gegen 14 Uhr rollen wir also von unserem Platz. Unsere Siebensachen (Stühle, Feuerholz, etc.) haben wir erstmal nach vorne gestopft, Bella und Hanna fahren die paar Kilometer bis zum anderen Platz hinten mit. Nach einem Zwischenstopp an der Entsorgungsstation kommen wir dann an unserem neuen Domizil an. Wir parken so, dass wir direkten Seeblick aus Freddie haben. Damit steht das Heck dann fast in Richtung Westen, perfekt um nicht von der Morgensonne gegrillt zu werden.
    Schnell sind unsere Siebensachen wieder ausgeräumt, diesmal gesellt sich auch unsere Dachleiter dazu und ich rolle das Stand-up-Paddle-Board aus und pumpe es zügig auf, muss aber zwischendurch kurz pausieren: in der prallen Sonne ist das ganz schön anstrengend (zumindest, wenn man es wie ein Halbwahnsinniger macht, wie ich).

    Wir lassen den Platz erstmal auf uns wirken und frühstücken in aller Seelenruhe. Auch wenn wir aufgrund der „Premium-Lage“ für zwei Nächte hier ebenso viel zahlen, wie für die drei letzten Nächte, sind wir damit absolut fein 🌞
    Während ich es mir mit Bella zum Teil in der Sonne und zum Teil im Schatten mit meinem eBook gemütlich mache, schlüpft Hanna in ihre Badekleidung, cremt sich ordentlich ein und verschwindet das nächste Stündchen auf dem Wasser. Nach den beiden letzten Tagen im Wald bei ohnehin nur wenig Sonnenschein, ist es hier wirklich perfekt.

    Es ist mittlerweile früher Abend, als Hanna strahlend mit dem Brett vom Strand zurückkommt und sehr, sehr zufrieden ist. Über 5 Monate hat es gedauert, bis das ganze drumherum mal so gepasst hat, dass es sich gelohnt hat. Vor ein paar Tagen im Quetico Provincial Park, hatten wir auch kurz darüber nachgedacht, aber das ständige Surren im Ohr hat uns davon abgehalten.
    Nachdem ich die eine gemütliche Hose gegen die gemütliche Badehose getauscht habe, begebe ich mich aufs Wasser, verbringe aber den Großteil sitzend und paddelnd auf dem Board. Das Wasser ist unglaublich klar und erst gut 30 Meter vom Ufer entfernt, wird es tiefer als zwei Meter. Die Oberflächentemperatur des Lake Superior beträgt im Jahresmittel 4°C, im Juli sind es in den letzten Jahren zumeist zwischen 11-14°C gewesen und meine Füße als geeichtes Thermometer bestätigen mir, dass es auch unter der Oberfläche nicht wesentlich wärmer ist. Trotzdem ist die Abkühlung durch das Nass zwischendurch sehr willkommen.
    An der Mündung des Little Pic Rivers in den Lake Superior angekommen, sind die unterschiedlichen Wasserströmungen klar zu erkennen. Während in einem Augenblick das Wasser noch klar ist, ist es im nächsten undurchsichtig und bräunlich. Ich wende schnell und mache mich auf den Rückweg.
    Zurück am Platz wird das Board hinter Freddie verstaut und ich marschiere fast direkt mit Bella los, während Hanna sich um das Abendessen kümmert. Eine Stunde später sind wir zurück und Hanna hat den Zeitpunkt für das Fertigwerden der Feta-Tomaten-Nudeln perfekt abgestimmt. Zusammen mit einem Rotwein in der langsam untergehenden Sonne ist es ein wundervoller Ausklang eines perfekten Tages.

    Nachdem es dunkel geworden ist, klettern wir langsam in Freddie und versinken vollkommen in die letzten Folgen der vierten Staffel von Dexter. Als wir mit einem Schrecken feststellen, dass es bereits drei Uhr am Morgen ist, machen wir uns schleunigst für das Bett fertig. Hanna ist schon halb dösend, als ich im Bett liegend einen ziemlich klaren Sternenhimmel durch die Dachluke erahnen kann.
    Ich hüpfe nochmal aus dem Bett und schmeiße mir schnell eine Hose und ein Shirt über und klettere leise über die Fahrerkabine nach draußen. Es ist fast vollkommen dunkel – einzig und allein eine einsame Telefonzelle in direkter Nähe zu Freddie wirft ein diffuses Licht. Ich stelle mich hinter Freddie, wo das Licht nicht blendet und ein paar Augenblicke später habe ich mich an die Dunkelheit gewöhnt und bin vollkommen überwältigt. Mit zwei Sätzen habe ich Hanna überzeugt und auch sie gesellt sich zu mir. Die nächsten 20 Minuten stehen wir beide mitten in der Nacht hinter Freddie und bewundern die Milchstraße, die sich in einem breiten Streifen fleckig über fast den ganzen Himmel zieht.

    Am Donnerstagmorgen lassen wir es langsam angehen und starten gegen 10 Uhr gemütlich in den Tag. Bis in die frühen Abendstunden ist es sonnig und wir verbringen diesen ähnlich wie den gestrigen, heute findet der Tag aber ein wesentlich früheres Ende als gestern. Dafür genießen wir das Abendessen heute am Lagerfeuer, trinken dazu einen Weißwein und tauschen uns begeistert über die Sichtung der Milchstraße in der Nacht aus. So gerne wir diese heute nochmal sehen möchten: die Wolken verdecken die Sicht auf den Himmel, so dass wir ohne etwas zu verpassen früh schlafen gehen können.
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