Trennung auf Zeit
12.–13. jul. 2024, Canada ⋅ ⛅ 25 °C
Bis 14 Uhr müssen wir heute auschecken, und weil wir uns für heute noch die knapp 14 Kilometer lange Wanderrunde vorgenommen haben, werden wir beide auch schon früh wach. Ich habe in der Nacht nichts mitbekommen, aber bei Hanna rumort es ordentlich im Magen, und daher mache ich mich allein mit Bella auf den Weg.
Der erste Kilometer führt mich noch entlang der Straße, da auf dem Stück bis zum Einstieg der Wanderung entlang des Strandes Hunde nicht erlaubt sind. Im Wald angekommen, beginnt Bella mit einer Schnüffelorgie, und ich fühle mich, als würde ich mit einem Anker spazieren. Da ich keine Menschenseele ausmachen kann, mache ich Bella auch los und kann so viel freier stapfen.
Das Wetter ist angenehm kühl, vom See weht eine schöne Brise, und im Wald duftet es herrlich. Immer wieder muss ich mir dünne Spinnfäden aus dem Gesicht wischen – scheinbar sind wir die ersten Spaziergänger des Tages. Insgesamt vier Wanderungen (plus ein gutes Stück an der Straße) lassen sich hier zu einem Rundweg zusammensetzen. Nachdem ich den ersten Teil hinter mir gelassen habe, ist die Landschaft deutlich von Gestein auf dem Boden geprägt, welches von einem unterirdischen Vulkan pro Jahr um wenige Millimeter angehoben wird.
Insgesamt 400 Höhenmeter sind heute zu bewältigen, und knapp 300 davon verteilen sich auf das knapp 3 Kilometer lange nächste Stück. Ich merke deutlich, dass ich nicht mehr in der allerbesten Form bin, marschiere zum Teil aber auch, als gäbe es einen Preis zu gewinnen. Zwischenzeitlich muss ich innehalten und mir den Schweiß aus dem Gesicht wischen. Bella lässt sich entlang des Weges nichts anmerken, hält immer wieder inne und saugt die Gerüche in sich auf.
Trotz der Anstrengung kann ich die ganzen Eindrücke genießen und freue mich sehr über diese mückenfreie Wanderung.
Am Ende des dritten Teils gibt es einen Holzpavillon, der zu einer kurzen Rast und dem Genießen der Aussicht einlädt. Bella streckt sofort alle Viere von sich und genießt die Pause. Langsam ist ihr Alter dann doch zu merken. Ich verputze die mitgebrachte Banane und videofoniere kurz mit Hanna, sodass sie auch etwas von der Wanderung hat. Nach gut einer Viertelstunde geht es weiter, und der vierte Abschnitt führt kontinuierlich abwärts. Es handelt sich um eine Service-Straße des Provincial Parks, wobei der von Gras überwucherte Streifen in der Mitte davon zeugt, dass hier eher selten Fahrzeuge verkehren. Den letzten Teil entlang der Zufahrtsstraße zum Park lassen wir schnell hinter uns und sind nach knapp drei Stunden wieder an Freddie.
Hanna fühlt sich mittlerweile wieder etwas besser und hat in und um Freddie schon mal etwas sauber gemacht und zusammen geräumt. Das Stand-up-Paddle-Board muss verstaut werden, und nachdem ich Hanna erklärt habe, wie ich es in der Vergangenheit erfolgreich verstaut habe, macht sie sich daran. Das Brett und die Doppelhubpumpe werden mittels Spanngurten unter dem Bett verzurrt, aber als ich diese Lösung vorbereitet habe, habe ich mir wenig Gedanken darüber gemacht, wie praktikabel das Entnehmen und Verstauen ist. Es braucht drei Versuche, knapp 20 Minuten und am Ende ein separates Verstauen der Pumpe, bis diese ToDo abgeschlossen ist.
Pünktlich um 14 Uhr verlassen wir den Stellplatz. Hanna war schon am Morgen duschen, aber ich möchte dies nach der Runde vom Vormittag noch unbedingt nachholen, und so stoppen wir kurz am Duschhaus. Auf dem Weg zum Highway halten wir noch am recht interessanten Besucherzentrum.
Während des Zweiten Weltkrieges war auf dem Gelände des heutigen Parks ein Kriegsgefangenenlager untergebracht und neben Ausstellungsstücken der lokalen Fauna und Flora wird hier auch im Detail über dieses Lager berichtet. Die ranghohen deutschen Kriegsgefangenen wurden über den Atlantik gebracht, um sicherzustellen, dass sie bei einer etwaigen Flucht nicht wieder am Krieg teilnehmen können. Historische Aufzeichnungen und Berichte von Gefangenen geben einen guten Einblick in den damaligen Alltag. Wir sind beide mehr als dankbar, dass wir trotz der Geschichte Deutschlands immer und überall während unserer Reise herzlichst willkommen geheißen wurden.
Außerdem finden sich Infos über den Lake Superior, dass es sich um den größten See der Welt handelt wussten wir bereits vor unserem Besuch hier. Das er allerdings so viel Wasser führt, dass bei Umverteilung des Volumens ganz Nordamerika (also USA und Kanada) 10cm unter Wasser stünden, lässt uns ganz schön baff zurück.
Nachdem wir noch die Versorgungsstation mitgenommen haben, machen wir uns, ohne ein konkretes Ziel zu haben, auf den Weg. Da mir mittlerweile der Magen ziemlich durchhängt (und bei Hanna alles wieder fit ist), machen wir Halt bei der kanadischen Burgerkette A&W. Während es für mich die vegetarische Burgervariante gibt, probiert Hanna den Hühnchen-Burger. Dazu gibt es für uns beide als Beilage Poutine. Alles ist direkt frisch zubereitet (hier gibt es gerade aber auch kaum bis keine Kunden), und es gibt richtiges Besteck und Geschirr sowie einen richtigen Krug für das Getränk der Wahl aus der Soda-Maschine. Man sieht den Dingern die Zeichen der Zeit deutlich an, aber trotzdem wirkt das Menü aus dem Schnellrestaurant dadurch direkt hochwertiger.
Nachdem wir gut zwei Stündchen gefahren sind, bekomme ich bei dem guten Wetter Lust auf einen kalten Kaffee und steuere nach dem Tanken einen Tim Hortons an. Wir schaffen es natürlich nicht, nur einen erfrischenden Kaffee zu bestellen – was haben wir da bloß losgetreten.
Ohne konkreten Plan fahren wir weiter, und ab 20 Uhr halten wir immer wieder kurz bei verschiedenen Plätzen entlang des Lake Superior, die bei iOverlander gelistet sind. Wir sind uns beide einig, dass wir nicht an einem Platz mit vielen Mücken stehen wollen. Davon ab finde ich aber an jedem Platz etwas auszusetzen, sodass wir uns gegen 22 Uhr in einen weiteren Provincial Park retten, wo Hanna als erstes ne Abendrund emit Bella dreht.
Wir sind beide müde und satt, aber immer noch von den schönen Eindrücken entlang des Lake Superiors aufgedreht und schauen so noch eine Folge Dexter. Die Ablenkung sorgt dann bei uns beiden dafür, dass wir schnell einschlafen können.Læs mere







Rejsende
na das ist mal ein Wald . Superschõn , Ich frage mich gerade ob es dort nur Beeren oder auch Bāren gibt. ich hãtte auf die Wanderung vorsichtshalber Bâr:enspray mit genommen.. ;-)
Rejsendewe immer win toller Bericht !!!!