Kein Eisberg in Sicht
22.–23. jul. 2024, Canada ⋅ 🌬 19 °C
In der Nacht hat Freddie immer wieder wild geschaukelt, wir haben aber trotzdem (oder deswegen) sehr gut geschlafen. Das einzig Störende ist eine der Vasen, die mittlerweile frei schwingend am Deko-Ast hängt und wie der Stößel einer Glocke die besonders intensiven Windböen verkündet.
Während sich Hanna für die Morgenrunde auf den Weg macht und das Wasser langsam zu kochen beginnt, versuche ich, die Vase mit Kleber erneut zu befestigen. Ich scheitere allerdings kläglich, der Kleber ist zu flüssig und die Vase temporär bis zum Aushärten zu befestigen klappt auch nicht. Also muss die Vase später „entfernt“ werden.
Da Hanna noch nicht in Sicht ist, stelle ich den Herd nochmal aus und schaue zwischenzeitlich immer wieder um die Ecke. Dort treffe ich dann allerdings nicht auf Hanna, sondern auf ein älteres Paar aus Quebec, die weiter unten mit ihrem Camper stehen und sich aufgrund des fehlenden Vierradantriebs nicht bis nach oben getraut haben. Unser Kennzeichen war natürlich mal wieder der ausschlaggebende Punkt und so unterhalte ich mich mit den beiden fast eine Viertelstunde, bevor sich Hanna und Bella dazugesellen. Die Frau muss zwischenzeitlich immer wieder ins Französische für ihren Mann übersetzen – wie schön und praktisch es einfach wäre, wenn wir beide diese Sprache beherrschen würden. Am Spruch „Du lernst nicht für die Schule, sondern fürs Leben“ ist scheinbar doch was dran.
Nachdem sich die beiden auf den Weg zur Wanderung machen, kümmere ich mich um Kaffee und Tee, die dann auch wenige Minuten später fertig sind. Hanna ist ebenfalls begeistert von der kleinen Rundwanderung und kann meine gestrige Begeisterung absolut nachvollziehen.
Der Hauptgrund, warum wir unsere Rückreise ab Montreal antreten, ist natürlich Bella. Mit Lufthansa gab bzw. gibt es keine Direktflüge ab Halifax. Während unserer Reise habe ich aber herausgefunden, dass Condor ab Halifax fliegt und wir hatten eine mögliche Rückreise ab Halifax immer wieder auf dem Schirm. Nachdem wir beim Kaffee noch ein paar Mal hin- und herüberlegen, bleiben wir aber doch bei einer Rückreise ab Montreal. Ich schnappe mir also meinen Laptop, um endlich mal den Mietwagen zu buchen, den wir für die knapp 1200 Kilometer lange Strecke zwischen Halifax und Montreal benötigen. Wir hatten uns die Mietwagenpreise vorab schon mal angeschaut und deswegen falle ich fast hinten über (die Klippe), als mir eines der Vergleichsportale Preise ab 1400€ aufwärts für eine Mietdauer von vier Tagen anzeigt. Ich vermute erst einen Fehler auf der Website, probiere noch ein paar Mietwagenanbieter direkt aus, aber es ändert nichts an den Preisen.
Eine kurze Recherche im Netz ergibt, dass hohe Gebühren für Einweg-Mieten anfallen, da die Fahrzeuge an den Abgabestationen nicht wieder vermietet werden können, sondern per LKW zurückgebracht werden müssen. Das Ganze kenne ich auch von meinen Elopak-Reisen. Für uns sind 1200 Kilometer gerade auch nur ein „Katzensprung“, von Solingen aus ist fast jeder Staat der EU innerhalb eines Luftlinienradius dieser Distanz zu erreichen.
Unsere Überlegung fällt daher kurz auf einen Umzugstransporter der amerikanischen Firma U-Haul, für den wir nur 400€ bezahlen müssten. Wir stellen die Preise für den Umzugstransporter, Spritkosten und andere Posten, die uns einfallen, den Kosten gegenüber, die wir für einen Flug ab Halifax bezahlen und kommen schnell zu dem Punkt, dass die vermeintlichen Mehrkosten für eine Rückreise ab Halifax von knapp 200€ zu verschmerzen sind. Insbesondere, da wir so Freddie nicht am Donnerstag, den 8. August, abgeben würden, sondern erst am Montag, dem 12. August, und wir am Dienstag zurückflögen. Und da uns die Zeit gerade gefühlt durch die Finger rinnt, ist diese auch mit Geld nicht wirklich aufzuwiegen.
Das ganze Hin und Her Überlegen und die Recherche erstrecken sich über den Großteil des späten Vormittags und frühen Nachmittags. Zwischendurch machen wir eine Müslipause und halten wieder Ausschau nach Walen, die wir fast die ganze Zeit in der vor uns liegenden Bucht beobachten können. Nachdem die Erkenntnisse einige Zeit auf uns gewirkt haben, entscheiden wir uns für die Rückreise ab Halifax. Ich melde mich also beim Reiseservice mit meiner Kreditkarte (hier gibt es gerade bei telefonischer Buchung Rabatt), werde aber darauf hingewiesen, dass ich außerhalb der Geschäftszeiten anrufe. Also wird das Ganze auf morgen vertagt und wir verlassen den „Büro“-Modus, tauchen wieder vollkommen in die wundervolle Natur um uns herum ein und lassen die Seele baumeln.
Am Abend mache ich mich in der untergehenden Sonne auf den Weg mit Bella. Diesmal möchte ich die andere Seite erkunden und muss dafür über den unter uns liegenden Campingplatz laufen. Dieser ist gut gefüllt – sowohl mit anderen Campern als auch mit einem Hochzeitspaar, das sich vor der untergehenden Sonne und später im Gras ablichten lässt. Kein Wunder, bei dieser wundervollen Kulisse.
Die andere Seite führt über exponierte Klippen direkt am Meer entlang und endet an der Spitze an einer weitläufigen Bucht. Hier tauchen in knapp 350 Metern Entfernung immer wieder drei Wale auf. Mir fällt es sehr, sehr schwer, mich von diesem Anblick im Sonnenuntergang zu lösen, und schicke Hanna nach einer halben Stunde eine Nachricht, dass ich schwerstens in Wale verliebt bin, mich jetzt aber auf den Heimweg mache. Hanna hat sich so etwas aber bereits gedacht und vorsorglich das Curry noch nicht weiter köcheln lassen.
Gemütlich lassen wir den Abend in Freddie ausklingen, futtern das leckere Curry und freuen uns beide immer wieder über den Entschluss, ab Halifax zu fliegen und so noch ein paar Tage gewonnen zu haben.Læs mere






















Rejsende
Klasse !
Rejsende
Was für ein toller Stellplatz :-)
Rejsende
.😵💫🧐😎