• Puffins!

    24.–25. jul. 2024, Canada ⋅ ☀️ 16 °C

    Wir wachen im Dungeon Provincial Park auf und auch wenn wir den Platz gestern Abend „nur“ als okay empfunden haben, ist der Ausblick aus den Heckfenstern traumhaft schön. Wir stehen wieder direkt am Meer und genießen es einfach so sehr, aktuell nahezu jeden Morgen mit Meeresbrise und Wellenrauschen geweckt zu werden.

    Ich mache mich auf zu einer Runde mit Bella. Das Wetter ist fantastisch, der Himmel knallblau und unterwegs treffe ich ein paar Menschen, für die es absolut kein Problem zu sein scheint, dass ich mit Bella auf den Wegen des Parks unterwegs bin. Wir watscheln bis zu den vorderen Klippen und Bella fühlt sich sichtlich wohl in dieser Kulisse. Auf dem Rückweg treffe ich ein Pärchen, das ebenfalls mit zwei Hunden und jeweils einer Tasse Kaffee in der Hand unterwegs ist. Das ungute Gefühl von gestern Abend, dass Bella hier ein Problem sein könnte, ist mittlerweile wie weggeblasen.

    Zurück an Freddie wartet Kaffee, Tee und ein leckerer O-Saft auf mich. Ich steige aufs Bett und nehme meinen Laptop mit. Mit Kaffee neben mir mache ich mich an das Tippen des Berichts von gestern. Christian sitzt, wie meist beim Arbeiten, unten am Tischchen und hat seinen Laptop ebenfalls aufgeklappt. Heute hat er mal ein paar Berichte mehr zu tippen als ich, was daran liegt, dass er sich in den letzten Tagen viel mit organisatorischen Dingen für unsere Rückreise beschäftigt hat. Auch heute kümmert er sich noch darum, dass wir in Halifax zwei Nächte in einem Hotel unterkommen. Eine Nacht, bevor wir fliegen (da ist Freddie dann schon abgegeben), und die Nacht davor, damit wir nicht vom Hafen aus mit Sack und Pack für den Flug quer durch Halifax hoppeln müssen. Ich bin ganz schön froh, einen Recherchian an meiner Seite zu haben, der so einen Kram auf dem Schirm hat, gut durchdenkt und gerne macht.

    Ich lese noch ein wenig, nachdem mein Bericht fertig und korrigiert ist, und mache uns dann als Frühstückssnack eine Runde Sandwiches mit Käse, Avocado, Ei und Salat. Irgendwie verfliegt der Vormittag ganz schön schnell und so richtig geplant haben wir noch gar nicht, wie der Tag weitergehen soll. So in den Tag hinein zu leben ist einfach zauberhaft und immer wieder führe ich mir vor Augen, dass wir das genießen sollten, solange es noch geht. Das ist mir tatsächlich über die ganze Zeit wirklich gut gelungen. Ich erinnere mich, dass ich recht am Anfang geschrieben habe, dass ich mir vornehme, immer wenn es mir auffällt, die Besonderheit dieser Zeit des Sabbaticals ganz bewusst zu genießen. Wie wenig selbstverständlich es ist, so eine Möglichkeit zu haben, wird mir insbesondere jetzt gegen Ende immer wieder bewusst.

    Als alles fertig getippt und gebucht ist, überlegen wir kurz, ob wir die 5 Kilometer bis zum Kap laufen, dann wieder zurückkommen und noch eine Nacht hier verbringen, oder ob wir mit Freddie in Richtung Kap fahren, hier eine Runde Puffins beobachten, weiter nach Ellington (wo es auch eine Puffin-Kolonie gibt) fahren und danach einen Platz für die Nacht suchen. Für morgen haben wir in St. John’s, der Hauptstadt der Provinz Labrador und Neufundland, einen Campingplatz gebucht und wollen die Stadt ein wenig erkunden. Da es noch ungefähr 300 Kilometer bis nach St. John‘s sind, machen wir uns mit Freddie auf den Weg in Richtung Kap und parken gute 2 Kilometer entfernt an einem kleinen Wanderweg, wo es auch ein kleines Schnellrestaurant gibt und einige Parkplätze vorhanden sind. Wir laufen los und genießen die Natur und Landschaft. Nach einiger Zeit passieren wir die Statue von John Cabot (Giovanni Caboto), einem italienischen Seefahrer, der 1497 wahrscheinlich hier am Kap als erster Europäer die Küste Nordamerikas betreten haben soll. Vermutlich tatsächlich hier in Neufundland am Kap Bonavista. Er startete 1497 mit seiner Mannschaft auf der Matthews in Bristol und sollte im Auftrag Heinrichs VII. neues Land finden. Als er hier Land sah, soll er „Oh, buon vista“ gerufen haben und so der späteren Siedlung zu ihrem Namen verholfen haben (ob dem wirklich so war, kann aber auch nicht belegt werden).

    Am Leuchtturm angekommen, sind wir nicht allein. Einige Leute tummeln sich und flanieren am Rand der Klippen mit Fotoapparaten und Handys. Nicht weit vorgelagert vor der Küste ist ein riesiger Felsen, nur wenige Meter vom Festland entfernt, auf dem eine riesige Papageientaucher-Kolonie ihre Brutstätte hat. Vollkommen fernab von jeglichen natürlichen Feinden. Sie haben hier also den perfekten Ort als Sommerdomizil auserkoren. Durch den Sucher meines Teleobjektivs kann ich ein paar Puffins gut ausmachen. Nach kurzer Zeit gehe ich aber dazu über, wie Christian einfach das wilde Treiben zu beobachten. Es ist wirklich putzig anzusehen, wie diese kleinen, charmanten, tollpatschig laufenden Wesen ihrem Tagwerk nachgehen. Zwischenzeitlich fliegen sie immer wieder los und kehren kurze Zeit später mit einem Schnabel voll Mini-Fische zurück. Dabei fliegen sie teilweise ganz nah über uns, aber die kleinen Wichte im Flug zu fotografieren, gelingt nicht annähernd. Auch Christian versucht es, aber es läuft einfach nur darauf hinaus, dass ich ein paar Stunden später eine Menge an himmelblauen Fotos von der Speicherkarte löschen muss. Aber auch so wird dieser Stopp eine zauberhafte Erinnerung bleiben.

    Wir machen uns wieder auf den Rückweg zu Freddie und entschließen uns, noch einen Snack im Schnellrestaurant zu genießen. Für Christian gibt es Fish & Chips und ich bestelle mir Fish Bites mit Pommes. Beides lokal gefangen. Wir können auf dem riesigen Grundstück im Garten essen, der direkt mit Meerblick und wirklich traumhaft gelegen ist. Bella macht es sich auf dem Rasen gemütlich und wir sitzen selig vor uns hin mampfend hier und beobachten ein paar Schiffe und Schnellboote, die vor der Küste unterwegs sind. Es ist mittlerweile schon 18 Uhr, aber wir möchten gern noch die 20 Minuten nach Elliston fahren, wo ebenfalls ein guter Ort sein soll, um Puffins zu beobachten. Wir haben keinerlei zeitlichen Druck und so rollen wir nach dem Schmackofatz weiter.

    In Elliston angekommen, parken wir auf einem Parkplatz und machen uns auf die 800 Meter bis zu dem Puffin-Felsen zu laufen. Bella muss hier im Auto bleiben, aber sie scheint sowieso zufriedener damit zu sein, ein Nickerchen auf dem Bett zu machen. Über den grasgrünen Teppich gelaufen, der sich über die Felsen zieht, kommen wir nach einer kleinen Anhöhe zu dem „place to be“ und staunen nicht schlecht, als wir eine Reihe von Menschen am Rand der Klippen sehen, die alle Kameras mit riesigen Teleobjektiven dabei haben. Einige haben Stative aufgebaut und es sieht einfach wie eine ziemlich surreale Kulisse aus. Dagegen stinken wir mit unserem Mini-Teleaufsatz ganz schön ab. Das Tolle ist aber, dass diese Puffins so nah sind, dass man auch mit einem solchen „Amateur-Aufsatz“ ganz coole Fotos machen kann. Ich bin zufrieden und am Ende sitzen Christian und ich bestimmt eine gute halbe Stunde hier oben und beobachten das Treiben von Menschen und Tieren. Scheinbar haben sich einige der Fotografen verabredet, denn es wird sich zwischenzeitlich über Lichteinfluss, den besten Winkel zum Fotografieren, Einstellungen und auch über eventuell andere Orte mit besserem Lichteinfall unterhalten. Ganz schön spannend, das Treiben auf sich wirken zu lassen.

    Nach diesem Stopp bin ich sehr beseelt. Vor zwei Jahren in Schottland haben Christian und ich das erste Mal Puffins auf einer unserer Reisen beobachten dürfen und sind seitdem richtige Fans der kleinen, taubengroßen, bunten Luftbewohner mit den süßen Clownsgesichtern. Sie brüten immer auf und am Fuße von Klippen und sind seit 2015 auf der Liste der gefährdeten Tierarten. Zu finden sind sie hauptsächlich am Nordatlantik. So schön, so viele der kleinen Luftakrobaten auf einen Haufen gesehen zu haben.

    Jetzt geht es noch ein Stückchen auf der Strecke in Richtung St. John’s weiter. Wir haben ein paar Stellplätze im Blick und kommen einige Zeit später in der Nähe von Trinity auf einem Wanderparkplatz an. Wir hatten auf einen der beiden Plätze vorne am Leuchtturm gehofft, von dem aus die Aussicht von der Landzunge aus wirklich gigantisch schön ist. Allerdings stehen hier auf zwei kleinen Flächen bereits 8 Camper dicht gedrängt und so bevorzugen wir dann doch den ruhigen, großen Platz, der nur auf einer Seite Sicht auf die Bucht gewährt. Dafür ist die Aussicht auf Trinity selbst, ein kleines 170-Seelen-Dörfchen, richtig malerisch. Voller schöner Eindrücke des Tages schließen wir den Tag wie schon so oft mit einer Folge Dexter und machen uns dann auf ins Land der Träume.
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