• Entspannung

    28.–29. jul. 2024, Canada ⋅ 🌬 18 °C

    Wir wachen in einem schön kühlen Freddie auf und hören um uns herum ausgehende Motoren, Autotüren, die geöffnet und geschlossen werden, und gemurmelte Unterhaltungen. Als wir die Thermomatten an den Heckfenstern herunterklappen, ist der Parkplatz um uns herum ordentlich gefüllt. Ganz schön wat los hier am Platz. Der Elan, aus Freddie zu hopsen, um mit Bella zu gehen, hält sich unter den Umständen ein wenig in Grenzen, und so entscheiden wir uns, einfach noch ein wenig im Bett herumzulümmeln.

    Christian hat gestern bereits herausgefunden, dass hier am Leuchtturm ein besonderes kulinarisches Erlebnis buchbar ist. Man kann ein Picknick buchen, das sowohl im Reiseführer angepriesen als auch bei Google als „Restauranterlebnis“ sehr gut bewertet ist. Auch wir fanden das Angebot verlockend, allerdings war für heute bereits alles ausgebucht. Nachdem die meisten Murmler sich auf den Weg in Richtung Leuchtturm gemacht haben (ungefähr ein 1,5 km langer Fußmarsch), schnappen wir uns Bella und machen uns bei richtig schönem Wetter ebenfalls auf den Weg zur Leuchtturmrunde. Unterwegs begegnen wir einigen Leuten, die alle in Richtung Leuchtturm zu pilgern scheinen. Nachdem man einer Schotterpiste in eine Senke und wieder hinauf gefolgt ist (rechts und links fällt ein Hang sofort zum Meer hinab), geht es weiter über einen Waldweg, der durch einen kleinen Hain führt. Angekommen am Leuchtturm, hat man einen weiten Blick über das Meer, auf den alten Turm und über die Hügel, die sich seicht um den Leuchtturm auf dem Kap befinden und von kleinen Trampelpfaden durchzogen sind. Rechts neben dem Leuchtturm hat sich schon ein Grüppchen eingefunden, das scheinbar auf den Start des Picknicks wartet.

    Nachdem wir einen der Trampelpfade um den Turm gewählt und abspaziert haben, machen wir uns wieder auf in Richtung Freddie. Wir hatten gestern schon überlegt, dass wir zwei Nächte an diesem Ort stehen könnten und eventuell noch zum Shamrock Festival, das auch heute stattfindet, laufen könnten. Zurück bei Freddie staunen wir nicht schlecht darüber, dass immer noch Grüppchen von Menschen nach oben zum Leuchtturm watscheln. Am Parkplatz angekommen, steht sogar ein ATV (quadähnliches Offroad-Fahrzeug) als Shuttle bereit. Um Freddie herum sind Autos aus Florida, Texas, Kalifornien, Ontario und aus vielen anderen Staaten und Provinzen geparkt. Gestern hat das Dörfchen wie schlafend da gelegen und überhaupt nicht so gewirkt, als sei es ein so großer Touristenmagnet. Aber scheinbar ist hier einiges los. Das Festival und die Leuchtturm-Picknicks scheinen ein wahrer Menschenmagnet zu sein.

    Bei Freddie machen wir uns aber erstmal an unser tägliches Kaffeekränzchen und überlegen, was der Tag für uns noch so bereithält. Ich bin eher schlapp und energielos, und selbst Christian springt heute nicht vor Begeisterung auf, um noch einen Ausflug zum Festival zu machen. Ein klein wenig regt sich ein „aber es ist doch so ein toller Zufall, dass dort gerade heute ein Festival ist; es wäre bestimmt schön, das mitzunehmen, und nicht dass wir am Ende bereuen, dass wir den Tag nur in Freddie rumgegammelt haben.“ Aber im Endeffekt ist ein Tag Rumgammeln und Verarbeiten genau das, was wir heute brauchen. Wir merken beide, dass wir wohl mal einen actionfreien Tag ohne neue Eindrücke, ohne Fahren, ohne menschliche Begegnungen und mit ordentlich Ruhe brauchen. Selbst wenn wir hier unsere wahnsinnig schönen und bunten Erlebnisse gut reflektieren können, kommt mein Kopf und, ich glaube, auch Christians Kopf nicht immer so schnell mit, wie uns Freddie durch die Welt trägt.

    Nach dieser Erkenntnis passiert dann den Tag über auch nicht mehr viel. Ich telefoniere eine Runde mit Oberauel (der Empfang ist mehr schlecht als recht), lese, wir dösen, schreiben Berichte, schauen Dexter und verpflegen uns mit Müsli, Sandwiches und Feta-Spaghetti. Der Tag war genauso richtig nötig und herrlich unspektakulär.
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