Über Stock und Stein
Aug 3–4, 2024 in Canada ⋅ ☁️ 20 °C
Wegen der Kürze unseres letzten Besuchs haben wir auf die lange Wanderung um „Crow Head“ verzichtet, wollen das aber unbedingt nachholen. Ich hatte zwar nicht unbedingt den heutigen Samstag dafür im Kopf, aber als Hanna den Vorschlag nach dem Aufwachen macht, bin ich nicht abgeneigt. Zwar soll es heute wieder warm werden, aber wenn wir uns zeitnah aufmachen, entgehen wir der ganz schlimmen Hitze. Immerhin sind es nur knapp 8 Kilometer.
Bis die Morgentoilette erledigt, die Trinkblase gefüllt, die Schuhe geschnürt und wir uns zur Sicherheit mit Sonnencreme und Insektenschutz eingerieben haben, dauert es dann aber doch bis fast halb 11.
Zunächst bewegen wir uns entlang der bekannten Pfade und spazieren zum nördlichen Ende. Hier habe ich letzte Woche ein paar Wale in einer Bucht schwimmen sehen, aber heute Morgen entdecken wir sie nicht. Hinter und über uns entdecken wir an der Klippe ein paar Menschen, die sich an ein Geländer drängen und wie wir über das Meer starren. Mit dem Wissen, dass wir dort als Nächstes hinauf müssen, spazieren wir weiter, verlassen schnell die zertretene Heide und werden über Holztreppen durch einen kleinen Wald nach oben geleitet und kommen am Parkplatz am Leuchtturm an. Die Aussicht ist wieder einmal wunderschön, auch wenn die steile Klippe unter uns nicht auszumachen ist.
Nach kurzer Suche finden wir dann auch die Fortsetzung der Wanderung und haben einen Blick auf das komplette Terrain, das vor uns liegt, und uns wird schnell klar, dass es hier das ein oder andere Mal steil nach oben oder unten gehen wird. Der Wanderweg wird von einer Gruppe von Einheimischen gepflegt, und immer wieder kommen wir an liebevoll in die Natur eingefassten Geländern, kleinen Treppen oder kurzen Stegen vorbei, die diese Wanderung überhaupt erst möglich machen.
Der gestrige Regen hat seine Spuren hinterlassen, aber bis auf ein paar matschige Stellen ist alles gut getrocknet und nicht wegen der Nässe rutschig. Weicher Waldboden wechselt sich mit steinigem Untergrund ab und nicht selten spazieren wir über Geröll. Mehr als für ein paar Dutzend Meter geht es selten geradeaus und ebenso selten ist es flach. Dementsprechend hochkonzentriert sind wir unterwegs, Hanna aufgrund ihres Fußes nochmal etwas mehr. Der Genuss der wundervollen Natur und der Aussicht kommt trotzdem nicht zu kurz, auch wenn wir zwischendurch wie zwei Dampflokomotiven pusten. Die Sonne setzt uns auf dem Weg am meisten zu, und wir haben nur kurze Abschnitte, in denen wir im Schatten laufen können. Zwischendurch weht immer wieder ein kühlender Wind, den wir freudig auf uns wirken lassen. Ein Blick auf mein Handy verrät, dass es jetzt bereits wärmer ist (und noch wärmer werden soll), als heute Morgen angekündigt.
Nach knapp 2,5 Stunden kommen wir an einem Kiesstrand an und setzen uns dort erstmal etwas in den Schatten, genießen die kühle Brise und die sanften Ausläufer der Gischt. Würden hier nicht gerade noch zwei andere Wanderpaare ihre Pause machen, wäre das Meer für kurze Zeit um zwei Nacktbadende bereichert worden. So machen wir uns nach kurzer Pause wieder auf den Weg. Knapp 3 Kilometer bis Freddie haben wir noch vor uns, und diese fordern uns alle nochmal richtig. Am Ende ist es die Kombination aus Steigung und stehender Wärme, die bei uns beiden für wummernde Köpfe sorgt. Unser Zwischenziel – wenn auch eher am Ende, kurz vor Freddie – ist ein kleines Café, das wir dann auch gut und sicher erreichen. Davor geht es aber noch einmal sehr steil, gefühlt fast senkrecht, nach unten. Entlang des Weges ist auf knapp 40 Metern lose ein Seil mit Knoten befestigt, ohne dessen Hilfe wir hier nicht nach unten gekommen wären. Zur Stärkung gibt es dann für uns im Lokal fantastischen Kaffee, eine kleine Portion Chili mit Panini und im Anschluss eine Limonade, zwei Stücke Kuchen und eine Schokoladen-Espresso-Marone. Letztere verspeise ich, während ich die letzten Stunden und das geschmackliche Highlight zur Melodie von „Heaven for Everyone“ von Queen in meinem Kopf Revue passieren lasse.
Gestärkt, aber auch etwas müde, lassen wir den letzten Kilometer hinter uns und erreichen gegen 15 Uhr Freddie. Beim Start heute Morgen hatten wir beide nicht auf dem Schirm, dass wir mit der Wanderung einen Großteil des Tages füllen würden. Gut, dass wir es getan haben!
Die „angenehmen“ 38 °C in Freddie reduzieren sich nach dem Öffnen aller Türen auf knapp über 30 °C und halten sich dann auch bis in die frühen Abendstunden. Nach einem kleinen Nickerchen und ein paar Schwierigkeiten mit der inneren Motivation schaffe ich es dann, nach unten zum Strand zu spazieren. Im kühlen Meer kühle ich mich dann ein wenig in Strandnähe ab, allerdings steht mir der Sinn nicht nach Schwimmen. Die Wellen halten sich zwar in Grenzen, aber die paar rot leuchtenden Quallen, die ich im klaren Wasser ausmachen kann, wirken nicht ganz so einladend auf mich. Trotzdem stapfe ich mit etwas mehr Energie den Hügel zu Freddie hinauf. Es dauert ein wenig, aber auch Hanna möchte sich die Erfrischung dann doch nicht entgehen lassen und lässt das Meerwasser dann mit Blick auf die Quallen in Habachtstellung bzw. -sitzung auf sich wirken.
Zum Abendessen entscheiden wir uns für eine Runde Wraps, die wir bei immer noch offenen Türen verputzen. In Freddie kühlt es sich im Laufe des Abends auf knapp unter 25 °C ab und das lässt sich dann auch ganz gut aushalten. Bella ist bereits gefüttert und liegt gemütlich auf ihrem Kissen, während ich überlege, ob wir heute Nacht nicht einfach bei offener Schiebetür schlafen sollen. Wir beide hören das Klingeln des Reißverschlusses des Moskitonetzes, als die Antwort auf besagte Überlegung geliefert wird: Bella ist bei geschlossenem Moskitonetz aus dem Wagen gesprungen und hat dabei mal wieder das Netz samt Gummidichtung aus der Tür „gerupft“. Dank einer schnellen Standpauke ist Bella schnell wieder in Freddie, die Ursache für den gewagten Sprung können wir aber nicht ausmachen, vermuten aber beide, dass es ein Wiesel war. Dieses hat uns bereits am Morgen besucht und dort auch kurzzeitig ein an Dynamik und Eleganz nicht zu überbietendes Jagdverhalten von Bella ausgelöst, das wir absolut nicht kennen.
Nach dem Spektakel schließen wir dann also die Schiebetür, was wir wegen des wenig später einsetzenden Regens ohnehin hätten machen müssen. Erschlagen vom Tag, in erster Linie der Eindrücke wegen, finden wir beide nach einer Runde Dexter in den Schlaf.Read more





















Traveler
Sehr Schõn '-)
TravelerSpäter dran als sonst mit dem kommentieren.... ☺️😄
TravelerICH HAB WOHL JUUUTT JESCHLAFENUN un der Harndrang wor später dran :-)